HCK-Spieler Moritz Oertli wandelt auf den Spuren seines prominenten Vaters

Kriens-Luzern empfängt am Sonntag Basel zum NLA-Heimspiel. Spielmacher Moritz Oertli hat die Fingerverletzung bereits auskuriert.

Stephan Santschi
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HCK-Spieler Moritz Oertli (blaues Dress) ist zum Stammspieler herangereift.

HCK-Spieler Moritz Oertli (blaues Dress) ist zum Stammspieler herangereift.

Bild: Patrick Hürlimann (Kriens, 29.Januar 2020)

Der 49-jährige Nick Christen war ein begnadeter Spielmacher. Mit Borba Luzern wurde er 1993 Schweizer Meister, mit Kadetten Schaffhausen gewann er 1999 den Cup. Er absolvierte 119 Länderspiele für die Schweiz und nahm an Weltmeisterschaften (1990, 93, 95) und Olympischen Spielen teil (1996). 2008, im Alter von 38 Jahren, trat er zurück. Heute ist er Geschäftsführer des HC Kriens-Luzern sowie Initiant und Projektleiter der Pilatus-Arena.

Moritz Oertli ist der Sohn von Nick Christen und Esther Oertli. Kurz nachdem sein Vater mit dem aktiven Handball aufgehört hatte, entdeckte der 19-Jährige den Sport für sich, trat Borba Luzern bei, liess sich in der SG Pilatus ausbilden und gab als 16-Jähriger das NLA-Début – wie sein Vater als Spielmacher. In dieser Saison rückte er nach Tom Hofstetters Verletzung zum Stammspieler auf. Wie der Vater, so der Sohn, könnte man also sagen.

Perkovac’ Vergleich mit dem jungen Christen

Einer, der beide bestens kennt, ist Trainer Goran Perkovac. Beim HCK ist er der Chef von Oertli, als Rückraumspieler war er der kongeniale Partner von Christen bei Borba Luzern. «Physisch ist Moritz für sein Alter viel weiter als sein Vater damals. Spielerisch aber war Nick stärker», sagt Perkovac und ergänzt: «Moritz muss in Sachen Cleverness und Übersicht noch viel lernen. Doch er steigert sich von Spiel zu Spiel und ist in der Deckung sehr robust.» Bemerkenswert: Mit Oertli als Regisseur hat Kriens-Luzern den Vorstoss auf Rang drei geschafft.

Oertli stellt sich dem Konkurrenzkampf

Mittlerweile ist Hofstetter zurück, am letzten Wochenende auswärts gegen Endingen führte er das Team wieder an, nachdem sich Oertli früh einen Finger verrenkt hatte. Für das Heimspiel am Sonntag (17 Uhr, Krauerhalle) gegen Basel meldet sich das Eigengewächs aber wieder zurück. «Es ist nichts gebrochen. Ich habe keine Schmerzen, trainierte am Montag schon wieder voll mit.» Oertli ist klar, dass die Rolle als gesetzte Nummer eins in der Schaltzentrale zu früh kommt, widerstandslos preisgeben will er sie aber nicht. «Zu Saisonbeginn war ich der Junior, der etwas Spielzeit hatte. Dann sollte ich plötzlich das Spiel leiten. Anfänglich war das schwierig, nun aber fühle ich mich wohl», sagt Oertli und fügt an: «Jetzt, wo Tom zurück ist, müssen wir uns neu finden. Mal schauen, wie es funktioniert.»

Auch für nächste Saison, wenn Hofstetter durch den Slowenen Janus Lapajne ersetzt wird, gibt sich Oertli kämpferisch: «Klar wird er zu Beginn besser sein als ich. Ich möchte viel von ihm lernen und irgendwann gleichwertig sein.» Gibt es dazu ab und zu noch einen Tipp des Vaters? «Früher kam es schon vor, dass er mir zu Hause eine Täuschung vorzeigte. Heute sagt er mir nach Spielen zwar noch, was gut war und was ich besser machen könnte. Wir haben aber das Private klar von der Halle getrennt», erklärt Oertli und fügt schmunzelnd an:

«Auch die Vertragsverhandlungen machen wir nicht am Küchentisch.»

Erste Trainings mit dem A-Nationalteam

Sein Arbeitspapier in Kriens läuft bis 2021. Im letzten Sommer schloss der 1,87 Meter grosse und 85 Kilo schwere Athlet die Sportklasse an der Kantonsschule Alpenquai ab. Derzeit liegt der Fokus auf Handball, nebenbei jobbt er zu 40 Prozent auf einem Webdesign-Büro. «Auch ich träume von einem Engagement als Handballer im Ausland», sagt der Schweizer U21-Internationale, der bereits das eine oder andere Training mit dem A-Nationalteam bestreiten konnte. Die ersten Schritte auf den Spuren seines prominenten Vaters verlaufen also durchaus vielversprechend.