Verwundbare Krienser Handballer

Der HC Kriens-Luzern gibt alles – es ist deutlich zu wenig: 21:31-Niederlage gegen St.Otmar St.Gallen.

Roland Bucher
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Die Krienser Filip Gavranovic (links) und Thomas Piroch versuchen, Dominik Jurilj zu stoppen. (Bild: Ralph Ribli/Tagblatt, St. Gallen, 3. November 2019)

Die Krienser Filip Gavranovic (links) und Thomas Piroch versuchen, Dominik Jurilj zu stoppen. (Bild: Ralph Ribli/Tagblatt, St. Gallen, 3. November 2019)

Die Voraussetzungen waren schlecht, um nicht zu behaupten: Im Prinzip war es aussichtslos, an einen Kraftakt zu glauben. Die Krienser Hoffnung ­darauf, trotz verletzungsbedingt höchst eingeschränkter Kaderqualität den St.Gallern ein Bein zu stellen, dauerte genau 34 Minuten an. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Team von Trainer Goran Perkovac aus seinem personell eingeschränkten Grundstock ein 13:13 herausgequetscht – und das war in Anbetracht dessen, dass man zur Pause noch mit vier Toren hinten lag, durchaus bemerkenswert.

Doch dann begann Kriens zu stottern, die Kräfte lahmten, das Vertrauen schwand – und der St.-Otmar-Express nahm so richtig Fahrt auf. «Wir sind in dieser Zusammenstellung nicht tauglich für einen Platz unter den ersten sechs Teams in dieser Liga», befand Perkovac ­trocken, «wer etwas anderes glaubt, ist naiv.»

Wenn Topskorer Harbuz lahmt

St.Otmar hatte den Braten schnell gerochen: Wer gegen Kriens spielt und wem es bei dieser Gelegenheit gelingt, den ­Innerschweizer Topskorer Hleb Harbuz einigermassen sicher an die Kette zu nehmen – der hat schon fast gewonnen. Harbuz zog einen eher schwachen Tag ein – den ersten wohlverstanden in dieser Saison. Der HCK gab sich Mühe, vertraute auf seinen Neuzuzug Tomas Piroch, der von Beginn weg auf der Rechtsaufbauer-Position mittun durfte. Der 19-jährige Tscheche zeigte sich mutig, um nicht zu sagen übermütig: Neun Wurfanläufe, drei Tore, mehrere technische Fehler – es war kein Début, wie es Kriens geholfen hätte. «Es ist schön für Spieler wie Piroch oder unseren jungen Goalie Patrick Rast, dass sie Mass an der NLA nehmen dürfen, aber sie retten uns natürlich nicht ans Ufer.»

So wäre, was eine ab Minute 34 sehr einseitige Partie anbetrifft, nur noch anzufügen, dass es Kreisläufer Gavranovic mit perfekter Torquote, Idrizi mit der Bestätigung seines Potenzials und Oertli als Hofstetter-Ersatz ordentlich bis gut machten. Wie gesagt: zu wenig, um die St.Galler ärgern zu können. Wie geschickt und virtuos man Handball interpretieren kann, das zeigte einmal mehr St.Gallens Spielertrainer Bo Spellerberg. Er schaltete und waltete so, wie man es als Routinier halt aus dem Ärmel schüttelt – davon kann die Krienser Jungmannschaft in diesen Wochen nur träumen. «Wir waren zu weit weg», gesteht Perkovac, «um für eine Überraschung sorgen zu können. In unseren Offensiv­bemühungen sind wir viel zu schwach.»

Hofstetter, der Captain und Regisseur, Papez, das erhoffte Prunkstück im Rechtsaufbau, und sein Nebenmann Ramseier, immerhin auch ein Nationalspieler, fallen weiterhin für unbestimmte Zeit aus. «Ohne diese drei Ankermänner sind wir verwundbar», weiss Perkovac. Der Trainer wird heute bei CEO Nick Christen vorstellig werden, auch beim Verwaltungsrat anklopfen: «Entweder: Wir lassen die nächsten Spiele an uns vorbeiziehen und hoffen im nächsten Jahr auf bessere Zeiten. Oder: Wir bemühen uns um eine echte Verstärkung auf der Mittelmannposition. Sonst müssen wir unsere Saisonziele revidieren.»

Otmar SG – HC Kriens 31:21 (13:9)

1150 Zuschauer. – SR Capoccia/Jucker.

Strafen: 2-mal 2 Minuten gegen Kriens-Luzern.

Otmar SG: Bringolf (1); Spellerberg (6), Hörler, Fricker, Gwerder (2), Pendic (7/2), Wüstner (1), Rauch, Jurilj (2), Wetzel (4), Jurca (5), Höning (3).

HC Kriens: Bar/Rast; Harbuz (3), Wipf, Blättler (1), Piroch (3), Kim, Gavranovic (3), Oertli (5), Schlumpf, Delchiappo (2), Lavric (1), Idrizi (3).