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«Ich bin nur mit dem Besten zufrieden»

Nach dem 2:2 zum EM-Auftakt gegen Frankreich treffen die Schweizer U19-Juniorinnen am Samstag in Zug auf Spanien. Die 18-jährige Obwaldnerin Rahel Tschopp ist das Herzstück des Teams.
Stephan Santschi
Nein keine Zwillinge: Die Schweizer Internationale Rahel Tschopp und ihr Spiegelbild. (Bild: Roger Grütter (Weggis, 12. Juli 2018)

Nein keine Zwillinge: Die Schweizer Internationale Rahel Tschopp und ihr Spiegelbild. (Bild: Roger Grütter (Weggis, 12. Juli 2018)

Sie haben gelitten, und wie! Gleich mehrfach mussten sich die Schweizerinnen am Mittwoch in der Schlussphase des Spiels gegen Frankreich pflegen lassen, zeitweise standen nur noch neun Spielerinnen des Heimteams auf dem Platz. Die sommerliche Hitze und das Egalisieren des 0:2-Rückstands hatten viel Kraft gekostet, Krampferscheinungen waren die Folge. Auch Rahel Tschopp sass nach 75 Minuten mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Boden, liess sich die strapazierte Muskulatur massieren, ehe sie sich, von Vertretern der medizinischen Abteilung gestützt, auswechseln lassen musste. Das Leiden sollte sich letztlich auszahlen, die U19-Juniorinnen erzwangen gegen den EM-Vorjahresfinalisten ein 2:2-Remis.

Leiden. Mit diesem Gefühl machte Rahel Tschopp schon vor der Heim-EM Bekanntschaft. Die zentrale Mittelfeldspielerin des FC Luzern erlitt Anfangs Saison einen Ermüdungsbruch im Schambein, ignorierte den Schmerz zunächst allerdings. «Ich habe weitergemacht, weil ich mich dem neuen Trainer zeigen wollte», erklärt die 18-jährige Obwaldnerin. Irgendwann ging es dann aber nicht mehr und als die Diagnose feststand, hiess es für Tschopp: Sechs Wochen Krücken, gefolgt von einem kontinuierlichen Aufbau und schier endlosen Fragen im Umfeld, wann sie wieder zurückkomme. «Für mein Herz und meinen Kopf war es schwierig, während den Meisterschaftsspielen auf der Tribüne zu sitzen.» Im März 2018, nach einer halbjährigen Pause, gab sie beim FCL ihr Comeback. «Rahel ist sehr hart mit sich selber», sagt U19-Nationaltrainerin Nora Häuptle und äussert neben Respekt auch Bedenken, wenn sie ergänzt: «Sie kennt keinen Schmerz, für Rahel war es normal, so zu trainieren. Doch Schmerzen während einer langen Zeit sind nie normal.»

Ein Mädchen schafft sich Respekt bei den Jungs

Anfangs Woche strahlte das Schweizer Fernsehen eine Dokumentationsreihe über sechs Toptalente des Schweizer U19-Nationalteams aus. In Folge 5 von «Morgen sind wir Champions» stand Tschopp im Fokus, die Strategin aus Sachseln. Ihre Mutter Barbara erinnert sich an die Kindheit von Rahel, an die Liebe zum Fussball, die früh allgegenwärtig war: «Sie hat immer Puppen bekommen, aber nicht so viel mit ihnen gespielt.»

Rahel bevorzugte es, mit ihren beiden Brüdern und ihrem Vater zu kicken. «Die Möglichkeit dazu bot sich jederzeit», erzählt Rahel Tschopp mit einem Lächeln. Auch später in ihren Vereinen spielte sie mit männlichen Kollegen, sowohl beim FC Sachseln, der keine Mädchen-Abteilung hat, als auch nach ihrem Wechsel in den Nachwuchs des FC Luzern. «Am Anfang haben mir die Buben die Bälle nicht zugespielt und deren Eltern fragten sich, warum ein Mädchen ihnen den Platz wegnimmt.» Schritt für Schritt erarbeitete sie sich aber die Akzeptanz ihrer Mitspieler und profitierte dabei von deren grösseren Athletik. «Die Jungs sind sehr schnell, wenn du den Ball hast, rennen sofort drei auf dich zu.»

Trainer schwärmen von Rahel Tschopp

Zum NLA-Kader des FCL gehört Rahel Tschopp seit zwei Jahren. Lange braucht sie nicht, um sich vom «Küken» zur Schlüsselspielerin im zentralen Mittelfeld zu entwickeln. «Zweikämpfe gewinnen, Bälle verteilen, Spiel verlagern» – das seien ihre Kernkompetenzen, sagt die junge Frau. Ein besonderes Bedürfnis ist es ihr, Ruhe ins Spiel zu bringen. Als Vorbilder nennt sie mit Andrea Pirlo (ex-Juventus Turin) und Andrés Iniesta (ex-Barcelona) zwei Weltklassestrategen. Deren Technik und Übersicht faszinieren sie ebenso wie der bescheidene, zurückhaltende Charakter.

Auch Rahel Tschopp ist ein Mensch, der auf dem Platz das Zentrum liebt, daneben aber nicht in besonderem Masse auf sich aufmerksam machen muss. Um vom Fussball abzuschalten, malt sie, am liebsten Gesichter und Augen, sie schreibt ihre Gedanken in ein Heft oder liest gesellschaftskritische Bücher wie aktuell «Der Meister und Margarita», das auf satirische Weise das Leben in Moskau um das Jahr 1930 beschreibt.

Wer den Blick in die Zukunft und auf das Leben von Rahel Tschopp richtet, der kündet Grosses an. «Sie hat Dinge, die nicht erlernbar sind, ihr stehen alle Türen offen», sagt Glenn Meier, ihr Trainer beim FC Luzern. Und U19-Selektionärin Nora Häuptle hält fest: «Sie ist eine fantastische Fussballerin, eine künftige A-Nationalspielerin.» Für Tschopp selber steht die Freude an dem was sie tut über allem. Sie erwähnt die noch drei Jahre dauernde Ausbildung an der Kantonsschule Alpenquai in Luzern, die mindestens so wichtig sei wie der Sport. Sie gewährt Einblick in ihre Träume, wenn sie über Champions-League-Einsätze mit Lyon sinniert. Und sie lässt ihren unbändigen Ehrgeiz erkennen, wenn sie sagt: «Im Fussball bin ich nur mit dem Besten zufrieden.»

Traum vom EM-Titel trotz Problemen in Vorbereitung

Das beste in diesen Tagen, das wäre eine erfolgreiche Heim-EM. Trotz schwieriger Vorbereitung mit vielen Verletzten und einer ernüchternden Testspielbilanz (neun Niederlagen in elf Partien) liebäugeln die Schweizerinnen mit dem historischen Coup, dem Titel. Der Auftakt am Mittwoch gegen Frankreich war viel versprechend, am Samstag soll in Zug (18.15 Uhr, Herti-Allmend, live auf www.srf.ch) als nächstes Titelverteidiger Spanien aus dem Tritt gebracht werden. Mit Rahel Tschopp im zentralen Mittelfeld – bereit, sich wieder zu verausgaben bis die Muskeln streiken.

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