Géraldine Ruckstuhl: «Ich bin kein kleines Mädchen mehr»

Die Meldung überrascht, doch der Entscheid ist nachvollziehbar: Die Altbüronerin Géraldine Ruckstuhl (20), beste Siebenkämpferin der Schweiz, und ihr Trainer Rolf Bättig gehen getrennte Wege.

Turi Bucher
Drucken
Teilen
Will näher an die Weltspitze heranrücken: Siebenkämpferin Géraldine Ruckstuhl. (Bild: Marc Schumacher/Freshfocus (Zürich, 30. August 2018))

Will näher an die Weltspitze heranrücken: Siebenkämpferin Géraldine Ruckstuhl. (Bild: Marc Schumacher/Freshfocus (Zürich, 30. August 2018))

Die Mitteilung des Schweizer Leichtathletikverbandes sorgte durchaus für ein wenig Verwunderung. Trainer Rolf Bättig habe sich «aus persönlichen Gründen dazu entschieden, die Zusammenarbeit mit Géraldine Ruckstuhl per Ende Saison zu beenden», stand da zu lesen. Eine Trennung per sofort also.

Aber eines gleich vorweg: Es gab keinen Streit, keine Auseinandersetzung. Unterschiedliche Perspektiven ja. Deshalb kam es zum Abschied zwischen der Spitzen-Siebenkämpferin und ihrem langjährigen Trainer vom STV Altbüron.

Bättig ist nicht in der Lage, denselben Aufwand zu betreiben, den Ruckstuhl leisten möchte, um noch näher an die Siebenkampf-Weltspitze zu kommen. «Dieser Entscheid ist wichtig und richtig für mich», sagt Bättig, «ich habe gemerkt, dass der Aufwand für mich zu gross wird, dass die Anforderungen und Ansprüche immer höher werden.» Diese hätten, so Bättig weiter, Familie und Beruf tangiert. «Es ist der richtige Moment», sagt Bättig, «immerhin haben wir in diesem Jahr nochmals einen Schweizer Rekord realisiert.»

«Es ist Zeit, neue Leute ins Boot zu holen»

Géraldine Ruckstuhl sagt zur Trennung von ihrem Trainer: «Ich bin Rolf Bättig sehr dankbar für seine Arbeit. Er hat mich dorthin gebracht, wo ich jetzt bin.» Ruckstuhl erklärt aber auch: «Ich bin kein kleines Mädchen mehr, befinde mich jetzt in einer anderen Liga. Ich möchte einen Schritt weiterkommen, einen Schritt näher an die Weltspitze. Deshalb ist es an der Zeit, neue Leute ins Boot zu holen, noch professioneller zu arbeiten.» Allerdings hatte Ruckstuhl noch im März dieses Jahres während ihrer Spitzensport-Rekrutenschule in Magglingen gesagt: «Es harmoniert. Ein Trainerwechsel würde für mich erst zum Thema werden, wenn ich nicht weiterkomme, wenn ich wirklich stagniere.»

Als Übergangslösung steht Ruckstuhl, die weiterhin für den STV Altbüron starten wird, das Trainertrio Terry McHugh, Raphaël Monachon und Adrian Rothenbühler zur Seite. Nun sucht Ruckstuhl einen neuen Haupttrainer, einen Koordinator, wie es Bättig war. «Gerne würde ich diesen Trainer schon mit Beginn des neuen Jahres gefunden haben», erzählt Ruckstuhl. «Aber es soll nicht die erstbeste, sondern eine dauerhafte Lösung sein.»

Géraldine Ruckstuhl kann sich ausserdem auch eine Trainerlösung im Ausland vorstellen: «Wenn es passt und die Trainingsbedingungen optimal sind – wieso nicht?»

Ruckstuhl bezeichnet ihre Saison 2018 als ein Jahr, «das nicht einfach war». Die am Meeting in Götzis zugezogene Verletzung im Oberschenkel habe sie zurückgeworfen. Allerdings lieferte sie danach als Siebenkampf-Nachwuchsstar an der EM in Berlin ein starkes Resultat ab, klassierte sich mit 6260 Punkten im 9. Rang. In der Folge sorgte sie am Meeting im französischen Talence sogar noch für einen neuen Schweizer Rekord mit 6391 Punkten. Ruckstuhls grosses Ziel: Die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio. Dannzumal ohne die Inputs von Rolf Bättig.