HANDBALL: Ohne neue Halle keine Zukunft

Der HC Kriens-Luzern legt sein bestes NLA-Zeugnis in der Vereinsgeschichte vor. CEO Nick Christen erklärt, weshalb die Arbeit jetzt aber erst so richtig losgeht und wie es um die 140 Millionen Franken teure Multifunktionssporthalle steht.

Interview Roland Bucher
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Der Chefstratege des HCK: Nick Christen (Mitte). (Bild Philipp Schmidli)

Der Chefstratege des HCK: Nick Christen (Mitte). (Bild Philipp Schmidli)

Nick Christen, bitte lancieren Sie einen Werbespot für den HC Kriens-Luzern.

Nick Christen: Jung, dynamisch, erfolgreich. Heute ist zwar noch eine leichte Enttäuschung spürbar, dass wir im Playoff-Halbfinal auf dem kürzesten aller Wege ausgeschieden sind und das so sehr erhoffte zweite Heimspiel in der Maihof­halle verpasst haben. Doch schon morgen werden wir darauf stolz sein, was wir in dieser Saison geleistet haben.

Schaffhausen hat Kriens nochmals den Meister gezeigt, auch dank Arunas Vaskevicius – dem besten Keeper der Liga. Nicht zuletzt hat er dem HCK den Zahn gezogen. Der 41-jährige Methusalem wechselt jetzt zu Pfadi Winterthur. Hatte nicht auch Kriens die Fühler nach dem Goalie-Bär (1,92 Meter, 100 Kilogramm) ausgestreckt?

Christen: Nein, eine solche Verpflichtung würde klar unserer Philosophie und Strategie widersprechen. Wir sind nicht wankelmütig, wir setzen auf die Jugend, und am liebsten rekrutieren wir sie aus unseren Innerschweizer Breitengraden: aus der Region – für den HC Kriens-Luzern.

Danke, grad noch einmal ein wirkungsvoller Werbespruch! Und was, wenn Andy Schmid, 30 Jahre alt und bei den Rhein-Neckar Löwen der überragende Mittelaufbauer der deutschen Bundesliga, anklopfen würde ...

Christen: ... dann wäre das etwas ganz anderes. Andy Schmid ist Luzerner, quasi ein Sprössling der hiesigen Handballschule, und er wäre eine perfekte Identifikationsfigur für den Verein. Wir stehen in einem freundschaftlichen Kontakt mit ihm, und es ist kein Geheimnis, dass er den Status eines Heimweh-Luzerners trägt. Aber er trumpft in der Bundesliga so gross auf, dass wir uns keine Illusionen machen: Er wird dort mindestens noch zwei Jahre lang filigrane Arbeit leisten. Vielleicht kehrt er dann zurück, in die Innerschweiz, zum HC Kriens-Luzern. Es wäre ein womöglich entscheidendes Mosaiksteinchen auf dem Weg zum Meistertitel. Ich spanne den Bogen sogar noch weiter: Wer weiss, vielleicht wird er mit seiner unerhörten Handballausbildung sogar einmal mein Nachfolger als Verantwortlicher beim HC Kriens-Luzern.

Sie nehmen recht forsch und unverblümt das Wort «Titel» in den Mund.

Christen: Ja, dazu stehen wir. Irgendeinmal will man nicht mehr nur Vierter oder Dritter sein. Wir arbeiten knochenhart auf dieses Ziel hin.

Dritter in dieser Meisterschaft, immerhin: Das ist ja keine Selbstverständlichkeit. Sagen Sie uns, was Sie ganz besonders gefreut hat.

Christen: Für dieses Schlussresultat hätte ich Anfang Saison spontan unterschrieben. Dass wir uns einen Europacup-Platz mit so viel Leidenschaft und Wille erobert haben, ist grossartig. Noch wichtiger, noch schöner ist für mich, dass wir mit Heiko Grimm eine so gute Wahl als Nachfolger von Torben Winther getroffen haben. Es hat sich immer deutlicher gezeigt, dass er der perfekte Mann ist, um unsere Ideen umzusetzen: Unsere mehrheitlich sehr jungen Spieler wie Spengler, Schramm, Hofstetter, Baumgartner, Mühlebach oder Blättler können von ihm enorm profitieren. Wir haben diese Saison mit dem jüngsten aller NLA-Kader absolviert und unsere Sache wirklich gut gemacht – und es ist noch so viel Entwicklungspotenzial offen. Das gibt der Zukunft des HC Kriens-Luzern so hoffnungsvolle Perspektiven.

Ist die Kaderbildung für die nächste Saison bereits abgeschlossen?

Christen: Grundsätzlich ja. Nik Tominec kommt von Schaffhausen für Raemy. Nik wird uns taktisch und technisch ein schönes Stück weiterbringen. Auch er ist ein Luzerner, der bei den Fans für gehörig Betrieb sorgt. Dazu werden wie immer Talente aus der SG Pilatus stossen.

Also kommt es an der Transferfront zu keinem Kraftakt mehr?

Christen: Eher nicht. Aber eine unserer Aufgaben ist, die Augen offenzuhalten. Wenn sich unsere finanzielle Situation plötzlich verändert, wäre – zum Beispiel vor Beginn der Finalrunde – nochmals eine Verstärkung denkbar.

Verlassen wir das sportliche Parkett und widmen uns jenen Themen, die – aller Anstrengungen im sportlichen Bereich zum Trotz – über Gedeih und Verderben entscheiden: das Geld, und eine neue Sporthalle mit der entsprechenden Infrastruktur für einen ambitionierten Meisteranwärter.

Christen: Wir stocken unser Budget von 1,2 auf 1,28 Millionen Franken auf – grosse Sprünge sind damit nicht zu machen. Die kleine Differenz fressen uns die massiv erhöhten Unfallversicherungsprämien weg. Wir haben keinen Mäzen, der mit Geld um sich wirft, aber wir haben Exponenten aus der Zentralschweizer Wirtschaft, die uns unterstützen – finanziell und ideell. Das ist uns genauso wichtig. Wir möchten diesem Weg treu bleiben.

Es gibt indes noch eine andere Dimension, welcher sich Ihr Verein in diesen Wochen verschreibt: dem Projekt einer neuen Multifunktionshalle.

Christen: Ja, wir haben das Projekt einer multifunktionalen Sporthalle mit Mantelnutzung – also Wohnung, Büros, Hotellerie – in der Grössenordnung von 140 Millionen Franken druckfertig aufgegleist. Wir sind jetzt mit der Planung in der politischen Mühle angelangt und stehen in einem konstruktiven und positiven Dialog mit den Behörden. Meine Botschaft lautet: Es ist eine einmalige Chance für unsere Region. Spitzenhandball in der Krauerhalle, in einer Turnhalle, ist nicht mehr zeitgemäss und ist nicht mehr möglich. Wir wollen einen Schritt vor­wärts­machen, wir wollen einen Meistertitel für unsere Handball begeisterte Region holen – und die Voraussetzung dafür ist eine verbesserte Infrastruktur. Der Sport ist heute keine Nebensache mehr, der Sport ist auch eine Unterhaltungsindustrie. Wenn wir nicht auf diese Schiene aufspringen, sind wir mit dem HC Kriens-Luzern chancenlos, voranzukommen.