HANDBALL: LK-Zug-Trainer Damian Gwerder zieht Bilanz: «Dieses Jahr war extrem streng»

Starke Saison mit einem missratenen Ende: Der LK Zug verliert die Schweizer Meisterschaft im letzten Spiel (24:39) an Brühl St. Gallen. Der Trainer Damian Gwerder zieht Bilanz.

Stephan Santschi
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Die sechste Saison in Zug ist schon lange her: Damian Gwerder hat gerade seine achte beendet. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 24. Mai 2017))

Die sechste Saison in Zug ist schon lange her: Damian Gwerder hat gerade seine achte beendet. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 24. Mai 2017))

Interview: Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

 

Damian Gwerder, was ging schief am Sonntag in St. Gallen?

Wir waren in allen Belangen unterlegen, wir haben nicht mehr dagegenhalten können. Als dann einmal das Würmchen drin war und wir mit sieben Toren zurücklagen, habe ich meinen Spielerinnen angesehen, dass sie nicht mehr die Kraft haben, um nochmals zurückzukommen.

Was hat Brühl in der Playoff-Finalserie insgesamt besser gemacht?

Es spielte konstanter als wir und war im Kader etwas breiter aufgestellt. Wir hatten in dieser Saison doch den einen oder anderen Ausfall zu beklagen.

Fehlt einer starken Saison damit der krönende Abschluss?

Wir haben in dieser Saison viel Energie aufgewendet, und dann spielen wir im letzten Spiel so sackschwach. Wir haben uns vor vielen Zuschauern in der Halle und im Internet-TV vorführen lassen, das ist schon sehr ärgerlich. Wenn mir aber zu Saisonbeginn jemand gesagt hätte, dass wir bis zum letzten Meisterschaftsspiel am 28. Mai im Titelrennen dabei sind und wir dieses dann halt mit 15 Toren Unterschied verlieren, hätte ich sofort unterschrieben.

Der LK Zug musste davon ausgehen, dass er wegen der Abgänge von Lynn Schwander, Ariane Geissmann und Annina Ganz kleinere Brötchen backen würde. Warum sind diese nun doch nicht so klein geraten?

Dass es so rauskommt, hätte ich nicht gedacht. Es braucht ja eigentlich zwei, drei Jahre, um ein junges Team einen Schritt weiterzubringen. Wir mussten eine neue Deckung aufbauen, wir übten frische Dinge im Angriff ein. Letztlich haben die Spielerinnen besser gearbeitet und sich besser vorbereitet als erwartet. Mit Daphne Gautschi wuchs eine junge Spielerin über sich hinaus. Und wenn wir unsere Zweikampfstärke in der Defensive ausgespielt haben, stellten wir ein schier unüberwindbares Bollwerk – Hut ab vor der Leistung unserer neuen Abwehrchefin Sibylle Scherer. Und wir profitierten sicher davon, dass die Spono Eagles nicht auf ihr Rendement kamen.

Spono hatte gewichtige Abgänge im letzten Sommer und Ausfälle von Leistungsträgerinnen während der Saison. Doch auch der LKZ hatte mit ähnlichen Problemen zu kämpfen.

Es ist vergleichbar, ja. Wir haben aber weniger gejammert, als sie es in Nottwil taten. Wir hatten auch drei wichtige Abgänge. Dann fiel unser Topgoalie Laura Innes aus, ebenso Ivana Ravlic. Phasenweise spielten wir ohne Linkshänderin. Doch letztlich ist egal, wer ausfällt, das sollen keine Ausreden sein.

Weshalb gelingt es Zug, Ausfälle anscheinend schneller zu kompensieren als die Konkurrenz?

Weil wir die erste Mannschaft nicht isoliert führen. Junge Spielerinnen wie Leah Stutz oder Daria Betschart trainieren auch mit uns, so werden sie schneller an unser Niveau herangeführt.

Sie gehen in Ihre neunte Saison beim LK Zug. Wird es Ihre letzte sein?

Das weiss ich nicht. Irgendwann kommt aber schon die Zeit, wo sich die Frage stellt: Ergänzen wir uns noch gut? Peter Stutz und ich tun das zwar nach jeder Saison, doch das letzte Jahr war schon extrem streng. Um ein junges Team voranzubringen, braucht es mehr Überlegungen. Und nun werden wir nochmals jünger, Daphne Gautschi verlässt uns ins Ausland (siehe Box), Steffi Javet und Ria Estermann hören auf. Sie hätten wir unbedingt noch bei uns gebraucht, um ein ausserordentlich schlagkräftiges Team aufzubauen.

Warum gefällt es Ihnen in Zug so gut?

Erstens: Wo sonst kann ich Leistungssport betreiben und gleichzeitig in Muotathal wohnen und als Lehrer arbeiten? Zweitens: Meine Töchter Yael und Alina haben mich mit ihrer Handballbegeisterung überrascht, das möchte ich unterstützen. Und drittens: Der LK Zug war immer fair mit mir, die Arbeit mit Peter Stutz und Christoph Sahli im Trainerstaff ist sehr angenehm. Der Verein hat eine gute Philosophie mit der Förderung junger Spielerinnen von unten bis nach oben.