Handball: Stans schiesst Altdorf ins Elend

Der BSV Stans gewinnt ein ungleiches NLB-Derby gegen den KTV Altdorf mit 31:22. Während die Nidwaldner Richtung Tabellenspitze vorrücken, macht sich bei den Urnern Konsternation breit.

Stephan Santschi
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Der Stanser Rückraumspieler Mario Obad (hier im Spiel gegen Emmen) erzielte gegen seine ehemaligen Teamkollegen aus Altdorf acht Treffer. (Bild: Boris Bürgisser (Stans, 3. November 2018))

Der Stanser Rückraumspieler Mario Obad (hier im Spiel gegen Emmen) erzielte gegen seine ehemaligen Teamkollegen aus Altdorf acht Treffer. (Bild: Boris Bürgisser (Stans, 3. November 2018))

«Der BSV Stans gewinnt das Derby, das eigentlich kein Derby war.» Mit diesem verbalen Schlusspunkt traf der Speaker gestern den Nagel auf den Kopf. Das Zentralschweizer NLB-Duell zwischen dem BSV Stans und dem KTV Altdorf war frei von jeglicher Spannung und zu keinem Zeitpunkt hart umkämpft. 31:22 siegten die Hausherren in der Eichlihalle, nur 31:22 bleibt anzumerken, weil sie in den letzten Minuten entweder keine Lust mehr auf Handball oder Mitleid mit dem Gegner hatten. «Hätten die Stanser die Partie mit der Stammsechs durchgezogen, wäre das Ergebnis noch höher ausgefallen. Gegen uns reicht es ihnen im Moment eben auch ohne 100-prozentigen Fokus», meinte ein geknickter Altdorf-Trainer Sebastian Munzert.

Er hatte bei seinem Team so ziemlich alles vermisst, was es in einem Derby vor über 800 Zuschauern hätte abrufen sollen. «In ein solches Spiel musst du mit Freude reingehen. Doch wir zeigten kein Engagement. Die Führungsspieler haben ihr Niveau nicht erreicht, mit Ausnahme von Amer Zildic stimmte bei keinem die Körpersprache.»

Munzert stellt Qualität des Teams in Frage

Sein Fazit: «Die Tabelle lügt nicht. Wir sind Zweitletzter, und da gehören wir derzeit auch hin.» Zumal sich nach Marius Kasmauskas zu Saisonbeginn gestern mit Edvinas Vorobjovas auch der zweite Linkshänder im Rückraum verletzt hat. «Unser Ziel ist der Ligaerhalt. Wenn es am Ende nicht reicht, müssen wir festhalten, dass die Qualität des Kaders nicht gut genug war.» Macht sich bei den vor der Saison stark umformierten und nach neun Runden noch sieglosen Altdorfern bereits Resignation breit? «Nein, die empfinde ich erst, wenn der Abstieg definitiv feststeht», erwiderte Munzert, wirkte aber wenig zuversichtlich, als er anmerkte: «Vielleicht müssten wir nun unter der Woche mal etwas negative Stimmung reinbringen. Den Charakter der Spieler kannst du aber nicht ändern.» In einer Woche empfängt sein Team zu Hause Wädenswil/Horgen, ein direkter Konkurrent im Relegationskampf. «Wenn wir wieder das gleiche Rückzugsverhalten an den Tag legen, verlieren wir mit 10 bis 15 Toren Differenz.»

Sein Vorgänger als (Spieler)-Trainer in Altdorf, Mario Obad, befand sich derweil in einer ganz anderen Gefühlslage. Im Sommer war er in Altdorf nach vier Jahren nicht mehr erwünscht gewesen, obwohl er NLB-Torschützenkönig geworden war. Der 35-jährige Kroate wechselte nach Stans und ist in dieser Saison als spielender Assistenztrainer einer der wesentlichen Gründe für den Höhenflug. Gegen seine ehemalige Mannschaft war er der überragende Mann, acht Treffer gelangen ihm bis zur 20:10-Führung nach 40 Minuten, ehe er sich selber im Angriff auswechselte. «Das ist ein gutes Gefühl», resümierte er, «den Altdorfern musste ich aber nicht beweisen, dass ich ein guter Spieler bin. Meine Motivation war, mit einem Sieg auf den dritten Rang vorzustossen.» Ob er ein solch klares Ergebnis gegen Altdorf erwartete? «Ja», antwortete Obad. «Wir haben genug Selbstvertrauen und sind im Moment viel besser.»

Stans schielt nun sogar auf den Playoff-Final

Nach fünf Siegen in Serie sind die Nidwaldner auf Platz drei vorgerückt, der Rückstand auf Rang zwei, der die Teilnahme am NLB-Playoff-Final einbringen würde, ist auf zwei Punkte zusammengeschrumpft. Wird dieser nun zum Ziel der ausgewogenen und organisch gewachsenen Mannschaft? «Darüber brauchen wir im Moment nicht zu reden, wir nehmen einfach Schritt für Schritt», sagte Obad und fügte an: «Warum aber eigentlich nicht?»

Männer, NLB 9. Runde: Stans – Altdorf 31:22. Kadetten Espoirs Schaffhausen – Baden 32:34. Solothurn – Möhlin 21:21. Steffisburg – SG Yellow/Pfadi Winterthur 20:20. Stäfa – Endingen 36:39. Birsfelden – Biel 37:28. Rangliste: 1. Endingen 9/18. 2. Lakers Stäfa 9/16. 3. Stans 9/14 (264:237). 4. Möhlin 9/14. 5. Kadetten Espoirs Schaffhausen 9/12. 6. Birsfelden 9/11. 7. STV Baden 9/10. 8. Solothurn 9/9. 9. Steffisburg 9/5. 10. SG Wädenswil/Horgen 8/4. 11. Emmen 8/4. 12. Biel 9/4. 13. Altdorf 9/2 (226:268). 14. SG Yellow/Pfadi Winterthur 9/1. Stans – Altdorf 31:22 (16:9) Eichli – 820 Zuschauer. – SR Keist/Winkler. – Strafen: 5-mal 2 Minuten gegen Stans; 8-mal 2 Minuten gegen Altdorf. – Stans: Eicher/Maric/Wenger; Mühlebach (2), Achermann, Skrebsky Dutra (3/2), Obad (8/2), Gautschi (3), Kuster (6), Scherer (3); Christen (1), Lussi (3), Lang (1), Lehmann (1). – Altdorf: Dittli (2)/Amrein; Auf der Maur (4), Vorobjovas (1), Zildic (5/2), Henrich (4/1), Ivan Fallegger (1), Adamcik, Gisler; Arnold (2), Aschwanden (1), Häusler, Flavio Fallegger, Baumann (2/1). – Bemerkungen: Skrebsky Dutra (20./10:7), Lussi (54./28:16) und Lang (56./30:17) verwerfen Penaltys.