HANDBALL: «Peinlicher» Auftritt der Krienser

Der HC Kriens-Luzern verliert den Spitzenkampf gegen Pfadi Winterthur diskussionslos mit 22:33. Bei den Kriensern passt nichts, aber auch gar nichts zusammen.

Roland Bucher
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Bleibt an der Pfadi-Verteidigung hängen: der Krienser Tom Hofstetter (Nummer 38). (Bild: Roger Grütter (Luzern, 25. Februar 2017))

Bleibt an der Pfadi-Verteidigung hängen: der Krienser Tom Hofstetter (Nummer 38). (Bild: Roger Grütter (Luzern, 25. Februar 2017))

Roland Bucher

sport@luzernerzeitung.ch

Um es in der Sprache der Karnevalisten auszudrücken: Kriens zog gestern in der Luzerner Maihof-Halle vor 700 Zuschauern gewissermassen den «Schmutzigen Samstag» ein. Das Team von Trainer Heiko Grimm wirkte völlig verunsichert, hilflos, lustlos. Apathisch. Bereits nach einer Viertelstunde hatte man sich in der Konsequenz einer unglaublichen Anhäufung individueller Fehlleistungen einen 2:8-Rückstand eingebrockt, und die Frage lautete schon zu diesem Zeitpunkt nur: Beweist das Team Stolz und Charakter oder gibt es sich der Lächerlichkeit preis?

Heiko Grimm, Trainer und Sportchef des HCK in Personalunion, gab die Antwort ohne zu zögern: «Es war peinlich, was wir heute abgeliefert haben. Nichts als peinlich.»

Winterthurs Lektion punkto Tempo

Kriens irritierte gestern mit einer Neuinterpretation längst verstaubt geglaubten Altherren-Handballs. Der Ball, der kugelte gemächlich von Hand zu Hand, und wenn sich nicht gerade Spengler oder Radovanovic, gestern die beiden einzigen Tauglichen, in eine veritable Schussposition manövrierten, hatte Winterthur kinderleichtes Defensivspiel. Anders die Winterthurer: die agile, spielfreudige Mannschaft von Adrian Brüngger offerierte den Innerschweizern eine Lektion modernen, tempostarken Handballs.

Playmaker Kevin Jud beispielsweise tat das, was HCK-Regisseur Tom Hofstetter im Moment überhaupt nicht gelingt: Ideen, Witz, Überraschungsmomente in die rasanten Kombinationen einzustreuen. Hofstetter, der Captain, zog nach zehn Minuten mit einer Knieverletzung von dannen. Dass für mehrere Momente sogar Kreisläufer Daniel Fellmann am spielerischen Schaltpult Einsitz nehmen durfte, kam schon fast einer Bankrotterklärung der Krienser, die doch mit so viel Ambitionen in diese Finalrunde stiegen, gleich. Heiko Grimm, ist Kriens in einer Negativspirale gefesselt?

Der Cheftrainer spürt, dass die Krisensymptome nicht mehr wegzuleugnen sind. «Es wird meine Aufgabe sein, uns aus dieser Lage loszueisen. Aber ich weiss im Moment keine Antwort, warum wir heute wirklich alles falsch gemacht haben. Wir werden eine sehr arbeitsintensive Woche vor uns haben.»

Zeit für eine Auslegeordnung

Kriens ist die Startphase der Finalrunde gründlich missglückt: Bedenklich schwache Auftritte gegen Thun und Winterthur, knappes Mittelmass beim einzigen Erfolgserlebnis gegen Suhr. Glücklicherweise droht diesmal aufgrund einer punktemässigen Hochrechnung kaum, dass sogar das Playoff-Ticket eingestampft werden muss. Aber es droht Lethargie. So kampfesunlustig wie gestern präsentierte sich der HCK seit Jahren nicht mehr gegen Erzrivale Winterthur. Und so teilnahmslos wie gestern nahmen die Fans – die gestern nicht Anhänger, sondern nur ein Publikum waren – einen HCK-Flop noch nie zur Kenntnis. Es ist Zeit für eine Auslegeordnung.

Kriens-Luzern - Winterthur 22:33 (10:16)

Maihof, Luzern. – 700 Zuschauer. – SR Brunner/Salah.

Strafen: 3-mal 2 Minuten gegen Kriens-Luzern, 2-­mal 2 Minuten gegen Pfadi Winterthur.

Kriens-Luzern: Bar/Portmann (für 1 Penalty plus 23. bis 44.); Fellmann (1), Mühlebach (2), Wipf, Blättler, Spengler (6), Alili (3), Baviera (1), Stankovic (3/1), Bucher, Radovanovic (6), Schramm, Hofstetter.

Pfadi Winterthur: Schulz; Ott, Joël Tynowski (1), Hess (1), Pecoraro, Langerhuus, Sidorowicz (7), Gavranovic (6), Lier (1), Kuduz (8), Jud (4), Scheuner (4), Svajlen (1).

Bemerkungen: Kriens-Luzern ohne Ram­seier, Vögtli, Brücker und Nyffenegger. Pfadi Winterthur ohne Vernier, Maros und Cédrie Tynowski (alle verletzt). – 10. Hofstetter verletzt ausgeschieden. – Verschossene Penaltys: 1:1.