«Wer Erfolg haben will, braucht Luft in der Lunge»: Krienser Handballer müssen laufen, laufen, laufen

Kriens-Luzern will heute gegen Bern-Muri seinen Status als Spitzenteam bestätigen – mit genügend Luft in der Lunge.

Roland Bucher
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Goran Perkovac, Trainer des HC Kriens-Luzern, spricht zu den Spielern

Goran Perkovac, Trainer des HC Kriens-Luzern, spricht zu den Spielern

Bild: Urs Flüeler / Keystone (Kriens, 26. September 2020)

Zehn Tage Länderspiel-Pause, welche für den Verursacher, das Handball-Nationalteam, übrigens bei weitem nicht das gewünschte Ergebnis erbrachte: Einerseits war der Zwischenstopp für die NLA-Vereine genehm in Sachen Erholung nach strengen Herbstspielen inklusive Europacup, andrerseits bremste er aber die Fahrt jener Teams, die in Schwung waren. Wie zum Beispiel den HC Kriens-Luzern, der sein letztes Spiel vor dem Unterbruch mit einem grossartigen Cup-Viertelfinal-Sieg bei Pfadi Winterthur adelte.

«Schade», sagt Kriens-Trainer Goran Perkovac, «dass wir den guten Lauf nicht nutzen konnten. Wir hätten natürlich das Erfolgsmomentum gerne ausgenützt.» Doch jammern will er nicht. «Es war jetzt auch eine gute Zeit, im Training Dinge anzupacken, welche man sonst im Tagesgeschäft vernachlässigt.» Zum Beispiel laufen, laufen, laufen: «Wer Erfolg haben will, braucht Luft in der Lunge.»

Nationalteam: Perkovac hinterfragt Personalpolitik

Die Luft, die ist inzwischen dünn geworden für das Nationalteam. Es verlor die beiden Auftakt-Qualispiele für die EM – in Dänemark kam die Niederlage nicht unerwartet, im Heimspiel gegen Nordmazedonien aber doch eher überraschend. Das passt Goran Perkovac, dem Erfolgsverrückten, nicht in den Kram: «Der Auftritt gegen Nordmazedonien war enttäuschend, basta. Jetzt wird es sehr eng.» Der Krienser Erfolgscoach hinterfragt durchaus auch die Personalpolitik in der Nationalmannschaft: «Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Spieler aus der Schaffhauser Handball-Akademie unter Nationalcoach Michael Suter eine grössere Chance auf eine Nomination haben», moniert Perkovac. Tönt eher aggressiv. Sei es nicht, beschwichtigt der kroatische Olympiasieger. «Es ist einfach die Realität. Manchmal denke ich, dass es untergegangen ist, dass wir in der Innerschweiz oder auch in anderen Handballzentren wie Bern oder St.Gallen gute Arbeit leisten.»

Bei seiner Spielercrew, die in der laufenden Saison einen weiteren markanten Schritt nach vorne tat, nimmt Perkovac durchaus die Rolle des Anwalts ein: «Unsere Flügelspieler wie Levin Wanner, Ramon Schlumpf oder auch Ammar Idrizi könnten durchaus eine Bereicherung für das Nationalteam werden. Und wenn Moritz Oertli seine Fortschritte bestätigt, wird er auch zum Thema.» Die grössten Chancen räumt der HCK-Trainer indes Tim Rellstab ein, dem 2,03-Meter-Mann im linken Rückraum, 20 Jahre jung, hochbegabt und bereits auf dem Zettel mehrerer Bundesliga-Vereine. «Tim müsste schon jetzt in der Nationalmannschaft dazugehören.»

50 Fans, Ersatzspieler mit Schutzmasken

Gut zu wissen für die Krienser: Der Sohn des früheren Internationalen Beat Rellstab steht mit HCK-General Nick Christen in Gesprächen über eine Vertragsverlängerung. Perkovac geht davon aus, dass er bald für drei weitere Jahre bei Kriens unterschreiben wird. «Es wäre für seine Entwicklung das Beste.»

Erst einmal geht es für Kriens-Luzern heute Abend gegen Bern-Muri (19.30 Uhr, Krauerhalle). Gegen ein Team «mit enormer Wurfkraft aus dem Rückraum», wie Perkovac warnt. «Doch wenn wir ein Spitzenteam bleiben wollen, müssen wir auch jetzt reüssieren.»

Ob dies gelingt, werden nur wenige Leute vor Ort verfolgen können. «Nur 50 Zuschauer dürfen rein – mehr nicht», erläutert Nick Christen Punkt eins des Coronaschutzmassnahmenpakets. «Dem müssen wir uns fügen.» Neu ist: Auch die Ersatzleute auf der Bank tragen Schutzmasken, jeder nimmt seine Utensilien gesondert in sein Täschchen.

Frei verfügbar aus dem gleichen Töpfchen ist nur noch eines der wichtigsten Handballer-Requisiten: der Harz. Aber harzig soll sich das Angriffsspiel der Krienser ja gegen die Berner nicht entwickeln.