Handball-Playoffs
Zug entzaubert Spono und gilt nun als Favorit auf das Double

Ein erstaunlicher LK Zug lässt im ersten Playoff-Halbfinal die Muskeln spielen und gewinnt bei den Spono Eagles mit 29:23. Mit einem Sieg am Samstag könnte Zug bereits in den Final einziehen.

Stephan Santschi
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Bilder: Pius Amrein (Nottwil, 28. April 2021)

Es war ein Abend zum Vergessen, ein Abend, an dem alles gegen sie lief. Die Spono Eagles verloren zu Hause das erste Spiel des Playoff-Halbfinals (best of 3) gegen den LK Zug klar mit 23:29, nach 45 Minuten war der Rückstand sogar auf 11 Treffer angewachsen (13:24). Von Beginn weg waren die Nottwilerinnen unterlegen, gerieten schnell 0:4 ins Hintertreffen, fanden nie ins Spiel. «Kompliment an die Zugerinnen, sie wollten den Sieg mehr als wir, sie waren parat. Warum wir es nicht waren, weiss ich nicht», rätselte Spono-Interimscoach Mirco Stadelmann. «Wir brachten keinen Druck aufs Tor, begingen einfache Fehler, wirkten nervös.»

Auch in personeller Hinsicht ereilten Spono gleich mehrere Hiobsbotschaften: Vor dem Spiel mussten sich Rückraumspielerin Catherine Csebits mit angerissenen Kreuzbändern und Goalie Kristina Ukaj wegen Hüftproblemen abmelden. Während für Csebits die Saison vorbei ist, muss Ukaj sogar ihre Karriere beenden. Im Verlauf der Partie fielen dann auch noch die beiden Ausländerinnen aus: Zunächst kassierte Neli Irman (29.) für ein angebliches Schlagen ins Gesicht ihrer Gegnerin die rotblaue Karte (mit Rapport) – wie die TV-Bilder zeigen ein zu harter Entscheid. Und in der 41. Minute wurde Ivana Ljubas bei einem Wurf in der Luft angegangen und verdrehte sich bei der Landung das Knie. Eine erste Beurteilung legte den Verdacht auf einen Kreuzbandriss nahe. «Mit welchem Aufgebot wir nach Zug gehen, weiss ich noch nicht», sagte ein konsternierter Stadelmann und bezog sich damit auf die zweite Partie am Samstag (17 Uhr). «Wir werden versuchen, das Unmögliche noch möglich zu machen.»

LK Zug ist zur rechten Zeit in Topform

Ganz anders der LK Zug: Das Team von Trainer Christoph Sahli scheint just zum Saisonhöhepunkt in Topform zu sein. «Wir haben viel Rückenwind mitgenommen», erklärte Sahli und blickte dabei zurück auf den letzten Samstag, als die Zugerinnen ähnlich souverän den Cup-Halbfinal beim LC Brühl gewonnen haben (33:24). «Das erste Mal in den zweieinhalb Jahren, in denen ich hier die Verantwortung trage, entschieden wir ein Alles-oder-Nichts-Spiel gegen Spono oder Brühl für uns.» Das sorgte im Team für einen Aha-Effekt, für ein noch grösseres Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Und Qualität, daran besteht spätestens seit dem Auftritt am Mittwochabend kein Zweifel mehr, ist im Kader des LKZ reichlich vorhanden. Die junge, wilde Truppe spielte befreit auf, hielt sich aber auch diszipliniert an den Matchplan, deckte hart und setzte im Angriff auf sein Tempospiel.

Seit dem Double im Jahr 2015 warten die Zugerinnen auf den nächsten Titel, diesen Heisshunger auf Erfolg scheinen sie aus jeder Pore zu versprühen. Hat sich der Finalrunden-Dritte mit den Siegen bei Brühl und Nottwil nun innert wenigen Tagen in die Favoritenrolle für beide Titel gehievt? «Die Ausgangslage ist gut» sagte Trainer Sahli und ruhig fügte er an: «Wir werden aber weiterhin von Tag zu Tag schauen.»

Spono Eagles – LK Zug 23:29 (8:16)
SPZ. – 50 Zuschauer. – SR Keiser/Rottmeier. – Strafen: 5-mal 2 Minuten plus rot-blaue Karte für Irman (29./grobes Foul) gegen Spono, 1-mal 2 Minuten gegen Zug.
Spono: Troxler (3 Paraden)/Schaller (10); Irman (1 Tor), Hodel (8/3), Ljubas (6), Matter, Amrein (1), Stähelin; Emmenegger (3), Schardt (2), Decurtins (2), Kashani, Bläuenstein, Jund.
Zug: Abt (14 Paraden)/Ligue/Booijink; Cavallari (2), Estermann (1), Stutz (6/2), Kähr (4/1), Hess (4), Eugster (1), Heinzer (5); Tschamper (1), Baumann, Spieler (2), Gwerder (1), Steinmann (1), Jonsdottir (1).
Bemerkungen: Troxler pariert Penalty von Heinzer (19./4:10). Spono ohne Csebits, Rakaric und Ukaj (alle verletzt), Zug ohne Scherer und Berchtold (beide verletzt).