Haslers Prachtstreffer ins Real-Herz

Roland Bucher
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René Hasler (hier mit dem FCB im Cupfinal 1973 gegen Zürich) war in seiner Zeit ein Ausnahmekönner. (Bild: RDB/Rudolf Rohr)

René Hasler (hier mit dem FCB im Cupfinal 1973 gegen Zürich) war in seiner Zeit ein Ausnahmekönner. (Bild: RDB/Rudolf Rohr)

Er habe, betont René Hasler (64), in seiner langen Fussballerkarriere so viele wunderbare Momente erlebt, dass er sich kaum festlegen könne, welches der wertvollste, der emotional aufwühlendste gewesen sei. Der gebürtige Horwer schwärmt zum Beispiel von seinen Lehrjahren beim FC Luzern, als er in der Ära Ernst Wechselberger als 17-jähriger Fussballzögling ins Fanionteam nachrückte. «1967/68 war eine wunderbare Saison», lehnt sich Hasler in seinen Erinnerungen zurück, «wir haben auf der Allmend alle Spitzenteams gebodigt: 4:2 beim Auftakt gegen Basel, 4:0 gegen Zürich, 2:1 vor 21 000 (!) begeisterten Fans gegen GC.» Der FC Luzern in der Jugenderinnerung des Schreibenden, das war: Eckball René Hasler, Kopfball Heinz Bertschi – Tor!

Beim zweiten Anlauf klappte es

Natürlich erinnert der seine Karriere beim FC Luzern als hängende Spitze lancierende Supertechniker auch an seine 28 Länderspiele, an unvergessliche nationale Auftritte mit Basel, mit Zürich, mit Xamax. Aber der berührendste Moment in seiner Karriere? Wir nehmen René Hasler die schwere Entscheidung ab. Man schrieb am 15. September 1971 einen prächtigen Herbstabend, die Europacup-Affiche im altehrwürdigen «Joggeli» war bezaubernd. 55 000 Zuschauer warteten auf das königliche Real Madrid.

Wer sich profundem Wissen in der Fussball-Nostalgie rühmt, der sieht noch heute den Regionalzug dampfen, der auf dem Bahndamm ausserfahrplanmässig einen Stopp einschaltete, um seinen Passagieren einen Gratis-Schielblick in die Arena zu gewähren. 32 Minuten waren in dieser denkwürdigen Begegnung gespielt. Lassen wir doch René Hasler, in dessen fussballerischem Rucksack nicht nur viel technische Finesse und bemerkenswerte strategische Ausrichtung, sondern auch ein gehöriger «Hammer» steckte, im Originalton erzählen: «Eine meiner Vorlieben war es, mich bei Eckbällen unauffällig in die Nähe des Strafraums zu mogeln, um bei Abprallern parat für den Nachschuss zu sein. Reals Starverteidiger José Martinez Pirri wehrte den Corner exakt in meine Laufbahn ab. Mein Schuss klatschte aus 25 Metern haargenau ans Lattenkreuz, spickte vom Goalie wieder über die Behindlinie. Wieder Eckball für uns und Duplizität der Ereignisse: Der Ball landete nach einer Abwehrintervention an der exakt gleichen Stelle wieder bei mir. Beim zweiten Anlauf zielte ich zwei Zentimeter genauer ...» Ein Traumtor mitten ins Real-Herz. Die Madrilenen kehrten das Spiel, gewannen durch Treffer von Aguilar und Santillana 2:1. Im Rückspiel übrigens schoss ein gewisser Ottmar Hitzfeld den Ehrentreffer für den FCB.

Mit Wolfisberg an den Cupfinal 1960

Die ausserordentliche Fussballbegabung wurde René Hasler gewissermassen in die Wiege gelegt. Keinen Steinwurf von Paul Wolfisberg entfernt aufgewachsen, dribbelte Klein-René seiner fussballerischen Nachbarschaft schon früh Knoten in die Beine. Prägendes Ereignis war der Ostermontag 1960, als der C-Junior auf Einladung des Vaters von FCL-Captain Paul Wolfisberg im Auto mit an den Cupfinal ins Berner Wankdorfstadion durfte und dort den FCL-Triumph gegen Grenchen erlebte. Ein Jahr später schon, als 13-Jähriger, bestritt René Hasler mit einer Auswahlmannschaft das Vorspiel des Cupfinals. «Und zehn Jahre später», skizziert der elegante Kreativaufbauer mit dem hütenden Auge für die Defensivabsicherung seinen kometenhaften Aufstieg, «stand ich mit Zürich selber auf dem Wankdorf-Rasen und gewann meine erste Cup-Medaille.»

René Hasler stilvolles Auftreten beim FC Luzern hatte sich bei den nationalen Grossvereinen herumgesprochen, Zürich machte das Rennen. Zwei Jahre später stiess er zum FCB, erlebte goldene Jahre. René Hasler war damals in den Siebzigerjahren einer der hochdekoriertesten Schweizer Fussballer, wechselte für drei Jahre für die damalige Rekordtransfersumme von fast einer halben Million Franken zu Xamax. 17 NLA-Jahre reihte er schliesslich in sein Palmarès: «Ich hatte eine wunderbare Karriere, darauf bin ich stolz, dafür bin ich dankbar.»

Glücksbringer für den FCL?

Der Kreis hat sich geschlossen: Seit 2011 lebt René Hasler nach vielen fussballerischen und beruflichen Wanderjahren zusammen mit seiner Ehefrau Denise wieder in Horw, seiner Heimatgemeinde. Hält sich beim Tennismatch in Form, plauscht ohne vergifteten Ehrgeiz Golf, fitnesst und verfolgt nach wie vor mit grossem Interesse, was in der grossen Welt des Sports alles so kreucht und fleucht. Und lässt es sich nicht nehmen, in seiner alten, in der Zwischenzeit zu einem schmucken Stadion mutierten Wirkungsstätte, dem FC Luzern, seinem Stammverein, auf die Füsse zu schauen.

Zum Beispiel auch morgen Ostermontag: «Spiele gegen den FCB», schmunzelt Hasler, «lasse ich mir natürlich fast nie entgehen. Letztes Mal gewann der FCL 1:0, hoffentlich bringe ich auch diesmal Glück. Denn Luzern kann im jetzigen Zeitpunkt die drei Zähler noch dringender brauchen als der FCB ...»

René Hasler (64). Geburts- und Wohnort: Horw. Familie: verheiratet mit Denise. Beruf: Bankfachmann. 17 Jahre lang Fussballer im Halbprofistatus. – Grösste Erfolge: 28 Länderspiele (Premiere am 21. Oktober 1972 beim 0:0 gegen Italien in Bern). Drei Meistertitel mit Basel (1972, 73, 80), zwei Cupsiege mit Zürich (1970) und Basel (1975).