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HISTORISCHES: Sommerspiele: Rekorde, Skandale, Tragödien und Höhepunkte

1896 fanden die ersten Olym­pi­schen Sommerspiele in Athen statt, 2012 die bislang letzten in London. In diesen 116 Jahren schrieben die Athleten unglaubliche Geschichten. Eine Auswahl der speziellsten Ereignisse.
Albert Krütli und René Barmettler
Freut sich über seine 18. Goldmedaille: der Amerikaner Michael Phelps nach dem Sieg mit der 4 x 100-m-Lagenstaffel. (Bild: AP/Matt Slocum)

Freut sich über seine 18. Goldmedaille: der Amerikaner Michael Phelps nach dem Sieg mit der 4 x 100-m-Lagenstaffel. (Bild: AP/Matt Slocum)

Albert Krütli und René Barmettler

Freut sich über seine 18. Goldmedaille: der Amerikaner Michael Phelps nach dem Sieg mit der 4 x 100-m-Lagenstaffel. (Bild: AP/Matt Slocum)

Freut sich über seine 18. Goldmedaille: der Amerikaner Michael Phelps nach dem Sieg mit der 4 x 100-m-Lagenstaffel. (Bild: AP/Matt Slocum)

4. AUGUST 2012, LONDON: Michael Phelps (28) triumphiert mit der 4 x 100-m-Lagenstaffel der US-Amerikaner und lässt sich danach die 18. olympische Goldmedaille um den Hals hängen. Damit zementiert der Schwimmstar seine Vormachtstellung als erfolgreichster Olympionike: Zu den 18 ersten Plätzen kommen je zwei Silber- und Bronzemedaillen, was das unglaubliche Total von 22 Olympiamedaillen ergibt. Auf Rang 2 folgt die Kunstturnerin Larissa Latynina, die von 1956 bis 1964 für die damalige Sowjetunion 18 Medaillen (9 Gold, 5 Silber, 4 Bronze) holte. Der drittplatzierte finnische Leichtathlet Paavo Nurmi eroberte von 1920 bis 1928 12 Medaillen (9 Gold, 3 Silber).

Premiere mit 15 Jahren

Als 15-Jähriger bestritt Michael Phelps seine ersten Olympischen Spiele. In Sydney im Jahr 2000 musste der Jüngling ohne Podestplatz nach Hause reisen. Aber bereits vier Jahre später schlug er erbarmungslos zu und gewann für sein Land nicht weniger als sechs Goldmedaillen. Diese sensationelle Bilanz verbesserte er 2008 in Peking: Achtmal Gold. 2012 stand der Superstar in London immerhin noch viermal zuoberst auf dem Podest. Danach gab er seinen Rücktritt bekannt. Aber irgendwie vermisste Phelps das schöne Gefühl des Siegens. Der Sport und die Anerkennung für seine Leistungen fehlten ihm offensichtlich. So wurde er gleich zweimal wegen Trunkenheit am Steuer festgenommen. Das Comeback brachte ihn wieder auf den richtigen Weg, Alkohol ist tabu.

Vor seinen fünften Spielen

Und so wird der 1,93 m grosse und 88 kg schwere Modellathlet in den kommenden Tagen in Rio de Janeiro seine fünften Spiele in Angriff nehmen. Es ist diesem Ausnahmeathleten durchaus zuzutrauen, dass er seine einmalige Medaillensammlung noch um die eine oder andere Einheit erweitert. «Ich will meine Karriere mit einem Erfolg abschliessen», sagte Phelps unmissverständlich. Und sollte ihm das unerwarteterweise nicht gelingen, will er auf seinen Entschluss keinesfalls zurückkommen: «Nach den Spielen in Rio ist endgültig Schluss, daran gibt es nichts mehr zu rütteln.» Was natürlich durchaus zu verstehen ist, denn Michael Phelps muss im sportlichen Bereich nun wirklich niemandem mehr etwas beweisen.

Bei solch einem Leistungsausweis mit total 48 Goldmedaillen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften liegt es auf der Hand, dass das Thema Doping immer wieder auf den Tisch kommt. Phelps, der in seiner Karriere nie des Dopings überführt wurde, erklärte mehrmals, dass er nie verbotene Medikamente zu sich genommen habe.

In einem Interview mit der «Süddeutschen Zeitung» sagte er: «Jeder kann glauben, was er will. Ich weiss, dass ich sauber bin. Die Menschen können sich Fragen stellen, aber Fakten sind Fakten, und ich habe Ergebnisse, um es zu beweisen.» Das kann er ein letztes Mal in Rio de Janeiro, denn es ist davon auszugehen, dass nach dem Russland-Skandal die Kontrolleure noch genauer hinschauen werden.

