HANDBALL: LK Zug erzwingt Finalissima: «Nein, bei uns holen die nicht Gold!»

Der LK Zug ringt den LC Brühl mit 25:20 nieder und erzwingt die Finalissima am Sonntag. Überragend: die Abwehr und Goalie Marion Betschart, die zwei unruhige Tage hinter sich hat.

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Der LK Zug mit Stefanie Javet (links) und Soka Smitran (Mitte) dürfen wieder auf den Meistertitel hoffen. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 23. Mai 2017))

Der LK Zug mit Stefanie Javet (links) und Soka Smitran (Mitte) dürfen wieder auf den Meistertitel hoffen. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 23. Mai 2017))

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

Welch ein Lärmpegel in der Zuger Sporthalle, es schien für kurze Zeit gar, als wäre der LK Zug gerade zum fünften Mal Schweizer Meister geworden. So weit ist es zwar noch nicht. Der 25:20-Sieg im zweiten Finalspiel gegen den LC Brühl verhinderte aber die Krönung des Gegners, der am letzten Wochenende zum Auftakt zu Hause mit 34:26 gewonnen hatte. Damit kommt es am nächsten Sonntag in St. Gallen (15 Uhr, Kreuzbleiche) zum dritten und entscheidenden Spiel in dieser Best-of-3-Serie. «In St. Gallen flogen nach dem ersten Spiel bereits Goldschnipsel durch die Halle, das hat mir nicht gepasst. Deshalb sagte sich Frau Betschart: Nein, nein, bei uns in Zug holen die ganz sicher nicht die Goldmedaille», sagte Marion Betschart und lächelte verschmitzt.

Sie, die Torhüterin des LKZ, war gestern die überragende Figur ihres Teams gewesen. In Halbzeit eins erreichte sie vorübergehend sogar eine fabelhafte Abwehrquote von 70 Prozent. «Die letzten 48 Stunden waren für mich nicht so einfach gewesen. Mein erster Match war nicht so gut, ich habe danach viel überlegt, was ich besser machen muss. Diesmal habe ich mich an der Nase genommen», kommentierte sie ihren starken Auftritt, der am Ende 21 Paraden umfasste. Betschart wusste aber auch: Ohne intakte Abwehr funktioniert es nicht. Und die defensive Arbeit der Zugerinnen, die war an diesem Abend Extraklasse.

In Halbzeit eins dauerte es geschlagene 12 Minuten und 54 Sekunden, bis die Ostschweizerinnen erstmals ein Tor erzielten. Da aber auch die Zugerinnen in der Offensive noch nicht in die Gänge kamen, stand es zu diesem Zeitpunkt erst 2:1. Ein ungewöhnlich torarmes Spiel bahnte sich vor 750 Zuschauern also an mit zwei Teams, die sich nichts schenkten und bis zur Pause auch resultatmässig mehr oder weniger im Gleichschritt unterwegs waren (10:8). Nach dem Seitenwechsel wäre daher eine Fortsetzung dieses Kopf-an-Kopf-Rennens zu erwarten gewesen. Das Drehbuch allerdings hielt eine erstaunliche Wendung bereit.

Die ganze Spannung, welche sich in Halbzeit eins aufgebaut hatte, verpuffte innert wenigen Minuten. Die Zugerinnen deckten weiterhin aggressiv, kompakt und harmonisch, der LC Brühl brauchte wieder fast neun Minuten, bis er erstmals traf. Und vorne waren es nun Martina Traber und Soka Smitran, die sich konsequent in die Lücken der St. Galler Defensive warfen und das Skore bis zur 38. Minute auf 15:8 erhöhten. Vorübergehend betrug der Vorsprung der Gastgeberinnen sogar neun Tore, ehe die einzige Schwächephase einen Kantersieg verhinderte. Der Erfolg war dem LKZ allerdings nicht mehr zu nehmen.

Trainingsfrei, aber keine Kältekammer

Am Sonntag kommt es damit also zur Finalissima in St. Gallen. «Sensationell», mit diesem Superlativ umschrieb LKZ-Trainer Damian Gwerder die Verteidigung seines Teams, und er hielt mit Blick zum Pokal auf dem Speakertisch ergänzend fest: «Wenn wir das nochmals so hinkriegen, gehört dieses schöne Ding wieder uns.» Wie bereiten sich die Zugerinnen nun vor, gehen sie wie die St. Gallerinnen zur Regeneration in die Kältekammer? «Nein, am Mittwoch ist trainingsfrei, am Donnerstag üben wir mit Videostudium, Freitag und Samstag ist wieder frei. Und dann gehen wir mit Freude nach St. Gallen.» Und mit der Hoffnung, dass der goldene Schnipselregen diesmal dem LK Zug gewidmet ist – für den fünften Meistertitel der Vereinsgeschichte.

Playoff-Final

SPL. Finalspiele (best-of-3). 2. Runde: Zug – Brühl St. Gallen 25:20. – Stand: 1:1.

Zug – Brühl St. Gallen 25:20 (10:8)

Sporthalle. – 750 Zuschauer. – SR Bär/Süess. – Strafen: 3-mal 2 Minuten gegen Zug, 2-mal 2 Minuten gegen Brühl. – Zug: Marion Betschart/Stocker (für 1 Penalty); Javet (1), Gwerder (1), Estermann (2), Scherer (6/4), Traber (5), Smitran (4); Gautschi (1), Kägi (2), Stutz, Müller (1), Masset (1), Daria Betschart (1). – Brühl: Dokovic/Schlachter; Wenger, Haag (2), Kerstin Kündig (5), Fudge (2), Özcelik, Oberli; Mustafoska (3/3), Rebecca Kündig, Goricanec (4/3), Murer (4), Fink. – Bemerkungen: Schlachter pariert Penalty von Scherer (1./0:0). Mustafoska schiesst Penalty an den Pfosten (4./0:0). Betschart pariert Penaltys von Mustafoska (35./12:8) und Goricanec (60./25:20).

Die Spielerinnen des LK Zug jubeln nach dem Sieg. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 23. Mai 2017))

Die Spielerinnen des LK Zug jubeln nach dem Sieg. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 23. Mai 2017))

750 Zuschauer kamen in die Sporthalle und unterstützen ihre Mannschaft. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 23. Mai 2017))

750 Zuschauer kamen in die Sporthalle und unterstützen ihre Mannschaft. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 23. Mai 2017))

Jubel bei Stefanie Javet nach einem Treffer. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 23. Mai 2017))

Jubel bei Stefanie Javet nach einem Treffer. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 23. Mai 2017))

Jubel Soka Smitran nach einem Treffer. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 23. Mai 2017))

Jubel Soka Smitran nach einem Treffer. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 23. Mai 2017))

Sibylle Scherer freut sich nach einem Tor. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 23. Mai 2017))

Sibylle Scherer freut sich nach einem Tor. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 23. Mai 2017))

LKZ-Trainer Damian Gwerder nimmt ein Timeout. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 23. Mai 2017))

LKZ-Trainer Damian Gwerder nimmt ein Timeout. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 23. Mai 2017))