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HANDBALL: «Schweizer sind viel zu bequem»

Die Schweiz reist mit einer «Perspektivauswahl» an die Universiade. Doch wie steht es um die Zukunftsaussichten? Ex-Nationaltrainer Goran Perkovac übt Kritik.
Einer der Krienser Spieler im Dress der Nationalmannschaft: der 23-jährige Kreisläufer Fabio Baviera (in Weiss), hier in einem Länderspiel gegen Spanien. (Bild: Keystone/Laurent Gillieron)

Einer der Krienser Spieler im Dress der Nationalmannschaft: der 23-jährige Kreisläufer Fabio Baviera (in Weiss), hier in einem Länderspiel gegen Spanien. (Bild: Keystone/Laurent Gillieron)

Stephan Santschi

Die Schweiz an einem internationalen Grossanlass? Das gab es im Handball auf höchster Stufe schon seit neun Jahren nicht mehr. Letztmals ­qualifizierte sich die Nationalmannschaft aus eigener Kraft für die Europameisterschaft 2004 in Slowenien, zwei Jahre später gab sie an der Heim-EM ihre bisherige Derniere. Deshalb nutzt der Schweizerische Handballverband (SHV) nun eine ausserordentliche Gelegenheit und schickt eine Auswahl ins südkoreanische Gwangju. Dort findet ab Freitag die Universiade statt. So nennen sich die Olympischen Sommerspiele der Studenten, die Handball sonst nicht zu ihrem Standardprogramm zählen.

Nur Andy Schmid spielt im Ausland

Die Schweizer sollen dort internationale Erfahrungen sammeln mit einem Team, das sich aus Perspektivspielern und Akteuren des erweiterten A-Kaders zusammensetzt (siehe Box). Spieler also, die für eine bessere Zukunft des Schweizer Handballs sorgen sollen.

Eine Hoffnung, die durchaus berechtigt ist, denn Talent und Potenzial sind hierzulande vorhanden. Immer wieder spielten sich Nachwuchs-Nationalteams in den letzten Jahren in die Weltklasse. Auf die Entwicklung der A-Nationalmannschaft hatte dies bisher aber keinen positiven Effekt. Weshalb? Weil der Schweizer Handballer grundsätzlich nicht bereit ist, seine berufliche Zukunftsperspektive für den Sport aufs Spiel zu setzen. «Die Schweizer haben den Ruf, dass es sehr schwer ist, sie aus der Schweiz rauszuholen. Der Hauptgrund dafür ist der Lebensstandard und das Gehaltsniveau», sagt Ingo Meckes, der Leistungssportchef des SHV. Mit dem Luzerner Andy Schmid ist nur ein aktueller Nationalspieler im Ausland engagiert.

Noch deutlicher wird Goran Perkovac (52). Der in Luzern wohnhafte Schweiz-Kroate trainierte die Schweiz von 2008 bis 2013 und war bis zur Trennung mit Minden im letzten Februar Chefcoach des Bundesligisten. Er hält fest: «Ein ­gestandener Spieler eines Topklubs wie Kadetten Schaffhausen oder Pfadi Winterthur verdient 3000 bis 5000 Franken monatlich. Das könnte er auch bei einem Mittelfeldklub in der Bundesliga haben.» Dort müsste er sich dafür aber richtig anstrengen. Sein Fazit: «Die Schweizer Handballer müssten so früh wie möglich ins Ausland gehen. Doch sie sind viel zu bequem. Im Vergleich zur Bundesliga ist die Schweizer Liga ein ­Kindergarten, sie wird in Deutschland nicht wahrgenommen.» Der Trainingsaufwand und die ­Trainingskontrolle in den NLA-Vereinen müssten gesteigert werden. «Zudem plädiere ich für ein ­Bonussystem. Mit tiefem Grundlohn und grosszügigen Prämienzahlungen», sagt Perkovac, der als Spieler und Trainer in der Schweiz acht Meistertitel und vier Cups holte. Die Entwicklung des Schweizer Nationalteams bereitet dem ehemaligen kroatischen Internationalen Sorgen. «Ich sehe keine Fortschritte. Teilweise haben die Spieler sogar keine Lust mehr, zum Nationalteam zu gehen.» Nationaltrainer Rolf Brack, der vor eineinhalb Jahren als Wunschkandidat die Nachfolge von Perkovac übernahm, ist umstritten. Brack packe zu viele Informationen in die wenigen Übungseinheiten, teilweise würden sogar chaotische Zustände herrschen, vernimmt man während der Zusammenzüge der Landesauswahl.