Dank Hormondoping den Gegnern (Carl Lewis, links) weit voraus: der Kanadier Ben Johnson (Bild: AP/Gary Kemper)

Dank Hormondoping den Gegnern (Carl Lewis, links) weit voraus: der Kanadier Ben Johnson (Bild: AP/Gary Kemper)

24. SEPTEMBER 1988, SEOUL: 9,79 – so schnell hat noch nie ein Mensch die 100 Meter zurückgelegt. Bis zu diesem Tag. Im 100-m-Final duellieren sich der kanadische Weltrekordler Ben Johnson, «Titelverteidiger» Carl Lewis, Europarekordler Linford Christie sowie Ex-Weltrekordler Calvin Smith. Lewis blickt schon während des Rennens mehrfach konsterniert zu seinem weiter aussen laufenden Erzrivalen. Der reckt im Ziel siegesgewiss die rechte Faust.

Als ihn ein Fernsehreporter fragt, was ihm wichtiger sei, die Goldmedaille oder der Weltrekord, erwidert er: «Die Goldmedaille. Sie ist etwas, was dir niemand wegnehmen kann.» Drei Tage später verlangt eine Mitarbeiterin des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) an seiner Hoteltür die Medaille zurück. Ben Johnson reicht sie ihr konsterniert.

Explosion des Entsetzens

Johnson wird des Hormondopings mit dem anabolen Steroid Stanozolol überführt. Gold, Weltrekorde und der WM-Titel von Rom 1987 werden ihm später aberkannt. Sein Weltrekord wird nie in die Bestenliste des Leichtathletik-Verbandes aufgenommen. Seit Ben Johnson läuft in jedem Rennen der Verdacht mit. Der Skandal löst, als er drei Tage nach dem Lauf publik wird, eine Explosion der Enttäuschung, des Entsetzens und der Wut aus. Einer der Helden auf der am grellsten ausgeleuchteten Bühne des Sports gedopt, der Sieger im 100-Meter-Finale der Olympischen Spiele ein Betrüger – wie kann das sein? Was nicht wenige Zuschauer und Experten bis heute als eines der spannendsten Rennen der Welt in Erinnerung haben – Carl Lewis, nach 9,92 Sekunden im Ziel, rückte auf den ersten Platz nach, Linford Christie (9,97) auf den zweiten und Calvin Smith (9,99) auf den dritten –, entpuppt sich im Rückblick als Mischung von Lug, Trug und mehr als zweifelhaftem Umgang. Die Sportverbände und das IOC mussten danach ihre offenkundige Kumpanei mit Dopern aufgeben und Trainingskontrollen einführen.

Kurz vor dem Ziel: Marathonläuferin Gabriela Andersen-Schiess. (Bild: Getty/David Madison)

Kurz vor dem Ziel: Marathonläuferin Gabriela Andersen-Schiess. (Bild: Getty/David Madison)

28. JULI 1984, LOS ANGELES: Zum ersten Mal in der Geschichte der Olympischen Sommerspiele steht der 42,195 Kilometer lange Marathon der Frauen auf dem Programm. Als einzige Schweizerin geht Gabriela Andersen-Schiess an den Start. Als sie ins Coliseum einläuft, stockt den Zuschauern der Atem. Unkoordiniert, von der einen Seite zur anderen schwankend, kämpft sich die 39-Jährige bei brutaler Hitze Schritt für Schritt über die letzte Bahnrunde und braucht dafür über sieben Minuten. Dabei verweigert sie die Hilfe der Betreuer. Gleich nach der Ziellinie wird Andersen-Schiess von den Ärzten in die Arme genommen und auf einer Trage weggetragen.

Getränkeposten verpasst

Wie konnte das geschehen? Nach 36 Kilometern lag die Zürcherin auf Platz 20, verpasste aber danach den letzten Getränkeposten, um sich den dringend benötigten Flüssigkeitsnachschub zu sichern. Und so torkelt Andersen-Schiess vollständig dehydriert über die letzten Meter, die ein schockierendes Bild abgaben. Danach entbrannten die Diskus­sionen darüber, ob die Ärzte verpflichtet gewesen wären, die Athletin aus Sicherheitsgründen aus dem Rennen zu nehmen.

Gabriela Andersen-Schiess erholte sich zum Glück schnell und gab schon 12 Stunden nach ihrem schockierenden Zieleinlauf Interviews. Sie erklärte, dass sie wach gewesen sei und alles mehr oder weniger mitbekommen habe. «Als ich ins Stadion einlief, dachte ich, dass es hier sicher irgendwo Wasser gibt, aber es war keines da. Ich realisierte nicht, ob mein Zustand schlimm war oder nicht. Der Rennarzt war bei mir und merkte, dass ich nicht desorientiert war. Deshalb liess er mich weiterlaufen. Ich glaube, ich habe nicht mit meinem Leben gespielt», sagte Gabriela Andersen-Schiess, die schliesslich in 2:48:42 Stunden den 37. Platz belegte. Heute lebt die 71-Jährige mit ihrem Ehemann in Sun Valley (USA).

