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Stefan Küng mit seinem Team BMC: Heimsieg im Stil von Real Madrid

Mit grossem Vorsprung gewinnt das Team BMC das Mannschaftszeitfahren in Frauenfeld. Der Einheimische Stefan Küng überquert die Ziellinie als Erster seiner Equipe und ergattert in der ersten Etappe das Leadertrikot.
Daniel Good

Es war angerichtet für Stefan Küng. Und der junge Thurgauer Radprofi liess sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen. 20 Sekunden schneller als die Weltmeister vom Team Sunweb war seine Mannschaft auf den 18,3 Kilometern um Frauenfeld. Der Vorsprung beeindruckte ­sogar Fabian Cancellara, den Olympiasieger im Zeitfahren. «In den Mannschaftszeitfahren tritt Küngs Team wie Real Madrid im Fussball auf. Sehr dominant», sagte der 37-jährige Berner.

«Es war nicht so einfach», sagt der 24-jährige, aus Wilen bei Wil stammende Küng. «Alle erwarteten den Sieg. Aber die weltbesten Teams und viele der stärksten Profis sind am Start der Tour de Suisse. Ich musste am Schluss schon auf die Zähne beissen, um das Leadertrikot zu holen.» Schon die Strecke bis zur Zwischenzeit durchmass BMC sechs Sekunden schneller als Sunweb.

Dann drehte BMC weiter auf, auch weil Sunweb schon früh nur noch mit vier von sieben gestarteten Rennfahrern unterwegs war. Auch BMC kam zu viert ins Ziel. Aber bloss Alessandro De Marchi, der Ersatz für den kranken Weltklassezeitfahrer Rohan Dennis, verlor früh den Kontakt mit den Teamkollegen. In die Wertung kam die Zeit des vierten Fahrers, der die Ziellinie überquerte.

Im Gefolge von Küng erreichten Olympiasieger Greg van Avermaet, ­Richi Porte und Tejay van Garderen Frauenfeld. Nach De Marchi fielen auch Küngs Landsmann Michael Schär und Simon Gerrans zurück. Der Australier Porte ist nun Favorit auf den Gesamtsieg in der 82. Tour de Suisse. Die Schweizer Landesrundfahrt endet heute in einer Woche im Tessin.

Der Einfluss der Tour de France auf Frauenfeld

In diesem Jahr findet an der Tour de France wieder einmal ein Mannschaftszeitfahren statt. Deshalb steht auch in fast allen Vorbereitungsrennen eine ­solche Prüfung auf dem Programm. Im Rahmen der Tour de Suisse wurde gestern erstmals seit dem Jahr 2000 wieder ein Mannschaftszeitfahren durchgeführt. Vor 18 Jahren siegte in Uster die Equipe des deutschen Tour-de-France-Siegers Jan Ullrich.

Der Parcours im Kanton Thurgau war anspruchsvoll. Auf den finalen drei Kilometern waren viele Richtungswechsel zu bewältigen. In Herdern wartete eine giftige Steigung auf die Teams. Überdies war es heiss wie im Hochsommer.

Der Publikumsliebling Küng freute sich sehr nach dem Heimsieg. «Ich war schon lange fokussiert auf diese Prüfung. Wie in einem Tunnel. Wir befassten uns bereits seit Mittwoch mit der ersten Etappe.» Die Sieger erreichten eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 54 Stundenkilometern.

Die Mannschaft BMC hatte zwei Ziele: Das Teamzeitfahren zu gewinnen und den Anwärter auf einen Spitzenplatz im Gesamtklassement in eine gute Position zu bringen. «Beides ist gelungen», so Küng. Der 33-jährige Porte, der ehemalige Chefhelfer des vierfachen Tour-de-France-Gewinners Chris Fromme, hat in 20 Minuten schon reichlich Vorsprung auf seine schärfsten Rivalen im Kampf um den Gesamtsieg herausgefahren.

Favoriten müssen Federn lassen

Das spanische Team Movistar mit den Captains Mikel Landa und Nairo Quintana büsste eine gute halbe Minute auf Küngs Mannschaft ein. Porte wie Landa und Quintana wollen im Sommer die Tour de France gewinnen. Noch mehr als der Spanier und der Kolumbianer verlor der slowakische Vorjahressieger Simon Spilak, für dessen Team auch der Thurgauer Reto Hollenstein fährt.

Küng trug das gelbe Leadertrikot der Tour de Suisse schon im vergangenen Jahr für einen Tag. Heute darf er das ­begehrte Emblem in seinem Heimat­kanton zum zweiten Mal ausfahren. Die zweite Etappe führt auf einen Rundkurs nördlich von Frauenfeld. Start und Ziel befinden sich wiederum im Kantonshauptort. Es gilt, einige Hügel zu bewältigen, aber Küng hat gute Aussichten, morgen Gelb zu verteidigen. Am Montag führt die Strecke in den Aargau.

Küng darf sich sogar reelle Chancen ausrechnen, einen zweiten Etappensieg zu ergattern. Die Tour de Suisse endet mit einem Einzelzeitfahren.

Weltrekordhalter Michael Albasini

Mannschaftszeitfahren bedeuten kollektives Schinden. Bei vielen Rennfahrern ist diese Disziplin sehr unbeliebt. Stefan Küng aber ist ein Meisters des Fachs. «Das ist wie Tieffliegen», sagt der erste Leader der diesjährigen Tour de Suisse. Auf vielen Teilstrecken sind die Spitzenteams mit mehr als 60 Stundenkilometern unterwegs. Gregory Rast hingegen kann seit dem Beginn seiner Profikarriere den Mannschafszeitfahren nichts Positives abgewinnen. Der Zuger kam auch gestern nicht mit den Besten ins Ziel. Michael Albasini, der dritte Thurgauer im Feld, erreichte gestern in Frauenfeld mit seinem Team Mitchelton-Scott den fünften Rang. Wie es sich für einen anständigen Thurgauer gehört, liess er sein Team nicht im Stich und fuhr mit den Schnellsten seiner Equipe durchs Ziel. «Es ist schon etwas speziell. Man ist mit seiner Leistung verantwortlich für alle», so der in Gais wohnende Routinier. Albasini ist in Form. Er ist sogar ­Weltrekordhalter in der Disziplin Mannschaftszeitfahren. 2013 erreichte Alba­sinis damaliges Team in Nizza eine ­Durschnittsgeschwindigkeit von fast 58 Stundenkilometern. Mit dabei war vor fünf Jahren auch Simon Gerrans, der gestern an der Seite Küngs fuhr. (dg)

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