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Handball-WM: Der Virtuose und der Schwerarbeiter wollen in den Final

An der WM in Dänemark und Deutschland streben die beiden Gastgeber den Titel an. Mikkel Hansen und Patrick Wiencek verkörpern die unterschiedlichen Wege, mit denen die zwei Nationen den Erfolg suchen.
Ives Bruggmann
Mikkel Hansen ist das Gehirn des dänischen Spiels.(Bild: EPA/SRDJAN SUKI)

Mikkel Hansen ist das Gehirn des dänischen Spiels.(Bild: EPA/SRDJAN SUKI)

Schulterlanges Haar, rotes Stirnband, Dreitagebart: So auffällig die Erscheinung, so einzigartig das Spiel des Dänen Mikkel Hansen. Der zweimalige Welthandballer stellt den modernen Rückraumspieler wie kein Zweiter dar. Der 31-Jährige ist robust, wurfgewaltig, aber auch trickreich und mit dem Auge für die Mitspieler ausgestattet.

Würfe, die 110 Stundenkilometer erreichen

Es ist kein Geheimnis, der linke Rückraumspieler ist der Dreh- und Angelpunkt im Spiel des amtierenden Olympiasiegers. Der bestbezahlte Handballer der Welt nimmt diese Rolle an, hat hohe Ansprüche an sich selbst, die Mitspieler und die Trainer. Ein Lautsprecher war er aber noch nie, er lässt lieber Taten sprechen. So wie derzeit an der Handball-WM. Mit seinen Würfen, die regelmässig 110 Stundenkilometer erreichen, entzückt der 1,96 m grosse Hüne die Zuschauer. Die typische Hansen-Aktion ist es, wenn er aus dem Nichts rasant beschleunigt und wahlweise zu einem Sprung- oder einem Schlagwurf ansetzt. Den Gegenspielern bleibt nur das Staunen und ehe der Goalie reagieren kann, ist der Ball bereits im Netz gelandet. Danach folgt meistens der Sprint zur Auswechselbank, denn das Verteidigen, eine seiner wenigen Schwächen, überlässt er den anderen. Dänemarks Nationaltrainer Nikolaj Jacobsen weiss eben auch um das verwundbarste Körperteil Hansens: das Knie. Wohl auch deshalb dosiert er, wenn immer möglich, die Einsatzzeiten seines Topskorers, vor allem jene in der Defensive. Hansen seinerseits kühlt nach jeder Partie sein Gelenk – als Vorsichtsmassnahme.

WM-Titel fehlt noch

An dieser WM wollen die handballverrückten Dänen die letzte Lücke im Palmarès schliessen, denn Weltmeister sind sie noch nie geworden. Dreimal standen die Nordländer im Final, dreimal setze es eine Niederlage ab. Zuletzt 2011 und 2013, als Hansen zuerst als Torschützenkönig und beim zweiten Versuch als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet wurde. In diesem Jahr jedoch ist Dänemark auf dem Papier die bestbesetzte Mannschaft. Hansen ist also keineswegs auf sich alleine gestellt. Ihm zur Seite stehen mindestens ein halbes Dutzend weitere Weltklassehandballer. Das Wichtigste: auf jeder Position mindestens einer. Da ist sind die Rückraumspieler Mads Mensah und Rasmus Lauge oder die blitzschnelle Flügelzange, bestehend aus Casper Mortensen und Lasse Svan. Der grösste Trumpf könnte jedoch das bisher statistisch beste Goalieduo sein: Niklas Landin und Jannick Green.

Kieler Mittelblock als Prunkstück

Was die Dänen besitzen, fehlt den deutschen Handballern. Der Rückraum stellt nicht absolute Weltklasse dar. Spielmacher Martin Strobel steht lediglich in der zweiten Bundesliga unter Vertrag. Im Spiel gegen Kroatien verletzte er sich am Knie und fällt für den Rest des Turniers aus. Doch die Deutschen haben aus der Not eine Tugend gemacht. Sie setzen all ihre Hoffnungen in die Defensive. Sie ist das Prunkstück von Trainer Christian Prokop. Der Kieler Mittelblock mit den beiden Zwei-Meter-Männern Patrick Wiencek und Hendrik Pekeler ist schier unüberwindbar. Und passiert dennoch einmal ein Ball das Bollwerk steht im Tor noch der dritte Kieler Andreas Wolff, seineszeichens einer der besten Goalies der Welt.

Patrick Wiencek ist der Abwehrchef der deutschen Mannschaft. (Bild: KEYSTONE/DPA/Marius Becker)

Patrick Wiencek ist der Abwehrchef der deutschen Mannschaft. (Bild: KEYSTONE/DPA/Marius Becker)

Der 110 kg schwere Abwehrchef Wiencek hat sich im Verlaufe des Turniers zum Publikumsliebling gemausert. Er ist ein Mann der Taten, nicht der Worte. Einer, der zupackt und den man lieber nicht als Gegenspieler hat. Nach einer gelungenen Abwehraktion animiert Wiencek jeweils das Publikum. Die über 19000 Zuschauer am Hauptrundenspielort in Köln danken es ihm. Überhaupt, die Deutschen brauchen wohl das Publikum, um bis es ganz ans Ende des Turniers zu schaffen.

Selbstbewusstes Deutschland

An Selbstvertrauen mangelt es den Deutschen traditionell nicht. «Wir haben die stärkste Abwehr der Welt», sagte Bob Hanning, Vizepräsident des Deutschen Handballbundes. «Darauf müssen wir aufbauen.» Mit 21,5 Gegentoren pro Spiel war die Deutsche Mannschaft in der Vorrunde die beste in dieser Hinsicht. Mit Captain Uwe Gensheimer haben sie zudem einen Flügelspieler mit Weltklasse-Format, der die erzwungenen Fehler der Gegner im Gegenstoss in Tore ummünzt. Im Gegensatz zu den Dänen ist bei den Deutschen jeder Treffer Schwerstarbeit. Bislang führen jedoch beide Wege zum Ziel. Denn der Final liegt für die zwei Gastgeber in Reichweite.

Deutschland im Halbfinal, Dänemark wartet

Mit dem 22:21 gegen Kroatien hat sich das deutsche Nationalteam gestern noch vor dem abschliessenden Gruppenspiel für die Halbfinals qualifiziert. Gleichzeitig steht in der Gruppe 1 auch Frankreich als Halbfinalist fest, da Kroatien nach der Niederlage entscheidend zurückgebunden ist. Mit Spanien ist in derselben Gruppe ein weiteres favorisiertes Team bereits gescheitert. Im Gegensatz zu Deutschland muss Dänemark weiter zittern, trotz des gestrigen 26:20-Sieges gegen Ägypten. Denn in der Gruppe 2 kommen auch Norwegen und Schweden noch als Halbfinalisten in Frage. Am Mittwoch spielt Dänemark gegen Schweden um den Einzug unter die letzten vier. Sowohl Deutschland als auch Dänemark waren in den fünf Vorrundenpartien ihrer Gruppe unbesiegt geblieben und hatten sich so für die Hauptrunde der besten zwölf Teams qualifiziert. Am Freitag finden die Halbfinals statt, am Samstag Platzierungsspiele, am Sonntag dann der Final. (red)

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