HUCKEPACK-RUN: Eine nordische (Bier-)Idee?

Die Huckepack- Kategorie ist eine originelle Idee mit nordischen Wurzeln. Doch die neue Kategorie passt in Luzern nicht so recht in den Rahmen des Stadtlaufs.

Roland Eggspühler
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Hatte in Luzern einen schweren Stand: die Premiere der Huckepack-Kategorie. (Bild Pius Amrein)

Hatte in Luzern einen schweren Stand: die Premiere der Huckepack-Kategorie. (Bild Pius Amrein)

Am Luzerner Stadtlauf war die Huckepack-Kategorie erstmals im Programm, die Resonanz hielt sich in einem äusserst überschaubaren Rahmen. Ganz anders ist es im britischen Raum und in Nordeuropa, wo solche Wettkämpfe Tradition haben – seit 1992 gibt es gar Weltmeisterschaften im «wife carrying», also im Ehefrautragen. Diese finden jeweils in Sonkajärvi (Finnland) statt, wobei der Siegerpreis in Form von malzhaltigem Getränk abgegeben wird. Und zwar in exakt jener Menge, die dem Gewicht der mitgetragenen Ehefrau entspricht. Darin drückt sich ziemlich deutlich aus, dass das Ganze eine Bieridee ist, die man sportlich nicht allzu ernst nehmen sollte. Das gilt auch für den «Wettkampf» am Luzerner Stadtlauf: Wenn der für diesen Bericht mit seiner 12-jährigen Tochter mitlaufende Medienschaffende die Teilnehmerzahl um 100 Prozent erhöht, muss man die Berechtigung dieser Kategorie ernsthaft in Frage stellen. Ein spezielles Erlebnis war es trotzdem.

Start ohne Gerangel

Ja, es war unter diesen Umständen ein sehr komisches Gefühl, sich auf der Bahnhofstrasse für den Start bereit zu machen. Dort, wo sich seit meinen Jugendjahren das Epizentrum des Gedränges befindet, teilten sich gerade einmal drei Teams, wovon eines nicht offiziell gemeldet war, die volle Strassenbreite. Ich hätte meinen Passagier problemlos quer zur Laufrichtung schultern können, ohne dass es beim Start zu Komplikationen gekommen wäre. Endlich mal ein Start ohne jegliches Gerangel. Dass ich so etwas an einem Luzerner Stadtlauf erleben darf, hätte ich mir nie und nimmer gedacht.

Sichtkontakt mit Patricia Morceli

Nun, ganz allein waren wir dann aber doch nicht unterwegs. Denn bereits vor der Jesuitenkirche liefen wir auf die Solidaritätslauf-Kategorie auf, die eine Minute zuvor auf die Strecke geschickt worden war. «Schau, das ist Patricia Morceli», rief ich meiner Tochter nach hinten: «Sie läuft im Sommer in Zürich den EM-Marathon.» – «Aber müsste sie nicht etwas schneller sein?», schallte es zurück. Keine Frage, dem ist natürlich so. Aber den Marathon läuft die Zuger Leichtathletin im Gegensatz zum Luzerner Stadtlauf eben ohne Leiter. Von da an plauderte und kicherte es hinten auf meinem Rücken unaufhörlich. Mein Passagier fand es sehr unterhaltsam, ohne jegliche Anstrengung einen nach dem anderen zu überholen, und trieb mich verbal an wie ein Jockey sein Rennpferd. Die Peitsche ersparte mir meine Tochter netterweise, es blieb bei feinen Streicheleinheiten.

Grosser Respekt vor der Solidarität

In den Wettkampfmodus konnte sie mich damit jedoch nicht versetzen. Denn mir gingen andere Gedanken durch den Kopf: Seit es den Solidaritätslauf gibt, sind diese Teilnehmenden für mich die heimlichen Helden des Luzerner Stadtlaufs. Weil sie mit ihrem Start für eine gute Sache Farbe bekennen, ohne zwingend als Läufer geboren zu sein. Und genau diese Solidaritätsläufer in den hinteren Reihen verdienen Jahr für Jahr meinen allergrössten Respekt, weil sie sich für die Sache, die sie mit ihrer Teilnahme unterstützen, sichtbar überwinden müssen.

Aber sie sind aktiv dabei und bewegen – im übertragenen Sinne – weit mehr als ihr Körpergewicht. Sie zu überholen, brachte mich in ein kleines Dilemma. Soll ich nun aus Respekt langsamer laufen oder doch lieber möglichst schnell ins Ziel, um das Gewicht auf dem Rücken nicht unnötig länger rumschleppen zu müssen?

Zu «schräg» für den Stadtlauf

Fazit nach 3:09 Minuten Huckepack: An einem Lauf-Event sollen Plauschkategorien durchaus ihren Platz haben, aber vermutlich ist der Huckepack-Lauf schlicht und einfach zu «schräg» für einen (Breiten-)Sportanlass wie den Luzerner Stadtlauf. Vielleicht könnte man die Huckepack-Idee ja in den Soli­daritätslauf integrieren. Denn wer in diesem Rahmen freiwillig jemanden mitträgt, so, wie es die Zuger Gäste mit den Leitern vorgemacht haben, steigert seine Solidarität für die zu unterstützende Sache zusätzlich.