HANDBALL: Nick Christen: «Uns fehlte das Sieger-Gen»

Nick Christen, CEO des HC Kriens-Luzern, zieht nach einer durchzogenen Saison Bilanz. Und hofft darauf, dass der neue Trainer das Team aus der Komfortzone führt.
Cyril Aregger
HCK-Topskorer Adrian Blättler beim Abschluss in der Playoff-Partie gegen den BSV Bern Muri. (Bild: Pius Amrein (Kriens, 28. März 2018))

HCK-Topskorer Adrian Blättler beim Abschluss in der Playoff-Partie gegen den BSV Bern Muri. (Bild: Pius Amrein (Kriens, 28. März 2018))

Interview: Cyril Aregger

cyril.aregger@luzernerzeitung.ch

Nick Christen, vor 14 Tagen schied der HC Kriens-Luzern im Playoff-Viertelfinal gegen BSV Bern Muri aus. Wie sieht Ihre Saisonbilanz mit einem gewissen zeitlichen Abstand aus?

Wir waren nach der Qualifikation und nach der Finalrunde auf Rang 5 und beendeten nun auch die Saison auf diesem Platz. Wir sind da gelandet, wo wir hingehören – aber zufrieden sind wir nicht.

Vor der Saison war noch die Rede davon, dass man Titel gewinnen wolle. Schliesslich schied man im Cup wie auch im Playoff bereits im Viertelfinal aus. Haben Sie sich zu weit aus dem Fenster gelehnt?

Das glaube ich nicht. In der Vorsaison erreichten wir Rang 3. Wir betreiben Leistungssport, da muss man sich ambitionierte Ziele setzen. Ein Cup-Sieg wäre möglich gewesen. Aber was wir feststellen müssen: Das absolute Sieger-Gen fehlte uns.

Die Leistungen auf dem Spielfeld waren durchzogen.

Erst in den Playoffs zeigten wir eine gewisse Stabilität. Zuvor hatten wir viele Schwächephasen. Das lag natürlich auch an den vielen Verletzten, gerade bei den Rückraumspielern.

Speziell war die Trainersituation. Dass Heiko Grimm den Klub zu Saisonende verlassen würde, war schon seit Herbst bekannt. Schliesslich verliess er den Verein bereits im Dezember Richtung Bundesliga.

Mit der Verpflichtung von Heiko gingen wir vor viereinhalb Jahren ein gewisses Risiko ein. Wir machten ihn vom Spieler zum Trainer. Das hat sich plus/minus ausbezahlt. Dass er irgendwann in die Bundesliga will, war uns immer klar. Wir wollten ihm keine Steine in den Weg legen, und alle Beteiligten waren sich bei diesem Deal einig.

Sie würden es also nochmals genauso machen?

Ja, auch wenn nicht alles ganz glücklich verlief. Das Ganze hatte auch eine finanzielle Komponente: Durch den vorzeitigen Wechsel erhielten wir von Melsungen einen fünfstelligen Betrag, den wir gut gebrauchen konnten. Unsere Europacup-Kampagne war hoch defizitär, zudem wurden auf Anfang Jahr auch noch unsere Prämien für die Betriebsunfallversicherung massiv erhöht.

Anstelle von Heiko Grimm haben Sie sich und Urs Schärer als Interimstrainer eingesetzt. Eine ungewöhnliche Lösung.

Der Einstieg war sehr schwierig. Es dauerte sechs Wochen, bis das Team realisiert hatte, dass es mit uns zusammenarbeiten muss und wir gemeinsam etwas erreichen können.

Weshalb die Schwierigkeiten?

Heiko Grimm und die Spieler hatten sich über Jahre aneinander gewöhnt, man befand sich da wohl auch in einer gewissen Komfortzone. Sein Abgang leitete einen Umbruch ein – in personellem wie auch im handballtaktischen Bereich. Diese Situation war auch für die Mannschaft nicht einfach zu bewältigen und es brauchte eine gewisse Zeit, auch mit vielen Gesprächen.

Mehrere Spieler verlassen den Verein, nicht alle freiwillig. Auch das sorgte für Unruhe.

Umbrüche gehören im Spitzensport dazu. Vielleicht waren wir in der Klubleitung diesbezüglich in den letzten viereinhalb Jahren auch ein wenig zu passiv. Nun mussten wir, auch aus finanziellen Gründen, auch unpopuläre Entscheidungen treffen.

Nun übernimmt Goran Perkovac das Traineramt. Was versprechen Sie sich von ihm?

Er ist fordernd und bringt die notwendige Winnermentalität mit, die uns bisher fehlte. Mit ihm wollen wir mittelfristig eine Truppe aufbauen, die den unbedingten Willen hat, an die Spitze zu kommen. Dazu müssen auch eigene junge Spieler aus der Zentralschweiz entwickelt werden. Das ist angesichts unserer finanziellen Möglichkeiten nicht einfach, mit unserem 1,3-Millionen-Franken-Budget für den NLA-Betieb liegen wir deutlich hinter unseren direkten Gegnern zurück. Budgetmässig liegen wir im Schweizer Handball wohl gerade so in den Top sechs.

Perkovac wünscht sich eine Aufstockung des Budgets um eine halbe Million Franken. Ist das realistisch?

Ja, aber nicht sofort. Bei uns steht und fällt alles mit der geplanten Pilatus-Arena mit 4000 Zuschauerplätzen, die bis 2021 realisiert werden könnte. Dann sind solche Budgetsprünge möglich – mit viel Arbeit. Momentan können wir nur im kleinen Rahmen wachsen.

Ohne neue Halle geht es nicht?

Nein. Von der Infrastruktur sind wir derzeit klar benachteiligt. Rundum entstehen neue Hallen oder sind bereits in Betrieb. Die Krauer- und die Maihofhalle sind nicht einmal für TV-Übertragungen geeignet. Und auch den Zuschauern müssen wir mehr bieten können als «nur» ein gutes Handballspiel. Geht es so weiter wie bisher, kommt der Spitzenhandball in der Zentralschweiz auf keinen grünen Zweig.

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