HANDBALL: Kriens überflügelt die Zwei-Meter-Männer

Der HC Kriens-Luzern gewinnt das Hinspiel im EHF-Cup gegen Saporoschje überzeugend mit 24:20. Die Zentralschweizer zeigen dabei wenig Ehrfurcht vor den körperlich überlegenen Ukrainern.

Stephan Santschi
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Auch der Krienser Daniel Fellmann zeichnete sich als Torschütze aus. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 3. September 2017))

Auch der Krienser Daniel Fellmann zeichnete sich als Torschütze aus. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 3. September 2017))

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

Der Start in die beiden nationalen Wettbewerbe war den Kriensern bereits geglückt: Im Cup stiessen sie dank eines 31:18-Siegs bei Fides St. Gallen in die Achtelfinals vor. Und in der Meisterschaft feierten sie am letzten Mittwoch einen 27:24-Erfolg bei GC Amicitia. Gestern, beim ersten Heimspiel der Saison, gelang nun auch der erste internationale Auftritt nach Mass. Gegen ZTR Saporoschje gewann Kriens-Luzern das Hinspiel der ersten Qualifikationsrunde im EHF-Cup mit 24:20 und schuf sich damit für die Reprise am nächsten Samstag eine ordentliche Ausgangslage. «Diese Vier-Tore-Differenz hätte ich vor dem Spiel sofort unterschrieben», betonte Trainer Heiko Grimm. Und Rückraumspieler Luca Spengler sagte, dass man diesen Vorsprung «gerne mitnehme. Der Druck liegt nun beim Gegner.»

So richtig wussten sie in der Vorbereitung nicht, was sie vom Gegner zu halten hatten. Eines aber war klar: In physischer Hinsicht dürfte der Zweite der ukrainischen Meisterschaft eine grosse Herausforderung werden. Vier Akteure der Gäste waren über zwei Meter gross und brachten über 100 Kilo auf die Waage. «Das ist ein Gegensatz zu dem, was wir aus unserer Liga gewohnt sind. So tun die Zweikämpfe noch etwas mehr weh», stellte Spengler fest. Er, der mit seinen exakt zwei Metern Körperlänge als Einziger seines Teams in diese Sphären vorzudringen vermag, war in der Maihofhalle einer der Schlüsselspieler der Luzerner: In der Defensive stand er seinen Mann als vorgestellter Verteidiger im 5:1-System. Und vorne avancierte er mit sieben Treffern zum besten Schützen seiner Farben. «Ich war im Tunnel drin, für einen Sportler gibt es nichts Besseres, als wenn er sich so fühlt.»

Hitzige Atmosphäre im Rückspiel

Wie der 25-jährige Spengler, so zeigten auch seine Teamkollegen keinen Respekt vor den massigen Osteuropäern. Die Zentralschweizer nahmen den Kampf an und verteidigten vorzüglich. In der 19. Minute war das Skore letztmals ausgeglichen (7:7), danach lag der Gastgeber stets in Front. Die spielerischen Mängel waren zwar erkennbar, die verletzungsbedingten Absenzen von Spielmacher Tom Hofstetter und Kreisläufer Fabio Baviera spürbar. Doch das machten die Krienser mit umso mehr Leidenschaft und Kampfgeist wett. Auch nach dem Seitenwechsel teilte Kriens-Luzern aus, steckte ein und liess sich selbst dann nicht aus der Ruhe bringen, wenn Saporoschje angesichts der Niederlage den nächsten Zwei-Meter-Mann einwechselte.

Die Durchschlagskraft des Angriffsspiels war zwar weiterhin Schwankungen unterworfen, Saporoschje-Keeper Dereviankin brauchte sich für seine total zwölf Paraden nicht allzu stark anzustrengen. Die Intensität in der Abwehr hielt den Gegner aber auf Distanz. «Mit dieser Leistung legen wir unsere eigene Messlatte hoch», sagte Trainer Heiko Grimm. «Das muss unser Massstab sein, das will ich immer sehen.»

Für das Rückspiel wünscht er sich, dass man aus der stabilen Defensive noch mehr Kapital für den Angriff ziehen kann, «die zweite Welle können wir besser spielen». Am nächsten Freitag, um 5 Uhr morgens, ist Besammlung, dann geht es mit dem Flugzeug über Wien nach Dnipropetrowsk und anschliessend mit dem Bus ins knapp 90 Kilometer südlich gelegene Saporoschje. «Eine anspruchsvolle Reise und eine hitzige Atmosphäre in der Halle erwarten uns», sagte Luca Spengler.