Mit Blick auf das Talentreservoir versprüht Goran Perkovac aber Zuversicht. Er sieht Akteure, die dereinst voll auf Handball setzen könnten. «Es kommen andere Typen nach. Zudem haben Spieler wie Luka Maros, Ron Delhees und Lenny Rubin etwas, das uns bisher gefehlt hat: die körperliche Grösse. Ohne grosse Leute ist im internationalen Handball nichts zu erreichen.» Er würde bedingungslos auf die Jungen setzen und auf Routiniers wie David Graubner, Manuel Liniger oder Daniel Fellmann verzichten. «Das hätte kurzfristig einen weiteren Rückfall im Nationenranking zur Folge, würde sich mittelfristig aber auszahlen.» Dagegen sträube sich indes der Verband, das sei schon zu seiner Zeit als Nationaltrainer so gewesen. «Seit zwölf Jahren geht man den falschen Weg, will die Jugend stets nur für morgen vorbereiten. Das ist Augenwischerei.»

Österreich hat uns abgehängt

Welche Auswirkungen ein Engagement von Spielern im Ausland auf die Stärke des Nationalteams haben kann, zeigt sich in Österreich. Gegenüber dem Nachbarn, den man vor 2010 noch mehrheitlich schlug, hat die Schweiz den Anschluss verloren. In den letzten fünf Jahren hat sich Österreich für vier grosse Turniere qualifiziert, die Schweiz ging leer aus. «Weil Österreich rund zehn Bundesliga-Legionäre in seiner A-Nationalmannschaft hat», sagt Meckes vom SHV. Und fügt an: «Nun liegt es an uns, die Spieler davon zu überzeugen, für eine gewisse Zeit den Handball in den Mittelpunkt zu stellen.» Seit drei Jahren läuft das Elite-Förderprojekt «Team Sport Heart». Angedacht sei zudem der Aufbau eines Netzwerks, um einem Spieler eine Arbeitsstelle zu garantieren, sollte er im Ausland scheitern und wieder in die Schweiz zurückkehren.

Sechs Zentralschweizer stehen im Kader der Schweiz

ss. Vom 3. bis 14. Juli wird in der südkoreanischen Stadt Gwangju die Sommer-Universiade mit rund 20 000 Studentinnen und Studenten aus über 170 Ländern ausgetragen. Unter der Leitung von A-Nationaltrainer Rolf Brack und Nachwuchs-Nationaltrainer Michael Suter wird die Schweiz mit einem Handball-Team antreten, das sich ausschliesslich aus National- oder Perspektivspielern zusammensetzt. Dazu zählen Tobias Baumgartner, Fabio Baviera und Tom Hofstetter von Kriens-Luzern sowie die Zentralschweizer Nicolas Raemy, Lukas von Deschwanden (beide Wacker Thun) und Jost Brücker (St. Otmar St. Gallen). Die Schweiz trifft in der Vorrunden-Gruppe auf Brasilien, Ungarn, Israel, Portugal und Japan. Das Kader der SHV-Auswahl setzt sich selbstredend ausschliesslich aus Studenten zusammen.

Das Aufgebot für die Universiade in Südkorea:

Torhüter: Dominic Rosenberg (23, BSV Bern Muri), Flavio Wick (20, Suhr Aarau). – Feldspieler:
Kaspar Arn (21, BSV Bern Muri), Tobias Baumgartner (24, HC Kriens-Luzern), Fabio Baviera (23, HC Kriens-Luzern), Jost Brücker (24, St. Otmar St. Gallen), Jonas Dähler (26, Wacker Thun), Björn Fröhlich (27, St. Otmar St. Gallen), Thomas Hofstetter (25, HC Kriens-Luzern), Marvin Lier (23, Pfadi Winterthur), Filip Maros (25, Lakers Stäfa), Nicolas Raemy (23, Wacker Thun), Severin Ramseier (24, GC Amicitia Zürich), Valentin Striffeler (25, BSV Bern Muri), Lukas von Deschwanden (26, Wacker Thun), Tobias Wetzel (22, St. Otmar St. Gallen).

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