Handball
Martina Wyss Schmid ist die Schwester eines Handballstars und führt selber Regie – neben dem Platz

Martina Wyss-Schmid leitet beim Handballclub Kriens-Luzern die Administration. Sie hat einen prominenten Bruder.

Stephan Santschi
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Martina Wyss-Schmid ist die Macherin beim HC Kriens-Luzern.

Martina Wyss-Schmid ist die Macherin beim HC Kriens-Luzern.

Bild: PD

Es ist nicht so, dass sie es nicht versucht hätte. Martina Wyss-Schmid spielte für einige Jahre selbst Handball, schnupperte als Teenager bei Borba Luzern sogar kurz NLA-Luft im linken Rückraum. «Das Talent in unserer Familie war aber doch eher einseitig verteilt. Mein Fokus lag bald einmal auf dem Konsumieren von Handball, doch das ist okay so», erzählt sie heute und lacht. Martina Wyss (40) ist die Schwester von Weltklasse-Spielmacher Andy Schmid, der seit über einem Jahrzehnt im Ausland für Furore sorgt, mit den Rhein-Neckar Löwen zwei Meistertitel gewann und fünf Mal zum wertvollsten Spieler der Bundesliga gewählt worden ist.

So umsichtig wie ihr 37-jähriger Bruder führt auch sie Regie. Nicht auf dem Platz, sondern in einem 40-Prozent-Pensum auf der Geschäftsstelle des HC Kriens-Luzern. Seit Januar 2020 wirkt Martina Wyss gemeinsam mit dem nun zum Head of Communications & Marketing beförderten Daniel Frank im Bereich Marketing und Kommunikation, tatsächlich ist sie in der Administration um die 1. Mannschaft aber für fast alles zuständig. Neben der Lohnbuchhaltung, der Sponsorenbetreuung und der Eventplanung verfasst sie Unfallberichte von verletzten Akteuren, unterstützt neue Spieler im Schweizer Alltag, sucht für künftige Neuzuzüge wie aktuell Goalie Rok Zaponsek die Wohnung oder betreut die Produktion des Klubmagazins. «Mit Handball wird es nie langweilig. Das macht mir Spass, auch privat plane und organisiere ich gerne», erzählt Martina Wyss.

Schlaflose Nächte wegen Andy Schmid

Vor ihrem Engagement war die Bank- und Marketingfachfrau während 23 Jahren bei der Credit Suisse tätig, betreute die Finanzplanung und das Marketing, organisierte Events für 5 bis 1000 Menschen. Eigentlich liebäugelte sie ursprünglich mit einer Funktion in der entstehenden Pilatus Arena. Doch als Nick Christen, der Geschäftsführer von Kriens-Luzern, den sie seit 30 Jahren kennt, wegen des Jobs auf der Krienser Geschäftsstelle anrief, sagte sie zu. Die Nähe zum Handball fasziniert die Mutter von zwei Kindern (8- und 5-jährig), erstmals hat sie in ihrer Karriere das Hobby zum Beruf machen können.

Handball ist seit ihrer Jugend eine grosse Leidenschaft geblieben, vor allem auch dann, wenn sie ihren Bruder spielen sieht. «Ich verstehe mich sehr gut mit Andy. Wir telefonieren viel, wenn er den Anruf entgegennimmt, merke ich sofort, wie es ihm geht», erzählt sie. Nach bitteren Niederlagen habe sie schlaflose Nächte, wie etwa 2014, als Schmid mit den Löwen den Meistertitel nur wegen zwei Minustoren verpasst hatte.

«Handball bestimmt den Alltag in meiner Familie. Wir leiden und erleben positive Emotionen, wie sie nur der Sport bieten kann.»

Regelmässig ist sie auch live vor Ort, wenn ihr um drei Jahre jüngerer Bruder das Publikum verzaubert.

Goldige Träume mit Kriens-Luzern

Am Sonntag läuten die Krienser mit dem Heimspiel gegen Schlusslicht Endingen (siehe Box) die Endphase der Hauptrunde in der QHL (neu für NLA) ein. Auch an Spieltagen wirbelt Martina Wyss im Umfeld, informiert Sponsoren über die Produktion des Livestreams, leitet die Fragen der Zuschauer an Kommentator Manuel Schnellmann weiter und führt die Ehrung der besten Spieler durch. Wenn wieder Zuschauer zugelassen sind, wird sie für die Helferschaft im Hallenaufbau und Restaurantbetrieb sowie für den Ticket-Vorverkauf verantwortlich sein.

Die Mannschaft erlebt sie dabei als sehr ausgeglichen, «es ist eine gute Truppe mit einem Mix aus jungen und älteren Spielern, aus Ausländern und Schweizern. Es gibt keine Grüppchenbildung, auch unsere Ausländer haben sich unglaublich gut integriert.» Wie der ganze Klub träumt auch Martina Wyss-Schmid vom Titelgewinn mit Kriens-Luzern. In der Rolle der Regisseurin – nicht auf, sondern neben dem Platz.

Papez und Idrizi fehlen dem HC Kriens-Luzern verletzt

Die Nationalmannschaftspause ist beendet, Kriens-Luzern steigt wieder in den Ligaalltag ein. Zu Gast in der Krauerhalle ist am Sonntag (17 Uhr, live auf handballtv.ch) Schlusslicht Endingen. Ein Sieg ist Pflicht, auch wenn Trainer Goran Perkovac weiss: «Der Gegner hat nichts zu verlieren, das macht ihn gefährlich.» Fehlen werden ihm die verletzten Linkshänder Jernej Papez (Hüfte) und Ammar Idrizi (Patellasehne). (ss)