Handball-Kolumne
Jetzt startet die schönste Zeit des Jahres

Goran Perkovac steht mit dem HC Kriens-Luzern im Playoff-Viertelfinal und kann am Samstag Cupsieger werden. In seiner Kolumne blickt der frühere kroatische Nationalspieler auf die nächsten Tage und Wochen voraus.

Goran Perkovac
Goran Perkovac
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Erstmals in der Vereinsgeschichte und als erster Innerschweizer Handballklub überhaupt steht der HC Kriens-Luzern am Samstag im Schweizer Cupfinal. Mit den Kadetten Schaffhausen treffen wir auf den Ligakrösus und seines Zeichens achtfachen Cupsieger. Die Favoritenrolle liegt beim Gegner – uns soll’s recht sein.

In den bisherigen Vergleichen der abgelaufenen Qualifikationsrunde konnten wir unsere Rolle als Angstgegner der Kadetten weiter festigen. Ein Sieg von uns wie zuletzt mit elf Toren Differenz wird sich jedoch kaum wiederholen. Wir werden uns aber nochmals deutlich steigern und unsere Leistungsgrenze verschieben müssen, was ich meiner Mannschaft zweifelsohne zutraue. Elementar ist, wie wir die Partie anpacken, und wie wir mental mit dem Druck umgehen, dass innert 60 Minuten – plus einer allfälligen Verlängerung und einem Showdown vom Siebenmeterstrich – eine Entscheidung fallen muss.

Eine Niederlage kann im Gegensatz zu den Playoffs nicht mehr korrigiert werden. Ich bin gespannt, ob unser Hunger nach Erfolg und der Aussicht auf den ersten Titel grösser ist als die Erfahrung der erfolgsverwöhnten Kadetten. Zudem winkt die Möglichkeit, sich mit einem Sieg in Bern bereits einen Platz im Europacup zu sichern.

Die zweite Möglichkeit, sich international zu qualifizieren, bilden die Playoffs. Dank dem dritten Platz geniessen wir Heimrecht gegen Wacker Thun. Die Oberländer haderten während der Saison öfters mit Verletzungen, von denen wir bislang einigermassen verschont blieben. Nur, die Thuner können in dieser entscheidenden Meisterschaftsphase wieder auf den fast kompletten Personalbestand zurückgreifen und sind meiner Meinung schwierig auszurechnen.

Unser Hauptaugenmerk liegt dabei auf Lukas Deschwanden. Der Urner befindet sich in blendender Form und kann Spiele im Alleingang entscheiden. Aber nicht nur er allein. Zudem bin ich mir sicher, dass sich mein geschätzter Trainerkollege, Martin Rubin, mit einem Erfolg in Richtung BSV Bern verabschieden will. Wichtig ist, dass sich unsere Qualität über die Mentalität der Oberländer hinwegsetzt, entsprechend erwarte ich eine enge Kiste, die wir mit allen Kräften zu unseren Gunsten entscheiden wollen – und werden.

Generell starten wir in einer stabilen Verfassung in die für mich schönste Zeit des Jahres, wenn es gilt, sich im Dreitagesrythmus zu behaupten und die Kräfte zu bündeln. Mit den 40 Punkten, die wir uns im ersten Meisterschaftsteil erspielt haben, konnten wir unsere Entwicklung bestätigen. Eine Entwicklung, die mich enorm zuversichtlich stimmt und die noch lange nicht zu Ende ist.

Natürlich gab es auch Phasen in den vergangenen Monaten, in denen wir nicht unser gewohntes Leistungsvolumen erreichten. Die Gründe dafür sind simpel. Unser Kader verfügt noch nicht über die Breite, wie dasjenige von Pfadi oder den Kadetten. Einer oder mehrere Ausfälle von Leistungsträgern wirken sich bei uns auf die Trainingsqualität und den Rhythmus aus. Insbesondere vor dem letzten Viertel der Qualifikation hatten wir ein Tal zu durchschreiten, aus dem wir uns jedoch wieder herausgekämpft haben. Grundsätzlich bin ich mit dem Gezeigten bislang mehr als zufrieden. Darauf wollen wir uns aber keineswegs ausruhen – ganz im Gegenteil. Wir sind ambitioniert und haben es nun in den eigenen Händen, unseren Zielen Konturen zu geben.

Und wer sich am Ende als Meister feiern darf, erkläre ich ihnen in der nächsten Kolumne.

Goran Perkovac (58) ist Trainer des HC Kriens-Luzern. Als Spieler wurde er mit Kroatien 1996 Olympiasieger und mehrfacher Schweizer Meister.