HANDBALL: Sie spielt schon jetzt wie eine Grosse

Die 15-jährige Daphne Gautschi nimmt am Master Cup im U-18-Nationalteam eine Hauptrolle ein. Das Talent des LK Zug liebäugelt bereits mit dem Ausland.

Stephan Santschi Stephan Santschi
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Daphne Gautschi in der Sporthalle Zug, wo sie am Samstag am Master Cup im Einsatz stand. (Bild Corinne Glanzmann)

Daphne Gautschi in der Sporthalle Zug, wo sie am Samstag am Master Cup im Einsatz stand. (Bild Corinne Glanzmann)

Daphne Gautschi grinst und sagt: «Ich erhalte von meinem Vater 20 Franken. Die versprach er mir, wenn ich einen Pass hinter meinem Rücken hindurch spiele.» Am Samstag, im zweiten von insgesamt drei Partien am Master Cup gegen die Alterskolleginnen von Slowenien, setzte Gautschi die Vorgabe in die Tat um, als sie auf diese Weise einen Treffer vorbereitete. «Mein Vater sagt, ich solle aus mir herauskommen und Dinge ausprobieren. Das bringt mich weiter», erzählt die 15-Jährige, die im U-18-Nationalteam bereits eine tragende Rolle inne hat. «Ich bin zwar die Jüngste, muss noch Dinge tun wie Bälle aufpumpen und Eis holen. Mit meinen Leistungen verschaffe ich mir aber Respekt.» Gegen die Sloweninnen verlor die Schweiz am Wochenende zwar alle drei Spiele, Gautschi machte als Topskorerin ihres Teams (18 Treffer) trotzdem positiv auf sich aufmerksam.

Die Jüngste in der SPL2

Mit ihrer Verspieltheit verkörpert das Rückraumtalent des LK Zug eine Qualität, die man im Schweizer Frauenhandball kaum zu Gesicht bekommt. «In der Sportschule trainiere ich auch mit Jungs zusammen, denen kann ich einiges abschauen», erklärt Gautschi, die aktuell die Sport-Kanti in Aarau besucht. Wohnhaft in Muri AG spielt sie erst ihre zweite Saison beim LKZ. Nach einem Jahr bei den Juniorinnen wird sie nun in der SPL2 eingesetzt. Dort ist sie mit Jahrgang 2000 die jüngste Spielerin überhaupt. «Ich spiele mit Erwachsenen seit ich zehn Jahre alt bin – damals in der 3. Liga. Das bin ich mich mittlerweile gewohnt», sagt sie und hält schmunzelnd fest: «Das grösste Problem mit den älteren Teamkolleginnen ist der Gesprächsstoff neben dem Platz.»

Auf dem Platz muss die 1,72-Meter grosse Athletin mit den kräftigeren Gegnerinnen zurechtkommen. «Das ist für sie nicht immer einfach», stellt Christoph Sahli, ihr Trainer bei Zugs zweiter Equipe, fest. Mit Dynamik, Schnelligkeit, guter Technik und ansprechender Wurfvarianz behauptet sie sich aber auch auf diesem Niveau, was die Torschützenliste bestätigt. Gautschi ist mit 68 Toren die Topskorerin der Zugerinnen und damit massgeblich am überraschenden zweiten Platz beteiligt. Beschleunigt wurde ihre Entwicklung durch die Verletzung von Shanice Kägi, der nominellen Nummer eins im linken Aufbau. Gautschi kam so schnell zu einem Stammplatz in der SPL2.

«Die haben uns fertiggemacht»

Der linke Aufbau ist dabei eine Position, die ihr noch etwas besser behagt, als jene Rolle, die sie vornehmlich in der U-18-Nationalmannschaft bekleidet. Dort ist sie als Spielmacherin gesetzt, übernimmt mehr organisatorische Aufgaben. «Wenn ich allerdings im linken Rückraum spiele, kann ich noch mehr aufs Tor werfen, das mache ich sehr gerne. Ich bin bekannt dafür, dass ich möglichst oft in den Abschluss gehe.» Nicht selten fehle ihr dann aber noch die Genauigkeit. «Ich muss besser schauen, was der gegnerische Goalie macht», gibt sie sich selbstkritisch.

Um weiterzukommen, investiert die schweizerisch-italienische Doppelbürgerin viel. Neun Mal trainiert sie pro Woche, «ich spiele mega gerne Handball», betont sie. Gautschi denkt sogar bereits über den nächsten Karriereschritt nach. «Ich möchte die Kanti in spätestens zwei Jahren im Ausland fortsetzen. In Deutschland zum Beispiel. Oder in Frankreich.» Sie liebe neue Herausforderungen und strebe nach der bestmöglichen Förderung. Dass noch viel Luft nach oben vorhanden ist, stellte sie vor einem Jahr fest. Ein Aha-Erlebnis war es, das EM-Qualifikationsspiel gegen Dänemark, das man mit 10:35 verloren hatte. «Die haben uns fertiggemacht», erinnert sie sich.

Zukunft in Dänemark?

Geht es nach LKZ-Trainer Sahli, kann es Gautschi weit bringen. «Nicht nur im Nationalteam. Auch international auf Klubebene. Dänemark würde mit dem dynamischen Handball gut zu Daphne passen», findet er. Ab dem nächsten Wochenende wird sie vorderhand aber wieder in der SPL2 im Einsatz stehen, dann wird mit dem Heimspiel gegen GC Ami/Wohlen die zweite Saisonhälfte eingeläutet. Ein Mal pro Woche trainiert Gautschi zudem mit dem SPL1-Team. Ab und zu steht sie auch noch im Aufgebot der U-17-Juniorinnen. «Dort zähle ich zu den Älteren, das bin ich mich nicht gewohnt. Auf diese Weise kann ich mich in einer Chefrolle üben.» Bälle aufpumpen müssen dann andere.