Der doppelte Goldmedaillen-Kuss: Dana Zatopkova und Emil Zatopek. (Bild: AP)

Der doppelte Goldmedaillen-Kuss: Dana Zatopkova und Emil Zatopek. (Bild: AP)

27. JULI 1952, HELSINKI: Der Tscheche Emil Zatopek holt Gold über 5000 Meter. Kurz danach zieht seine Ehefrau Dana Zatopkova gleich: Gold im Speerwurf – eine einmalige Geschichte bei Olympischen Spielen. Emil Zatopek war nicht nur ein begnadeter Langstreckenläufer, er hatte auch durchaus Sinn für Humor. «Meine Frau hat nicht nur am selben Tag wie ich Geburtstag, sie hat auch in derselben Stunde Olympiagold gewonnen und hat sogar am selben Tag wie ich geheiratet», sagte er später.

Die «tschechische Lokomotive»

Der Wunderläufer, der am 19. November 1922 geboren wurde, geht als «tschechische Lokomotive» in die Geschichte ein. Die Zugmaschine ist in Helsinki auch über die 10 000 Meter und über die Marathonstrecke zu schnell für die Gegner. Dabei läuft er zum ersten Mal über die 42,195 Kilometer, lässt der Konkurrenz aber nicht den Hauch einer Chance. Bereits vier Jahre zuvor hatte Zatopek bei den Spielen in London Gold über 10 000 Meter und Silber über 5000 Meter gewonnen. Emil Zatopek, der mehrfache Weltrekordhalter, stirbt am 21. November 2000 im Alter von 78 Jahren als vierfacher Olympiasieger in Prag.

Siegerehrung im Weitsprung: Jesse Owens (Mitte) salutiert, Luz Long (rechts) zeigt den Hitlergruss. (Bild: Keystone)

Siegerehrung im Weitsprung: Jesse Owens (Mitte) salutiert, Luz Long (rechts) zeigt den Hitlergruss. (Bild: Keystone)

4. AUGUST 1936, BERLIN: Der Star der Olympischen Spiele trägt einen dunklen Trainingsanzug, auf dem USA steht, seinen Kopf schmückt der Lorbeerkranz. Jesse Owens (22), ein schwarzer Student aus Columbus (Ohio), steht ganz oben auf dem Siegerpodest und schaut in Richtung der US-Flagge, die gerade in die Wolken von Berlin gezogen wird. Er salutiert.

Owens hat an diesem Tag den Weitsprung gewonnen und seine zweite Goldmedaille geholt. Owens war von 100 000 Zuschauern im Olympiastadion erneut frenetisch bejubelt worden, wie schon bei seinem überlegenen Sieg über 100 Meter am Tag zuvor – und wie bei den zwei weiteren Triumphen, die noch folgen sollten.

Tipp vom Zweitplatzierten

Hinter Owens auf der zweiten Stufe des Siegertreppchens steht ein Mann in weissem Trainingsanzug, der den Hitlergruss zeigt. Luz Long ist Deutscher, er ist hinter dem US-Amerikaner Zweiter im Weitsprung geworden. Die beiden haben sich ein atemberaubendes Duell geliefert, das Owens erst im vorletzten Sprung entschied. Long soll Owens zuvor sogar vor dem Ausscheiden bewahrt haben, als er dem Rivalen empfahl, seine Anlauflänge zu verändern. Verbrieft ist: Long gratuliert Owens noch an der Weitsprunggrube zum Sieg. Beide umarmen sich und gehen lachend ein paar Meter nebeneinander.

Gigantische Inszenierung

Die Geschichte der Kontrahenten Owens und Long, die bei den Spielen 1936 in Berlin so respektvoll miteinander umgehen, ist eine der berührendsten Szenen der Olympia-Historie. Eingebrannt hat sich jedoch das Bild der Athleten auf dem Siegerpodest, weil es ein Symbol von unheimlicher Strahlkraft ist: Der Sport, von Hitlers Propagandaminister Joseph Goebbels nur vorgesehen als Mittel zum Zweck einer gigantischen Inszenierung vermeintlicher arischer Überlegenheit, triumphiert in Person eines angeblich wertlosen Schwarzen.

Die «Jugend der Welt» zu Gast – für die nationalsozialistische Regierung ist Olympia in Berlin eine grandiose Möglichkeit zu Selbstdarstellung, politischer Verschleierung (am fünften Wettkampftag schickt Hitler Truppen nach Spanien, um Franco zu unterstützen und deutsches Kriegsmaterial zu testen).

Ohne Laufschuhe zum Marathonsieg: der Äthiopier Abebe Bikila (links). (Bild: Keystone)

Ohne Laufschuhe zum Marathonsieg: der Äthiopier Abebe Bikila (links). (Bild: Keystone)

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