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HANDBALL: «Tom spielt fast skandalös gut»

Der HC Kriens- Luzern startet mit dem Heimspiel gegen den RTV Basel heute (20 Uhr, Maihof) in Teil zwei der Qualifikation. Trainer Heiko Grimm sagt, weshalb er zuversichtlich ist.
HCK-Rückraumspieler Tom Hofstetter wurde zuletzt in Tunesien zum besten Mann des Vierländerturniers gekürt. (Bild Philipp Schmidli)

HCK-Rückraumspieler Tom Hofstetter wurde zuletzt in Tunesien zum besten Mann des Vierländerturniers gekürt. (Bild Philipp Schmidli)

Interview Roland Bucher

Heiko Grimm, wir wissen, diese Frage ist provokativ: Kann Kriens in dieser Saison den ersten Meistertitel einpacken?

Heiko Grimm: Die Frage ist insofern nicht provokativ, als dass ich mich mit diesem Thema nicht auseinandersetze. Fakt ist: Kriens kann an einem guten Tag den absoluten Meisterschaftsfavoriten Schaffhausen bezwingen. Aber in einer Playoff-Fünferserie dreimal? Nein, das ist nicht realistisch.

Die Skepsis war vor der Saison latent, weil sich die Verletztenliste mit Schelbert, Fellmann, Vögtli und Weingartner füllte und Rechtsflügel Tominec den Verein verliess. Nun ist auch bei den Fans eine Begeisterung für einen konstant solid, oft sogar brillant auftretenden HCK zu spüren. Also noch einmal: Kann Kriens diese Meisterschaft gewinnen?

Grimm: Ich mache solche rhetorischen Spielchen nicht mit, nein. Ich habe an meine Mannschaft andere Ansprüche.

Und die wären?

Grimm: Wir haben am Donnerstagmorgen am Anforderungsprofil unseres Fanionteams gefeilt. Das Extrakt dieser Auslegeordnung: Wir wollen eine Mannschaft, die Ausstrahlung besitzt, dominant und begeisternd auftritt, Respekt beim Gegner erheischt. Daran arbeiten wir, alles andere kommt von selbst.

Die Finalrunden-qualifikation scheint im Moment eine Selbstverständlichkeit ...

Grimm: Ist es aber überhaupt nicht. Schauen Sie sich unseren Spielplan an mit fünf schweren Auswärtsspielen gegen Winterthur, Amicitia, Bern, Otmar und Thun. Wir werden hart pickeln müssen, um am Schluss unter den ersten sechs zu sein.

Der offizielle Minimalanspruch des Vereins sind die Playoffs. Diese Zielvorgabe ist mit Ihrer eher zögerlichen Lagebeurteilung nicht ganz vereinbar.

Grimm: Als Trainer sage ich: Wenn wir die Finalrunde erreichen, ist das mehr als ordentlich, das wäre gut. Wenn wir uns sogar für die Playoffs qualifizieren, dann ist das grossartig. Sehen Sie, so sind die Gesetze des Sports: Wer jetzt «ou, ou, ou» sagt und schwärmt, wie gut es Kriens bisher ergangen ist, der schmettert Schande über uns, wenn wir zwei, drei Spiele in Serie verlieren. Diese extremen Wellenbewegungen machen mich sauer, das macht mich grimmig.

Trotzdem: Kriens scheint gefestigt und diese Saison in seinem Reifeprozess den entscheidenden Schritt zu machen.

Grimm: Ja, das ist eine Genugtuung. Wir sind als Team weiter als vor einem Jahr, unsere Leistungen sind konstant, wir erlauben uns kaum mehr Durchhänger. Das ist uns nicht in den Schoss gefallen. Wir haben gearbeitet dafür, recht hart.

Seit dem letzten Meisterschaftsspiel gegen Stäfa sind drei Wochen vergangen. Wie haben Sie die Pause genutzt?

Grimm: Die Idee war, an unserer Mannschaftstaktik zu feilen, in dieser Beziehung Fortschritte zu machen. Doch die Flut an Verletzungsabsenzen und Nationalmannschaftsabwesenden war zu gross, um diese Pläne seriös angehen zu können. Wir haben also folgerichtig am individuellen Reifeprozess gearbeitet ...

... der diese Saison ohnehin erstaunliche Ausmasse angenommen hat. Schmückt sich auch Trainer Heiko Grimm mit Federn, wenn er sieht, wie Hofstetter zum besten Mann des Vierländerturniers in Tunesien gekürt wird, wenn er beobachtet, wie Baviera vom biederen Mitläufer zur Leaderfigur mutiert?

Grimm: (Zögert) Nein. Es ist mein Job, unsere Spieler weiterzubringen. Das braucht zwar Erfahrung, Einfühlungsvermögen, aber umsetzen müssen es die Spieler. Ich bin stolz, dass Tom Hofstetter (fehlt heute wegen einer Spielsperre gegen Basel, Anm. d. Red.) in diesem Herbst schon fast skandalös gut Handball spielt, aber ich bin stolz auf ihn, nicht auf mich. Meine Arbeit als Trainer und Pädagoge ist irgendwie unerhört spannend. Wenn ich einem Spieler beibringen kann, dass er auch mit nur einem geworfenen Tor ein besseres Spiel abgeliefert haben kann als mit fünf Treffern, dann ist die Saat aufgegangen.

Alles, was Kriens mit aufwühlend emotional geprägtem Handball in diesem Herbst erreicht hat, wäre nichts, wenn der HCK heute Abend gegen Basel verliert.

Grimm: Oberste Zielsetzung für den Jahresendspurt ist, dass wir unsere restlichen vier Heimspiele gewinnen. Der RTV Basel ist ein unbequemer Gegner. Man attestiert ihm aus der Ferne ausgesprochene Heimstärke, aber er ist auch auswärts unberechenbar und ging in St. Gallen oder Thun nur knapp an einem Punktgewinn vorbei. Wir müssen aufpassen. Aber wenn wir unsere Möglichkeiten auspacken, dann gewinnen wir. Das soll in keiner Art und Weise überheblich wirken. Ich betone noch einmal: Wir haben allen Grund, zuversichtlich in die zweite Qualifikationsetappe zu steigen. Aber es gibt keinen Grund zur Euphorie.

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