Handball
«Ich konnte das Siegergen einbringen»: Wie Goran Perkovac aus Kriens-Luzern einen Titelanwärter machte

Kriens-Luzern startet heute in den Playoff-Viertelfinal gegen Wacker Thun. Trainer Goran Perkovac (58) spricht über seine Ziele und Träume.

Stephan Santschi
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Erinnern Sie sich, wann Sie in der Schweiz den letzten Titel gewonnen haben?

Nein, das weiss ich nicht mehr.

Es war 2008 als Trainer der Kadetten Schaffhausen, Sie gewannen den Cupfinal gegen Amicitia Zürich.

Die Zeit damals in Schaffhausen ist vergleichbar mit jener jetzt in Kriens. Wir hatten nicht das beste Team der Liga, bei Zürich spielten Akteure wie Andy Schmid, Daniel Fellmann, Jan Behrends, Tomas Stranovsky, Radoslav Antl oder Frank Löke. Doch wir verfügten über einen unglaublichen Teamgeist und hatten in der Stadt eine grossartige Unterstützung. Auch jetzt mit Kriens-Luzern stellen wir nicht die beste Mannschaft, sind aber als Kollektiv stark.

Er habe den Kriensern das Siegergen eingeimpft, sagt Goran Perkovac.

Er habe den Kriensern das Siegergen eingeimpft, sagt Goran Perkovac.

Martin Meienberger

Als Sie 2018 in Kriens das Traineramt übernahmen, mussten Sie zunächst in die Abstiegsrunde. Nun zählt Ihr Team zu den Titelanwärtern. Was ist seither passiert?

Die Spieler haben sich an meine Arbeitsweise gewöhnt, sie sind im Kopf professioneller geworden. Für die meisten ist Handball der Hauptberuf, wir trainieren acht bis neun Mal wöchentlich, für einen 70-Prozent-Job hat es daneben keinen Platz mehr. Im Handball sind Automatismen das A und O, diese greifen allmählich. Die Spieler haben einen Killerinstinkt entwickelt, noch nicht ganz so, wie ich ihn gerne hätte, aber das Siegergen habe ich einbringen können. Darum geht es letztlich, ums Siegen.

2 Tickets für den Playoff-Viertelfinal

Der HC Kriens-Luzern und die «Luzerner Zeitung» verlosen für das Playoff-Viertelfinalspiel gegen Wacker Thun (Mittwoch, 19.30, Krauerhalle Kriens) 2 Tickets. Um zu gewinnen, senden Sie bis Mittwoch um 12 Uhr ein E-Mail mit dem Betreff «Hopp Kriens» und Ihrem Namen und Telefonnummer an tickets@hckriens.ch. Die Gewinnerin oder der Gewinner wird ausgelost und telefonisch informiert.

Nur sieben Akteure sind aus dem Kader Ihrer ersten Saison übrig geblieben. Wer nicht voll mitzieht, muss gehen. Weshalb machen Sie keine Kompromisse?

Der Erste, der weniger trainieren wollte, war André Willimann. Damals sagten wir Nein, weil wir eher mehr trainieren wollten. Und wenn man einmal eine solche Entscheidung getroffen hat, muss man ihr treu bleiben. Klar ist es schade, wenn beispielsweise ein Paul Bar den Verein verlässt. Doch wenn einer nur sechs Mal trainiert und ein anderer acht oder neun Mal, kommen irgendwann die Vorwürfe von Spielern auf meine Rechnung.

Wie viel Goran steckt denn im aktuellen Kader?

Es gibt einen, der denkt genau gleich wie Goran und der heisst Nick Christen (Geschäftsführer des HC Kriens-Luzern, Anm. d. Red.). Wir beide entscheiden zu einem grossen Teil, wer rein passt, wer nicht und wie wir uns weiterentwickeln wollen.

«Der Chef»: Nick Christen, CEO des HC Kriens-Luzern.

«Der Chef»: Nick Christen, CEO des HC Kriens-Luzern.

Manuela Jans- Koch

Verläuft diese Zusammenarbeit reibungslos?

Ich klopfe auf Holz, es läuft überragend gut. Am Anfang hatten ja viele Zweifel, dachten, der Goran ist der Chef auf dem Platz, das wird nicht funktionieren. Der Chef aber ist Nick Christen, doch er ist schlau genug, auf Goran zu hören (schmunzelt).

Also übernehmen Sie den Lead, wenn ein neuer Spieler verpflichtet wird?

Es beginnt mit einer Idee von mir. Wenn Nick Nein sagt, komme ich ein zweites Mal damit, ein drittes Mal, ein zwanzigstes Mal. Irgendwann haben wir uns dann gefunden. Der Verein entwickelt sich als Ganzes sehr gut, mir persönlich geht es aber noch immer etwas zu langsam. Ich bin ein risikofreudiger Mensch, bei Kriens-Luzern ist diese Risikofreude jedoch noch nicht so ausgeprägt.

Was meinen Sie damit?

Bisher haben wir viel mit Arbeit erreicht, als Nächstes brauchen wir aber die Verpflichtung von ein, zwei Topspielern, die den Unterschied ausmachen können, das dürfen wir nicht nach hinten schieben. So, wie es Schaffhausen einst mit Gabor Csaszar tat oder jüngst mit Donat Bartok.

Dazu braucht es aber das nötige Kleingeld…

Ja, Nick sagt, dafür müsse das Geld auf dem Konto sein. Ich sage: Risiko und mit dem Erfolg kommen die Zuschauer und die Geldgeber. Luzern ist ein guter Platz für Handball, besser als Schaffhausen. Wir leben nicht am Rand der Schweiz. Spätestens in drei Jahren, wenn die Pilatus Arena steht, wollen wir Schweizer Meister sein und in der Champions League spielen, das sind die Träume, die wir verwirklichen möchten. Dann kommen die Leute auch aus Zürich und dem Aargau an unsere Spiele. Mit Borba hatten wir damals in Sursee 3000 Fans in der Halle, ich bin überzeugt, dass heute noch mehr möglich ist.

Am Mittwoch beginnt der Playoff-Viertelfinal gegen Wacker Thun. Wie sehen Sie die Ausgangslage?

Wir sind der Favorit, aber nicht der klare Favorit. Für Wacker bietet sich nach der schlechten Qualifikation eine riesige Chance, doch es braucht viel, um uns rauszuwerfen. Thun ist eine komplette Mannschaft, die unglaublich Druck machen kann, wenn es ihr läuft. Wir werden ihr schnelles Spiel unterbinden müssen und uns auf unsere Emotionen konzentrieren.

Stichwort Nationalteam: Die Schweiz verpasst die EM 2022. Wie beurteilen Sie das Scheitern?

Alles ging schief, vom Coaching bis zur Spielqualität. Die Qualifikation war machbar und ein Muss. Bis 2023 wird die Schweiz nicht mehr an einem grossen Turnier vertreten sein. Das ist nach der erfolgreichen Arbeit der letzten Jahre ein grosses Minus und schwer zu verkraften.

Handball, QHL

Playoff-Viertelfinals (best of 5), 1. Runde. Mi 17.45 Uhr: Kadetten SH (2. Qualifikation) - BSV Bern (7.). – 19.30: Kriens-Luzern (3.) - Wacker Thun (6.). – Do 18.15 Uhr: Suhr Aarau (4.) - St. Otmar SG (5.). – 19.30 Uhr: Pfadi Winterthur (1.) - RTV Basel (8.).