Handball
Mit 0:2 im Rückstand: Befreit sich Kriens-Luzern vom Haken?

Kriens-Luzern tritt heute zum dritten Playoff-Halbfinal in Schaffhausen an. Bei einer weiteren Niederlage ist die Saison zu Ende.

Stephan Santschi
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Levin Wanner wurde von Schaffhausen an Kriens ausgeliehen.

Levin Wanner wurde von Schaffhausen an Kriens ausgeliehen.

Bild: Martin Meienberger/Freshfocus (Kriens, 27. Januar 2021)

Wie es sich anfühlt, Meister zu sein, weiss Levin Wanner ganz genau, trotz seiner erst 20 Jahre. Im Nachwuchs gewann er mit den Kadetten Schaffhausen auf sämtlichen Juniorenstufen die Goldmedaille, von der U15 über die U17 bis zur U19. Und als er in der Saison 2018/19 in die 1. Mannschaft rutschte, errang er den Titel auch auf höchster nationaler Stufe. «Alles ist schneller gegangen, als ich es gedacht hätte, bisher verläuft meine Karriere nach Wunsch», erzählt der technisch begabte Linkshänder.

Bei Schaffhausen steht er weiterhin unter Vertrag, im letzten Sommer ist Wanner aber für zwei Jahre an Kriens-Luzern ausgeliehen worden. Der Grund: Die Konkurrenz war zu gross, hinter Nik Tominec und Max Gerbl wäre er nur die Nummer drei am rechten Flügel gewesen. Und so stand er zuletzt nicht nur im Cupfinal gegen seinen Stammklub im Einsatz, sondern er trifft derzeit auch in den Playoff-Halbfinals auf seine ehemaligen Teamkollegen. «In den ersten beiden Duellen der Saison war dies schon speziell, da war ich auch noch etwas nervöser. Nun sehe ich das aber recht entspannt», berichtet Wanner.

Wanner fühlt sich wie auf einer Achterbahnfahrt

Heute Abend (20.15 Uhr, live auf SRF info) messen sich die beiden Teams bereits zum siebten Mal in dieser Spielzeit. 2:0 liegen die Schaffhauser in der Playoff-Halbfinal-Serie (best of 5) vorne, sollten sie auch die dritte Partie gewinnen, ziehen sie in den Final ein und beenden die Saison der Zentralschweizer. «Schaffhausen hat das breitere Kader, wir spüren die Müdigkeit etwas mehr, als der Gegner. Doch wir möchten uns nochmals zusammenreissen», betont Levin Wanner. In Kriens kommt er dabei zu mehr Spielzeit als in Schaffhausen, doch frei von Hürden ist sein Weg auch hier nicht. Der aus Beggingen im Kanton Schaffhausen stammende Nordostschweizer gibt sich selbstkritisch:

«Diese Saison ist für mich wie eine Achterbahnfahrt. Auf ein starkes Spiel folgt oftmals eines, das okay oder eher ungenügend ist. Ich weiss selbst nicht genau, was als Nächstes herauskommt.»

Sein Start in die Saison war aber gut, derart gut, dass er Ende 2020 sogar im Schweizer Nationalteam debütierte. Anfang 2021 setzte ihn dann ein Bänderriss im Fuss für rund acht Wochen ausser Gefecht. «Ich verlor an Athletik, Sprungkraft» – und den Stammplatz an Konkurrent Ammar Idrizi. Der 19-jährige Surseer, mit dem er sich sehr gut verstehe, nutzte die Chance, spielte konstant stark und verdrängte Wanner vorübergehend auf die Bank. «Das hat mich zunächst schon etwas frustriert», gibt er zu, schliesslich war er ja nach Kriens gekommen, um seinem Reservisten-Dasein in Schaffhausen zu entrinnen. «Dann aber gab mir dies die Motivation, um für mehr Spielzeit zu kämpfen.»

Mittlerweile bewegen sich die beiden Toptalente am rechten Flügel wieder auf Augenhöhe, teilen sich die Spielzeit brüderlich auf. Mit der Entwicklung Wanners ist Trainer Goran Perkovac zufrieden, er attestiert ihm eine ansprechende Wurfvariabilität und eine kräftige Statur, um auch in der Deckung zuzupacken. «Defizite hat Levin in der Sprungkraft und bei der Geschwindigkeit», so Perkovac.

Krienser Flügelspieler haben es derzeit schwer

Im Moment kommen allerdings sämtliche Flügel bei Kriens-Luzern nicht so recht zur Geltung, zu gross sind die Probleme im Positionsangriff, zu selten findet der Ball seinen Weg in die Breite bis an den Flügel. «Doch wenn er kommt, werde ich meine Chance nutzen», sagt Wanner. Künftig möchte er noch frecher auftreten, indem er etwa in der Abwehr Bälle klaut oder Stürmerfouls provoziert. «Im Angriff will ich unberechenbarer werden, unerwartet an den Kreis einlaufen und durch die Abwehr des Gegners zappeln», wie er schmunzelnd festhält. Gelingt ihm dies, steigen die Chancen, dass sich die zappelnden Krienser heute nochmals vom Schaffhauser Angelhaken befreien können.

Handball, Playoffs

Halbfinals (best of 5), 3. Runde. Mi 17.45: Pfadi Winterthur – Suhr Aarau; Stand: 2:0. – 20.15: Kadetten Schaffhausen – Kriens-Luzern (SRF info); Stand: 2:0.

Videoanalyse deckt viele Mängel auf

Die Krienser Handballer stehen in der Best-of-5-Serie des Playoff-Halbfinals gegen die Kadetten Schaffhausen mit 0:2-Siegen im Rückstand. Nach der schwachen Darbietung am letzten Samstag (22:29) haben die Zentralschweizer Videostudium betrieben. «Wir müssen besser verteidigen, wir haben viele Zweikämpfe verloren. Und im Angriff braucht es mehr Zug in Richtung Tor. Schaffhausen deckt offensiv, wir dürfen nicht auf das Foul warten, sondern müssen den Ball laufen lassen. Zudem war unser Überzahlspiel sehr fehlerhaft», fasst Trainer Goran Perkovac die Erkenntnisse zusammen. Anders formuliert: Kriens-Luzern muss sich vorne und hinten steigern, soll die Saison heute nicht zu Ende gehen. «Wenn wir nochmals Energie und Emotionen mobilisieren können, haben wir eine Chance. Wenn nicht, wird es eine klare Sache», so Perkovac. «Wir wollen aber alles daransetzen, um ein viertes Spiel zu erzwingen.» (ss)