HANDBALL: «Wir wollen in die Playoffs, basta»

Der HC Kriens-Luzern startet am kommenden Wochenende in die neue NLA-Saison. Vereinsmanager Nick Christen sagt, weshalb der Meistertitel kaum zu realisieren ist.

Interview Roland Bucher
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CEO Nick Christen wird interimistisch auch als Headcoach des HC Kriens-Luzern fungieren. (Bild: Philipp Schmidli)

CEO Nick Christen wird interimistisch auch als Headcoach des HC Kriens-Luzern fungieren. (Bild: Philipp Schmidli)

INTERVIEW ROLAND BUCHER

Nick Christen, der HCK hat den Vertrag mit Trainer Heiko Grimm bis 2018 verlängert. Kriens ist auf Kontinuität erpicht.

Nick Christen: Es ist unerhört spannend, mit einem derart leistungsorientierten Mann wie Heiko Grimm zusammenzuarbeiten. Er ist erfolgshungrig und absolut prädestiniert, unsere junge Equipe weiterzubringen. Er ist für uns ein Glücksfall. Ich war sehr beeindruckt, wie er letzte Saison unsere Minikrise gemeistert hat. Heiko Grimm macht Hoffnung, dass es mit dem HCK weiterhin aufwärts geht.

Alle anderen ambitionierten Schweizer NLA-Vereine wie zum Beispiel der letztjährige Finalist St. Otmar kauft die Schlüsselspieler im Ausland. Kriens verfällt, durchaus im positiven Sinn, seit mehreren Jahren dem Jugendwahn. Aber der ganz grosse Coup gelang nicht. Das Zeitfenster für den längst angestrebten Titel bleibt zu. Was macht der Verein falsch?

Christen: Wir werden auch am Ende dieser Saison nicht ganz oben stehen, da macht sich bei uns keiner Illusionen. Wir tragen im Herzen eine Philosophie, und der bleiben wir treu: Kriens will mit einer vorwiegend aus heimischem Holz geschnitzten Mannschaft Schritt für Schritt nach vorne. Von den NLA-Spitzenteams beschäftigt keines so wenig Söldner wie wir. Wir sind stolz, mit jungen Leuten aus der Region etwas zu erreichen.

In der letzten Meisterschaft gabs einen kleinen Rückschlag, die Playoffs wurden knapp verpasst. Hat das Team die Enttäuschung verdaut?

Christen: Wir waren enttäuscht, ja. Aber wir haben uns auch gesagt: Wer in der Finalrunde Schaffhausen und Otmar, die beiden Finalisten, in allen vier Begegnungen schlägt, der darf mit Zuversicht in die neue Saison schauen. Wir haben Potenzial, wir haben Substanz. Für uns spricht, dass unsere junge Garde Saison für Saison an Muskelkraft, Erfahrung, Cleverness zulegt. Das stimmt uns zuversichtlich.

Die Frage aller Fragen im Vorfeld einer neuen Meisterschaft: Wie lautet die Zielvorgabe?

Christen: Reden wir nicht um den heissen Brei herum: Wir wollen in die Playoffs, basta. Wir bestreiten jetzt die neunte NLA-Saison, haben Erfahrung gesammelt, besitzen ein starkes Kader – da wollen wir doch nicht im Mittelfeld herumbretteln. Letztes Jahr haben wir in der Qualifikation gegen schwächere Teams wichtige Punkte im Kampf um die Playoff-Plätze liegen gelassen. Das soll uns nicht mehr passieren!

Pardon, aber die Voraussetzungen scheinen eher suboptimal. Nach dem Abgang von Nik Tominec und der langwierigen Fussverletzung von Vögt­li stehen mit Stankovic, der mit einem Infekt eine längere Vorbereitungspause einlegen musste, und Mühlebach gerade noch zwei Linkshänder mit NLA-Tauglichkeit im Kader. Und Goalie-Routinier Roman Schelbert greift nach der Kreuzbandoperation ebenfalls erst im späten Herbst wieder nach Bällen.

Christen: Unser Kader ist breit abgestützt. Es ist ärgerlich, dass wir nicht mit optimalsten Voraussetzungen in die neue Meisterschaft starten. Aber soll ich jetzt wehklagen? Nein, wir wollen aus dieser Situation das Beste machen. Zu den personellen Engpässen ist zu bemerken: Wir haben neben Nationalgoalie Andi Portmann mit Noah Ineichen einen zweiten jungen, sehr begabten Mann zwischen den Pfosten. Ich habe volles Vertrauen in ihn. Und auf der rechten Rückraumposition haben wir in den Testspielen mit Rechtshändern sehr gute Varianten ausprobiert. Schramm beispielsweise ist für diese Aufgabe eine echte, vom Gegner kaum auszurechnende Variante. Unser Kader ist stark genug, hohe Ziele anzupeilen.

Wie hoch ist das Budget für die neue Saison?

Christen: Mit rund 1,23 Millionen Franken im ähnlichen Bereich wie gehabt. Wir sparen indes einen mittleren fünfstelligen Betrag, weil wir diesmal keine Europacup-Spesen zu berappen haben. Klar, hätten wir gerne noch ein bisschen mehr Geld, um – wie die anderen Spitzenteams – auf dem Transfermarkt intensiver Ausschau halten zu können. Aber ich betone noch einmal: Die Aufgabe, mit dieser jungen Truppe zu arbeiten, Fortschritte zu erzielen, sie wachsen und reifen zu sehen, die ist unerhört reizvoll. Auch wenn wir wissen: für ganz, ganz vorne reicht es nicht. Aber für die Playoffs. Davon bin ich überzeugt.

Der HC Kriens-Luzern mit Ihnen als Visionär fährt auf einem weiteren Hauptgeleise die Idee einer neuen, multifunktionalen Sporthalle im Mattenhof. Wie gedeiht das Projekt?

Christen: Wir stecken in einer sehr dynamischen Phase, es sieht wirklich positiv aus. Jetzt beginnt der politische Prozess mit der Stadt Luzern, dem Eigentümer des Baulandes im Mattenhof II. Der sollte in sechs, sieben Monaten beendet sein.

Wann spielt Kriens in der neuen ­Halle?

Christen: Frühester Zeitpunkt ist 2018. Doch wir kommunizieren das nicht zu offensiv, denn wir wissen, dass noch vieles dazwischenkommen kann.

Und dann greift der HCK definitiv an, dann sind die infrastrukturellen Voraussetzungen gegeben, um Titel zu jagen ...

Christen: Ja, das wäre schön.