Halfpipe

Heute die grosse Flug-Show: Iouri Podladtchikov fordert Shaun White

2006 und 2010 triumphierte Shaun White in überlegener Manier in der Halfpipe, der Königsklasse der Snowboarder. Heute soll die Vorherrschaft nun zu Ende gehen. Der Schweizer Iouri Podladtchikov will den 27-jährigen Kalifornier vom Thron stossen.

Johannes Kaufmann, Krasnaja Poljana
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Grosse Flugshow: Podladtchikov fordert White
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Podladtchikov
Halfpipe Burton European Open in Laax von Ende Januar: Sieger Iouri Podladtchikov lässt sich feiern.

Grosse Flugshow: Podladtchikov fordert White

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Viel wurde spekuliert um den Gesundheitszustand der US-Snowboard-Ikone Shaun White. Wie fit ist er nach mehreren schmerzhaften Stürzen in diesem Winter? Was bedeutet sein Verzicht für den Slopestyle-Wettkampf? «Shaun White ist hier und er ist bereit», sagt Marco Bruni. Der frühere Schweizer Nationalcoach ist ein Intimkenner der Szene. Er baute die Strukturen bei Swiss-Ski für die Freestyle-Snowboarder auf. Und er lernte früh den noch für Russland startenden Iouri Podladtchikov kennen. Bruni ist mittlerweile Podladtchikovs Privatcoach, ausgestattet mit einem 50-Prozent-Mandat.

Die beiden eint ein grosses Ziel: Die Halfpipe-Festung Shaun White soll eingenommen werden. 2006 und 2010 triumphierte der 27-jährige Kalifornier in überlegener Manier in der Halfpipe, der Königsklasse der Snowboarder. Seither liess sich White nur selten bei Wettkämpfen blicken. Er triumphierte weiter jährlich auf der grossen Freestyle-Bühne, den X-Games in Aspen. Viel mehr war da nicht. Für Schlagzeilen sorgte der Einzelgänger, der kaum Interviews gibt, abseits der Pipe. Er erstand an nobelster Lage in Malibu, Kalifornien, ein grosszügiges neues Wohndomizil. Neun Millionen Dollar soll er hingeblättert haben.

Erstmals Schwächen offenbart

White spielt damit monetär weiter in einer anderen Liga als Podladtchikov. Der optimierte nach Vancouver sein Umfeld, riesige eigene Trainingshalle inklusive. White geht da noch einen Schritt weiter. Er pflegt sich in einer eigenen Halfpipe in der Abgeschiedenheit auf die grossen Wettkämpfe vorzubereiten. Seine Häufung von Stürzen ist als Zeichen zu werten, dass die Reserve auf die Konkurrenz schwindet. Der Unantastbare zeigt Schwächen. «Vor vier Jahren thronte er weit über dem Rest», analysiert Bruni, «mittlerweile ist ihm die Konkurrenz sehr nahe gerückt.» Das sieht auch Podladtchikov so. Details werden entscheiden im Duell, so hofft der 25-Jährige. «Es zählen nicht nur die Tricks, es geht ebenso um die saubere Ausführung», sagt Podladtchikov. Emsig wurde darüber spekuliert, dass White eine neue Höchstschwierigkeit im Köcher hat. Davon geht das Podladtchikov-Lager nicht aus. Bruni sagt: «Von den Tricks und von der Flughöhe betrachtet, schenken sich die zwei nichts.»

Bretz besiegt White

Besiegen liess sich White in den letzten fünf Jahren bloss einmal. Im Dezember gelang dieses Husarenstück in Breckenridge – bei wechselnden Bedingungen – seinem Landsmann Greg Bretz. Der ist auch in Sotschi dabei. «Dass er bei einem Wettbüro lediglich als 1:33-Aussenseiter gehandelt wird ist verrückt», sinniert Podladtchikov. Klar, er will verbal ein wenig Dynamik aus dem grossen Duell mit White nehmen.

Podladtchikov jagte das Mysterium bislang vergeblich. Er besiegte es nie. Deshalb gibt der gebürtige Russe unumwunden zu, dass dies die ultimative Herausforderung ist. Olympisches Edelmetall hätte der unglückliche Vierte von Vancouver im Erfolgsfall ohnehin auf sicher.