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Ramon Zenhäusern: «Ich bin eher der Denker»

Der Grösste ist jetzt auch einer der Besten: Ramon Zenhäusern (26) hat sich im vergangenen Winter in der Slalom-Hierarchie an die Spitze hochgearbeitet. Am Sonntag startet er in Levi in die neue Saison.
Interview: David Bernold (SDA)
Ramon Zenhäusern ist seit der Olympia-Silbermedaille von Pyeongchang ein gefragter Mann. (Bild: Sven Thomann/Freshfocus (Pyeongchang, 23. Februar 2018) )

Ramon Zenhäusern ist seit der Olympia-Silbermedaille von Pyeongchang ein gefragter Mann. (Bild: Sven Thomann/Freshfocus (Pyeongchang, 23. Februar 2018) )

Ramon Zenhäusern muss das Gespräch um einige Minuten verschieben. Zum ausgemachten Zeitpunkt ist das vorangehende Interview noch nicht beendet. Der Walliser ist vor dem ersten Weltcup-Slalom des WM-Winters ein gefragter Mann. Der Doppelmeter lässt sich wegen den Terminen abseits der Skipiste nicht aus der Ruhe bringen. Er hat sich mittlerweile an das gestiegene Interesse an seiner Person gewöhnt. Die Verpflichtungen sind die Konsequenz der märchenhaft verlaufenen letzten Saison.

Ramon Zenhäusern, Sie müssen Puzzles lieben.

Früher habe ich das nicht ungern gemacht.

Sie wissen den Grund für die Frage?

Ich denke schon. Ich habe schon oft vom grossen Puzzle gesprochen, das ich jetzt zusammenfügen konnte und das zum Erfolg geführt hat.

Also, was sind die Hauptbestandteile dieses nun vollendeten Puzzles?

Ich selber habe mich vor allem technisch weiterentwickelt und habe in den sechs Jahren im Weltcup Erfahrungen sammeln können. Dazu kommt die perfekte Arbeit unserer Trainer und Betreuer. Einen grossen Anteil hat zudem Frank Trötsches, mit dem ich seit dem Sommer letzten Jahres zusammenarbeite. Dabei hatte ich mich zuvor immer gegen den Einbezug eines Sportpsychologen gewehrt.

Bis Sie all diese Teile beieinander hatten, war Geduld gefragt.

So spät bin ich nun auch wieder nicht an die Spitze vorgestossen. Ich bin als 26-Jähriger im besten Alter und habe schon olympisches Gold und Silber gewonnen. Die Geduld haben sie höchstens in meinem Umfeld ab und zu verloren, weil alle gesehen haben, was eigentlich möglich wäre. Mit meiner Karriere ist es vielleicht nicht ganz so schnell, aber stetig vorwärts gegangen. Teilweise waren da kleinere Schritte, im vergangenen Winter kam dann ein ganz grosser Schritt dazu.

Erfolg bringt Bestätigung, aber auch Genugtuung. Bei Ihnen geht diese Genugtuung wohl über das Normalmass hinaus, zumal ausser Ihrem Vater und Didier Plaschy niemand an den Slalom-Fahrer Ramon Zenhäusern geglaubt hat.

Eine gewisse Genugtuung ist da. Noch wichtiger ist für mich aber die Bestätigung, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Der Erfolg gibt mir zusätzlichen Mut und Ansporn, diesen Weg weiter und noch konsequenter zu verfolgen.

Welcher Moment war für Sie der entscheidende, in dem aus dem Platzfahrer Ramon Zenhäusern ein Podestfahrer wurde?

Das war ganz klar der vierte Rang im Januar in Wengen. Die Platzierung war umso spezieller, weil ich sie bei schwierigsten Bedingungen auf einem total vereisten Hang erreicht hatte. Zuvor hatte ich mir oft eingeredet, bei solch extremen Verhältnissen nicht fahren zu können.

Sie leben nach dem Motto «geht nicht gibt’s nicht». Sie sehen sich auch als Abenteurer, der alles ausprobieren will, wie Sie kürzlich gesagt haben. Das mit dem «Alles» ist gleichwohl etwas übertrieben. Den Speed-Fahrer Ramon Zenhäusern wird es nie geben.

Das stimmt. Speed-Rennen werde ich nie bestreiten. Denn ein kleiner Verschneider kann schlimmste Auswirkungen haben. Das Risiko ist es mir nicht wert. Ich bin halt eher der Denker und der Intellektuelle als der Draufgänger.

Wie Ihre Teamkollegen nennen Sie die Gruppendynamik als einen der Gründe für den Aufschwung der Schweizer Slalom-Fahrer. Trotzdem haben Sie auf die Teilnahme am Trainingslager in Neuseeland verzichtet.

Dafür gibt es verschiedene Gründe. Nach dem erfolgreichen Winter hatte ich viele Verpflichtungen und war deshalb vom Training her etwas in Rückstand geraten. Dazu habe ich mein Wirtschaftsstudium an der Fern-Uni beendet. Die Abschlussarbeit ist geschrieben. Ich muss sie bis Ende November einreichen. Dazu kommt die lange Reiserei, die für mich mit meinen zwei Metern Körperlänge nicht ganz einfach ist.

Sie waren, wie Sie sagen, nach dem letzten Winter ein gefragter Mann. Trotzdem kam es mit der im Online-Handel tätigen Firma «Brack.ch» erst in den letzten Tagen zu einem Vertragsabschluss als persönlicher Sponsor.

Die ohnehin schwierige Suche wurde durch die Zusammenarbeit von Firmen mit Swiss-Ski zusätzlich erschwert. Konkurrenten solcher Unternehmen aus der gleichen Branche kommen als mögliche Partner für uns Athleten nicht in Frage.

Schmidiger und Chable kehren zurück

Reto Schmidiger und Charlotte Chable kehren nach schweren Knieverletzungen am Wochenende in Levi auf die (Weltcup-)Pisten zurück. Schmidiger hatte im vergangenen Dezember bei einem Sturz im ersten Lauf in Val d’Isère einen Kreuzbandriss im Knie erlitten. Der Hergiswiler entschied sich für eine konservative Behandlung, liess sich im Januar nach einer medizinischen Neubeurteilung aber doch operieren.
Schon 22 Monate her ist es seit dem letzten Weltcup-Einsatz von Charlotte Chable. Die Waadtländerin hatte sich im Januar 2017 im Slalom-Training im rechten Knie einen Kreuzbandriss, eine Zerrung des Innenbandes und einen Meniskusschaden zugezogen. Im letzten Winter bestritt die Romande lediglich Europacup- und FIS-Rennen. (sda)

Levi (FIN). Weltcup-Slalom. Männer. Sonntag, 10.15/13.15 (SRF zwei): Daniel Yule, Ramon Zenhäusern, Luca Aerni, Loïc Meillard, Marc Rochat, Reto Schmidiger, Tanguy Nef, Sandro Simonet, Noel von Grünigen.
Frauen. Samstag, 10.15/13.15 (SRF zwei): Wendy Holdener, Michelle Gisin, Aline Danioth, Carole Bissig, Charlotte Chable, Lorina Zelger, Elena Stoffel.

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