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Heimlicher Hauptsponsor – ohne SRG keine Tour de Suisse

Eine Tour de Suisse ohne das Schweizer Fernsehen ist undenkbar. Das SRF bietet die wichtigste Bühne für das neuntägige Etappenrennen und investiert viel Geld in den Event. Es ist eine Rechnung, die aufgeht: Radsport ist beim TV-Publikum beliebt.
Daniel Good
Ein Kameramann filmt auf einem Motorrad den Einsatz von Stefan Küng. (Bild: Andy Müller/Freshfocus (Cham, 10. Juni 2017))

Ein Kameramann filmt auf einem Motorrad den Einsatz von Stefan Küng. (Bild: Andy Müller/Freshfocus (Cham, 10. Juni 2017))

Die Tour de Suisse ist auf das Schweizer Fernsehen SRF angewiesen. Kein privater Anbieter würde das Risiko auf sich nehmen, die Produktionskosten für ein grosses Etappenrennen zu stemmen. Eine Refinanzierung ist unmöglich. Bloss fünf Prozent der Produktionskosten kann die öffentlich-rechtliche Anstalt SRG während der Tour de Suisse durch Werbung und Sponsoring wieder einnehmen.

Wie viel Geld die SRG für die Produktion und Übertragung der Tour de Suisse ausgibt, ist nicht zu erfahren. «Zu einzelnen Produktionen geben wir keine Zahlen bekannt. Aber natürlich ist die Tour de Suisse ein aufwendiger Posten im Budget», erklärt SRG-Sportchef Roland Mägerle. So viel kann er sagen: «Für den Erwerb von Sportrechten wenden wir jährlich 48 Millionen Franken auf. In den vergangenen Jahren sind diese Ausgaben gesunken. Wir sind durch Gebühren finanziert und gehen haushälterisch mit unseren Mitteln um.»

Keine Chance gegen die Lauberhornabfahrt

Ein Velorennen zu übertragen, ist teuer. Die Infrastruktur im Start- und Zielgelände wird täglich neu auf- und abgebaut. Am Zielort hat die SRG zwei Übertragungswagen im Einsatz, um das Weltsignal zu produzieren. Fernsehbilder vom Rennen liefern vier bis sieben fest installierte Kameras im Zielgelände, hinzu kommen zwei Helikop­ter und vier Motorradkameras. Die Bilder der mobilen Motorradkameras und der Helikopter gelangen über ein Flugzeug, das auf rund 8000 Metern unterwegs ist, zum Übertragungswagen am Etappenziel. 65 Mitarbeiter der SRG kümmern sich um die Produktion des Weltsignals, weitere 40 produzieren die TV-, Radio- und Online-Angebote für alle Sprachregionen der Schweiz.

Mit den Zuschauerzahlen und dem Marktanteil ist Mägerle zufrieden. 2016 waren es in der Deutschschweiz auf SRF 2 durchschnittlich 124 000 Personen, die die Tour de Suisse live am Fernseher verfolgten. In den vergangenen beiden Jahren jeweils 79 000. «Das ist um einiges mehr, als andere Sendungen während des Tages haben», sagt Mägerle. Der Marktanteil beträgt jeweils 20 bis 25 Prozent. Auch das ist laut dem Sportchef ein starker Wert. In der Romandie schauten 2018 im Durchschnitt 19 000 Personen zu, im Tessin 7000. Aber beispielsweise gegen die Lauberhornabfahrt hat die Tour de Suisse keine Chance: 2018 führten sich 914 000 Deutschschweizer die Abfahrt in Wengen auf dem SRF-Sender zu Gemüte.

Doch Mägerle sagt: «Der Radsport ist in der Schweiz wieder im Aufschwung und beim Fernsehpublikum beliebt. Das zeigte schon der Zuspruch der Zuschauer während der Tour de Romandie in diesem Jahr. Auch die Mountainbike­rennen, die wir seit dieser Saison übertragen, haben einen sehr ­ansehnlichen Marktanteil. Diese Entwicklung sei sehr positiv, so Mägerle. «Dazu wollen wir unseren Teil weiter beitragen.» Die Tour de Suisse ist für Mägerle eine Identität stiftende Angelegenheit, ein Kulturgut mit grosser Tradition. «Stadt und Land rücken näher zusammen. Das ist wichtig für die Schweiz. Das hat mit Service public zu tun.» Am meisten Zuschauer gibt es für das Fernsehen, wenn die Schweizer an der Spitze sind. Als Ferdy Kübler und Hugo Koblet auf den Schweizer Strassen unterwegs waren und Sieg an Sieg reihten, gab es noch keine Livebilder. Erst seit 1991 – seit dem 700-Jahr-Jubiläum des Landes – überträgt die SRG die Tour de Suisse live.

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