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Junge St. Galler Schiedsrichter pfeifen erneut an der Handball-WM

Die Handball-WM beginnt in dieser Woche in Deutschland und Dänemark einmal mehr ohne Schweizer Mannschaft. Mit den St. Gallern Arthur Brunner und Morad Salah sind dafür zwei junge Schiedsrichter dabei, die zu den Besten ihres Faches gehören.
Daniel Good
Arthur Brunner und Morad Salah, die Schweizer Stars an der Handball-WM in Deutschland und Dänemark. (Bild: Michel Canonica)

Arthur Brunner und Morad Salah, die Schweizer Stars an der Handball-WM in Deutschland und Dänemark. (Bild: Michel Canonica)

Sie könnten noch spielen. Morad Salah ist 29-jährig, Arthur Brunner ein Jahr jünger. Zur grossen Karriere am Kreis oder im Rückraum hat es den beiden Ostschweizern freilich nicht gereicht. Dafür sind sie mit der Pfeife überaus erfolgreich. Es ist gut möglich, dass sie dereinst den Olympiafinal der Männer leiten.

Zunächst geht es für Brunner und Salah aber an ihre zweite Männer-WM der Elite. Wenn sie ordentliche Leistungen abliefern, können sie mit der Selektion für die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio rechnen.

Im Hexenkessel mit Kroatien

Brunner und Salah sind ambitioniert, aber keine Träumer. Im Vorfeld der WM in Deutschland und Dänemark sagen sie: «Es muss immer das Ziel sein, für die letzten vier Spiele eines Turniers berücksichtigt zu werden.» Das sind der Final, die Halbfinals und die Partie um die Bronze­medaille. «Aber du kannst immer ein Spiel ‹verhauen›, dann bist du weg vom Fenster.»

Die WM 2019 beginnt am Donnerstag in Berlin mit dem Eröffnungsspiel zwischen Deutschland und Südkorea. Brunner und Salah pfeifen während der Vorrunde in München, wo ab Freitag unter anderen Europameister Spanien, Kroatien, Mazedonien und Island spielen.

Die Schiedsrichter wissen 24 Stunden vor einer Partie, welche Begegnung sie leiten werden. Die Münchner Spiele finden in der 12 500 Zuschauer fassenden Olympiahalle statt. Insbesondere während der Partien mit Kroatien wird es hoch zu und her gehen in der Arena.

Die Absage aus der Bundesliga

Der Alltag für Brunner und Salah ist die NLA mit ein paar hundert Zuschauern. «Internationale Einsätze sind natürlich spannender. Alle sind fokussierter. Es geht um viel. Das Medieninteresse ist höher», sagen sie. Die Absicht der beiden Ostschweizer, in der Bundesliga weitere internationale ­Erfahrung zu sammeln, gedieh nicht weit. «Die Deutschen wollen das nicht», so Brunner.

In der Champions League leiteten sie schon Viertelfinals. Das ist nahe am sogenannten «Final Four», dem Finalturnier. An Weltmeisterschaften der Junioren standen sie wiederholt im ­Final im Einsatz. In Gabun pfiffen sie als einziges europäischen Paar an der Afrikameisterschaft.

An der WM vor zwei Jahren in Frankreich hielten sich Brunner und Salah nach einer guten Vorrunde als Ersatz für die letzten vier Spiele bereit. «Wir standen in über 30 Ländern im Einsatz», sagt ­Salah. Sie leiteten schon mehr als 150 internationale Partien.

Die Perspektiven sind für Brunner und Salah auch deshalb ansehnlich, weil sie die mit Abstand jüngsten Schiedsrichter in der Weltklasse sind. «Die Zweitjüngsten sind fünf Jahre älter», sagt Salah. Diese kommen aus Slowenien. Die Alterslimite für Handball-Schiedsrichter ist bei 50 Jahren angesetzt. Brunner und Salah haben bereits ausgerechnet, wie es um ihre olympischen Ambitionen steht. «Wir könnten bis 2040 dabei sein», so Brunner.

Gerangel in Deutschland

Um einen olympischen Final zu leiten, sind mindestens zwei Teilnahmen notwendig. Aus Europa dürfen acht Paare an die Olympischen Spiele. An der nun beginnenden WM sind unter den ­ 16 Schiedsrichtergespannen ­ 13 europäische Duos im Einsatz.

Die deutschen Topleute Lars Geipel und Marcus Helbig fehlen erstmals seit vielen Jahren. Zum Zug kommen die jüngeren Robert Schulze und Tobias Tönnies, die sich für die Olympischen Spiele empfehlen wollen.

Aus der Schweiz kamen bloss die beiden St. Galler in Frage. «Natürlich freuen wir uns, wieder nominiert worden zu sein. Das ist eine Auszeichnung und Belohnung.» Damit sie für die WM fit sind, trainieren Brunner und Salah täglich. «Wir müssen unsere Leistungsdaten wöchentlich an die internationale Schiedsrichterzentrale weiterleiten.»

Der Bundesrichter und der Mann mit der sozialen Ader

Arthur Brunner ist Doktor der Rechtswissenschaften und arbeitet am Bundesgericht in Lausanne. Er wohnt in Bern. Morad Salah ist nach Studien des Rechts, der Sozialpädagogik und der Psychologie bei den Sozialen Diensten der Stadt St. Gallen angestellt. Mehr als Spesen gibt es nicht für internationale Topschiedsrichter. Salah arbeitet zu 80 Prozent. «Weniger liegt nicht drin. Für den Handball investieren wir die Ferien und die gesamte Freizeit. Aber das ist es mir mehr als wert», sagt Salah.

Am Bundesgericht gibt es keine Teilzeit­pensen. Die beiden St. Galler entstammen dem SV Fides. Brunner und Salah werden die Karriere zusammen beenden. «Wir sind so gut aufeinander abgestimmt, dass es mit einem anderen Partner wohl nicht ginge», sagt Brunner. Versuche anderer Spitzenschiedsrichter, die einen neuen Mann zur Seite hatten, sind fast alle gescheitert. (dg)

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