HANDBALL: Krienser verschenken den Sieg

Kriens-Luzern sieht gegen GC Amicitia erst wie der Verlierer, dann wie der sichere Sieger aus. Am Ende steht es in einer verrückten Partie 28:28.

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Mit sieben Treffern der HCK-Topskorer: Peter Schramm (Mitte). (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 17. Dezember 2016))

Mit sieben Treffern der HCK-Topskorer: Peter Schramm (Mitte). (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 17. Dezember 2016))

Stephan Santschi
stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

Der Schrecken stand Severin Ramseier ins Gesicht geschrieben, draussen malträtierte Trainer Heiko Grimm eine Tasche mit dem Fuss, auf der Tribüne herrschte ungläubiges Staunen. Wie war es möglich, dass Kriens-Luzern den Sieg noch preisgab?

Alle Vorteile lagen doch auf seiner Seite, 28:27 lautete das Skore wenige Sekunden vor Schluss, zudem war man im Ballbesitz, erhielt fast auf der eigenen Grundlinie einen Einwurf zugesprochen. Die Zürcher deckten offensiv, die Krienser spielten sich problemlos frei. Der Ball gelangte in der Spielfeldmitte zu Ramseier.

Ausgleich zwei Sekunden vor Schluss

Und dann entschied sich der sonst abgezockte Flügelspieler gegen sein Ex-Team für ein fatales Fehlzuspiel an den Kreis anstatt die verbliebene Zeit herunterzuspielen. Zürichs Goalie schnappte sich den Ball, warf ihn zurück ans andere Ende des Feldes, wo Nicolas Suter bereitstand und den Ball zwei Sekunden vor dem Abpfiff zum Ausgleich über die Linie drosch. «Das war der letzte von zehn unerklärlichen Fehlern», haderte Trainer Grimm. Im Wissen, dass seinen Spielern in den letzten Partien immer wieder solche Blackouts unterlaufen waren.

Die Krienser gaben also auf nonchalante Art und Weise den sicheren Sieg aus der Hand. Dass sie dazu überhaupt die Gelegenheit erhielten, war schon erstaunlich genug. Lange sahen sie gegen den designierten Abstiegsrunden-Teilnehmer aus Zürich nämlich wie der sichere Verlierer aus. Praktisch während der gesamten Spielzeit lief der HCK einem Rückstand hinterher. Weil er lange ganz schlecht verteidigte. Und weil er sich eben immer wieder diese Aussetzer erlaubte. Torhüter Paul Bar warf die Bälle bei den Gegenstössen irgendwohin, aber nicht zum Mitspieler. Jost Brücker spielte einen Rückpass in die Hände des Gegners, anstatt den Konter nach vorne zu lancieren. Und dann gesellte sich zum Unvermögen auch noch Pech, wenn gegnerische Abschlüsse von der eigenen Deckung ins Tor abgelenkt wurden oder Abpraller beim Kontrahenten landeten. «Wir waren nicht bereit für dieses Spiel, waren im Kopf und kräftemässig leer. Zu Saisonbeginn haben wir viel besser verteidigt», ärgerte sich Rückraumspieler Boris Stankovic, der sich in der zweiten Halbzeit ein kleines Wortgefecht mit Trainer Grimm geliefert hatte.

Gegen Ende der ersten Halbzeit pendelte sich der Rückstand bei drei Treffern ein, nach dem Seitenwechsel waren es bald einmal vier (37./15:19). Die Krienser gaben sich aber nicht auf, schafften ein erstes Comeback und glichen das Geschehen bis zur 45. Minute aus (21:21). Anschliessend liessen sie GC Amicitia wieder bis auf vier Tore davonziehen (51./21:25), um sogleich wieder aufzuschliessen (55./25:25). Vor allem den beiden Rückraumspielern Peter Schramm (7 Tore) und Tom Hofstetter (6) war es zu verdanken, dass man überhaupt noch auf einen Punktgewinn hoffen konnte.

Nun folgt Cup-Viertelfinal in Schaffhausen

Am Ende blieb den Kriensern dank Kampfgeist und Moral immerhin die zweite Heimniederlage der Saison erspart. Die Formkurve zeigte zuletzt nach unten, auch bedingt durch viele verletzte und angeschlagene Spieler. Trotzdem beendet man die NLA-Qualifikation auf dem starken dritten Platz. Zeit für die ersehnte Winterpause ist es aber noch nicht, ganz im Gegenteil: Am Mittwoch (19.30 Uhr, BBC Arena) steht für die Krienser nichts weniger als «das Spiel des Jahres» auf dem Programm, wie es Grimm formulierte. Im Cup-Viertelfinal messen sie sich auswärts mit Branchenleader Kadetten Schaffhausen. «Ich hoffe, wir können wieder befreit aufspielen und Spass haben. Wir werden alles in die Waagschale werfen», sagte Grimm. Die Aussenseiterrolle kommt ihm nach den fahrigen Auftritten der jüngeren Vergangenheit nicht ungelegen.

Kriens-Luzern - GC Amicitia 28:28 (13:16)

Maihofhalle. – 450 Zuschauer. – SR Bär/Süess.
Strafen: 2-mal 2 Minuten gegen Kriens-Luzern, 5-mal 2 Minuten gegen GC Amicitia.

Kriens-Luzern: Bar/Portmann; Ramseier (3), Stankovic (5/3), Hofstetter (6), Schramm (7), Blättler, Fellmann (2), Wipf; Spengler, Baviera (2), Radovanovic (2), Brücker (1).

GC Amicitia: Schelling; Santoro (2), Engler (5), Suter (6/3), Fröhlich (5), Müller (3), Koloper (3); Jepsen (4), Quni.

Bemerkungen: Schelling pariert Penalty von Stankovic (33./14:17). Kriens-Luzern ohne Nyffenegger (verletzt), GC ohne Wick (krank), Rieder, Leitner, Schild (verletzt).

Der Krienser Fabio Baviera beim Abschluss. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 17. Dezember 2016))

Der Krienser Fabio Baviera beim Abschluss. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 17. Dezember 2016))

GCs Matias Helt Jepsen bezwingt HCK-Torhüter Andreas Portmann (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 17. Dezember 2016))

GCs Matias Helt Jepsen bezwingt HCK-Torhüter Andreas Portmann (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 17. Dezember 2016))

Der Krienser Aleksandrar Radovanovic (Mitte) wird von den Amicitia-Spielern Jepsen Matias Helt (links) und Luigj Quni zurückgehalten. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 17. Dezember 2016))

Der Krienser Aleksandrar Radovanovic (Mitte) wird von den Amicitia-Spielern Jepsen Matias Helt (links) und Luigj Quni zurückgehalten. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 17. Dezember 2016))