Handballerische Defensivkunst als Spassfaktor

Der HC Kriens-Luzern ist am Mittwoch (19.45) in Bern zu Gast. Die Absenz des Topskorers wiegt schwer.

Roland Bucher
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Filip Gavranovic (links) verteidigt gegen den Surher Tim Aufdenblatten.

Filip Gavranovic (links) verteidigt gegen den Surher Tim Aufdenblatten.

Bild: Boris Bürgisser (Kriens, 20. Oktober 2020)

Nun, ist der HC Kriens-Luzern seiner schnittigsten Angriffswaffen beraubt (Captain Hofstetter, Papez und Harbuz – mit 111 Toren mit Abstand Liga-Primus – sind allesamt verletzt), so besinnt er sich halt noch energischer seiner Defensivkunst. Zusammen mit Aljaz Lavric ist Filip Gavranovic (28) der Ankermann in dieser Verteidigung, welche zum Beispiel beim 27:25-Sieg am Samstag selbst die hochkarätigen Angreifer von Pfadi Winterthur zermürbte.

Die Berner, ein gefährlicher Gegner

Gavranovic, der 198-cm-, 105-kg-Athlet, interpretiert in dieser Saison seinen Job als Zwei-Weg-Mann perfekt: In der Offensive spielt er seine in acht Profijahren gesammelte Routine aus und bringt seinem designierten Nachfolger Gino Delchiappo die nötigen Kniffs und Tricks bei, hinten räumt er resolut auf. Tore werfen, sei durchaus auch ein Jobbestandteil seiner Funktion als Kreisläufer, logisch:

«Aber wissen Sie was? So richtig Spass macht mit der Handball in erster Linie als Abwehrmann.»

Das habe er als junger Spieler gelernt, mit diesen Fähigkeiten sei er ins internationale Schaufenster gerückt. Dem Angreifer die Muskeln zu zeigen, ihm den Schneid abzukaufen: «Da bin ich in meinem Element.»

Das wird er auch heute in Bern, beim BSV, sein. Die Berner haben - das hat auch Gavranovic erkannt - einen Steigerungslauf hinlegt und letztes Wochenende in einem dramatischen Finale St. Otmar St. Gallens Heimstärke geknickt. «Ein gefährlicher Gegner», spürt der Kroate. «Aber auch bei uns passt im Moment alles zusammen.» Unglücklich sei einzig, dass jetzt auch Topskorer Harbuz mit einer Schlagverletzung am Hals ausfalle; noch näher zusammenrücken müsse man also.

«Von Woche zu Woche eingespielter»

Schwer wird’s heute also in Bern, doch Kriens-Luzern besitze inzwischen die Reife, solche Widersacher hartnäckig niederzuringen, betont der Kroate. Und: «Wir sind eine Mannschaft, die noch mehr Potenzial hat, die von Woche zu Woche eingespielter, stärker wird.» Also mit der Handschrift eines möglichen Meisters? Gavranovic lächelt: «Wir wollen in den Playoff-Final. Mindestens.» Aus solchem Holz sind Teamträger geschnitzt.

Gavranovics Vertrag läuft nach drei Saisons im Sommer 2020 aus. Der Kroate, zusammen mit Freundin Isabella in dieser «wunderbaren Gegend» heimisch geworden, würde seine Karriere gerne hier fortsetzen. Ein Gespräch mit Trainer Goran Perkovac und CEO Nick Christen habe bereits stattgefunden, ein Ergebnis sei noch ausstehend. «Aber ich bin zuversichtlich, dass wir zusammen eine gute Lösung finden.»

Handball, NLA Männer. Rangliste: 1. Kadetten Schaffhausen 14/24 (439:355). 2. Pfadi Winterthur 14/20 (410:368). 3. Kriens-Luzern 14/20 (381:351). 4. St. Otmar St. Gallen 14/19 (424:390). 5. Suhr Aarau 14/15 (336:327). 6. BSV Bern 14/14 (392:387). 7. Wacker Thun 14/14 (376:371). 8. GC Amicitia Zürich 14/9 (345:376). 9. Endingen 14/4 (334:421). 10. RTV Basel 14/1 (331:422).