Historisches Scheitern der Dänen an der Handball-EM schockt das ganze Land

Handballolympiasieger und Weltmeister Dänemark hadert nach dem EM-Aus mit dem Modus.

Christoph Stukenbrock und Irina Gnep
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Konsternation bei Handballstar Mikkel Hansen nach dem EM-Aus.

Konsternation bei Handballstar Mikkel Hansen nach dem EM-Aus.

Bild: Jan Christensen/Getty (Malmö, 11. Januar 2020)

(sid) «Schock», «Fiasko», «Tiefpunkt der dänischen Handballgeschichte»: Das historische Scheitern des Weltmeisters und Olympiasiegers löste im handballverrückten Dänemark eine kleine Staatskrise aus. Ein K. o. in der Vorrunde einer EM – das hatte es bei den erfolgsverwöhnten Skandinaviern noch nicht gegeben.

Während sich die Kommentatoren in der Heimat mit Superlativen überschlugen, waren die dänischen Stars um Welthandballer Mikkel Hansen in Malmö konsterniert. Ihr Trainer Nikolaj Jacobsen wirkte mächtig angefressen. Die allgemeine Endzeitstimmung ging dem langjährigen Bundesligacoach und Weltmeistermacher dann aber doch zu weit.

«Wir haben das Niveau nicht erreicht»

Ob das schlechteste EM-Abschneiden in der Geschichte der Handballnation ein «Fiasko» sei? «Ich habe keinen Bock, solche Wörter zu benutzen», sagte Jacobsen genervt: «Wir haben diesmal das Niveau nicht erreicht.» Er wolle nicht als schlechter Verlierer dastehen, «aber wir sind auch Opfer des neuen EM-Modus geworden. Wenn man wegen einer Niederlage mit einem Tor ausscheidet, ist das schon fragwürdig.»

Noch deutlicher in seiner Kritik wurde Dänemarks Sportchef Morten Stig Christensen. «Der Handball muss sich überlegen, ob es gut ist, wenn Nationen wie Frankreich und Dänemark nach der Vorrunde raus sind», sagte Christensen.

Sie hatten vor dem Turnier vom Grand Slam des Handballs, der Vereinigung aus Olympiasieg, Welt- und Europameistertitel geträumt – doch drei Punkte waren am Ende zu wenig. Nach einer Niederlage gegen Island (30:31) und dem Unentschieden gegen Ungarn (24:24) fiel der abschliessende 31:28-Erfolg gegen Russland nicht mehr ins Gewicht.

Begehrte Olympiatickets

Auch die Handballgrossmacht Frankreich wurde nach Niederlagen gegen Portugal und Norwegen nur Dritte ihrer Vorrundengruppe – ein Platz, der bei den vorherigen Europameisterschaften für das Weiterkommen genügt hätte. Viel mehr als mit dem neuen Modus dürfte das Ausscheiden der Favoriten mit der Tatsache zu erklären sein, dass 2020 ein Olympiajahr ist. Während Dänemark als Weltmeister längst für Tokio qualifiziert ist und auch Frankreich als WM-Dritter seinen Platz für ein Qualiturnier sicher hat, geben die (vermeintlich) kleinen Teams Vollgas, um noch eines der begehrten Tickets für die Olympiaausscheidung zu ergattern.

Im Fall Dänemarks stimmte aber auch die Leistung nicht. Gebeutelt von einigen Verletzungen, fabrizierten Hansen und Co. satte zehn technische Fehler im Schnitt pro Spiel. Zum Vergleich: Bei der WM waren es gerade einmal die Hälfte. «Das ist viel zu viel, wenn jeder einzelne Spieler so viele produziert wie letztes Jahr im ganzen Turnier», sagte Hansen, der in der Heimat für seine mässigen Auftritte kritisiert wurde.

Doch auch Jacobsen bekam sein Fett weg. «Darüber solltest Du nachdenken, Nikolaj», schrieb das dänische Boulevardblatt BT in grossen Lettern. Das wird er. «Ich trage die komplette Verantwortung und muss mich hinterfragen, was ich besser machen kann», sagte Jacobsen. Noch so einen Blackout dürfen er und sein Team sich bei den Olympischen Spielen nicht erlauben.

Handball-EM Hauptrunde: Gruppe I

Spanien – Tschechien 31:25 (14:9). Kroatien – Österreich 27:23 (13:8). Weissrussland – Deutschland 23:31 (11:18). 1. Spanien 2 2 0 0 64:51 4 (2)  2. Kroatien 2 2 0 0 58:46 4 (2)  3. Deutschland 2 1 0 1 57:56 2 (0) 4. Österreich 2 1 0 1 55:56 2 (2) 5. Tschechien 2 0 0 2 54:63 0 (0) 6. Weissrussland 2 0 0 2 46:62  0 (0)