Winteruniversiade 2021: Die Veranstalter hoffen auf grosse Namen

An der Winteruniversiade 2021 in der Zentralschweiz stehen kaum bekannte Athleten am Start – auch wegen des Reglements.

Claudio Zanini
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Sein Stern ging bei der Winteruniversiade auf: Ramon Zenhäusern feierte 2015 in Granada den ersten grossen Sieg.

Sein Stern ging bei der Winteruniversiade auf: Ramon Zenhäusern feierte 2015 in Granada den ersten grossen Sieg.

Bild: Gabriele Facciotti/Keystone (Zagreb, 5. Januar 2020)

Es ist Februar 2015, als in Bea­ver Creek und Vail die Weltmeisterschaft der alpinen Skifahrer stattfindet. Der Walliser Ramon Zenhäusern verpasst die Selektion für den Grossanlass. Seine Ergebnisse im Weltcup waren zu bescheiden. Einmal wurde er Neunzehnter, meistens schaffte er es nicht in den zweiten Lauf.

Zenhäusern darf nicht nach Nordamerika fliegen, also kommt Plan B zum Einsatz. Er reist nach Granada, wo zur gleichen Zeit die Winteruniversiade ausgetragen wird. Am 14. Februar 2015, dem Abschlusstag der Spiele, fährt er im Slalom allen davon. Er gewinnt in Spanien Universiade-Gold, sein erster grosser Sieg.

Der Wirtschaftsstudent schöpft daraus viel Selbstvertrauen für die sportliche Karriere. Eine Woche nach Granada steht er erstmals im Europacup, der zweithöchsten Stufe der Skiwelt, auf dem Podest. In der dar­auffolgenden Saison gelingt ihm das erste Top-Ten-Ergebnis im Weltcup. Nochmals zwei Jahre verstreichen bis zu seinem Olympiasilber. Zenhäusern wird später sagen, bei der Winteruniversiade 2015 sei ihm sein Durchbruch gelungen.

Auf Geschichten wie diese hoffen die Zentralschweizer Veranstalter der Winteruniversiade 2021. Das Schweizer Team wird so gross sein wie nie zuvor. 120 Athleten stehen am Start, hinzu kommen 60 Betreuungspersonen. Dass sich in dieser Delegation auch bekannte Sportler befinden, die als Zuschauermagnete taugen, dürfte aber eher unwahrscheinlich sein.

Der dichte Kalender der Topathleten

Mike Kurt, der Präsident von Swiss University Sports, sagt, grundsätzlich fehlen grosse Namen. Das hat auch mit den Teilnahmebedingungen der Winteruniversiade zu tun. Die Athleten dürfen höchstens 25 Jahre alt sein, sie stehen naturgemäss am Anfang einer Karriere. Mike Kurt erwähnt Skifahrer Tanguy Nef, den man gerne bei der Universiade dabei hätte, er ist Weltcup-Athlet und Student. Nef, ein Slalom-Spezialist, der in dieser Saison zwei Top-Ten-Plätze schaffte, dürfte aber auch im nächsten Jahr einen dichten Terminkalender haben: Im Januar finden die meisten Slalomrennen statt, im Februar folgt die WM in Cortina d’Ampezzo. Es braucht aus Sicht der Organisatoren ein wenig Glück, damit ein Weltcup-Fahrer wie damals Zenhäusern kommt. Und es wird Lobbyarbeit von Swiss University Sports brauchen. In den kommenden Monaten will man bei den Sportverbänden die Universiade bewerben.

Der Verband, der sich vor allem angesprochen fühlen darf, ist Swiss Ski. Die Hälfte der zehn Disziplinen, die an der Universiade auf dem Programm stehen, fallen in den Bereich des Skiverbands: Ski alpin, Langlauf, Biathlon, Snowboard und Ski Freestyle. Bernhard Aregger, der Geschäftsführer von Swiss Ski, signalisiert Wohlwollen. Er sagt: «Es ist ein sehr wichtiger Grossanlass. Wir sind bemüht, dass Athleten, die bei der Winteruniversiade startberechtigt sind, teilnehmen können.» Von den bekannten Skifahrern kämen aber gar nicht so viele in Frage, betont Aregger. Ramon Zenhäusern oder Daniel Yule wären zwar beide Studierende, haben aber die Altersgrenze überschritten. «Ich gehe davon aus, dass wir aus den Bereichen Snowboard und Ski Freestyle mehr Athleten rekrutieren können, allein wegen der Erfüllung der Teilnahmebedingungen», sagt Aregger.

Wie bei einem FIS-Rennen

Die Abwesenheit von arrivierten Athleten wird sich letztlich auch im Niveau einiger Wettkämpfe niederschlagen. Mike Kurt nennt das Eishockey-Turnier der Universiade 2019 in Kasachstan als positives Beispiel. «Extrem hohes Niveau», sagt er. Für die Snowboard- und Ski-Freestyle-­Wettkämpfe gelte das ebenfalls. In diesen Bereichen sind auch bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen viele junge Studenten dabei.

Bei den alpinen Skirennen sieht es hingegen anders aus. «Das Niveau ist mit demjenigen eines FIS-Rennen zu vergleichen», sagt Bernhard Aregger. Das belegt auch die Geschichte von Ramon Zenhäusern. 2015 gewann er als C-Kader-Athlet überlegen. 3,68 Sekunden betrug sein Vorsprung auf den Zweitplatzierten.