Hleb Harbuz vom HC Kriens-Luzern: «Ich fahre jeden Tag Traktor, um mich zu schützen»

Der Krienser Handballer Hleb Harbuz und Ivana Ljubas von den Spono Eagles erzählen über die Coronakrise in ihren Ländern.

Stephan Santschi
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In ihren Schweizer Handballklubs zählen sie zu den Leistungsträgern. Hleb Harbuz war bis zum Saisonabbruch die gefährlicheste Angriffswaffe des HC Kriens-Luzern. Der 26-jährige Weissrusse avancierte sogar zum Topskorer der NLA und ist einer von drei Kandidaten für die Wahl des wertvollsten Spielers (MVP). Ivana Ljubas ist bei den Frauen ebenfalls für die MVP-Suche nominiert. Die 34-jährige Kroatin aus Bosnien ist bei den Spono Eagles seit Jahren die Chefin auf dem Platz. Aktuell befinden sich die beiden in ihren Heimatländern und erleben die Coronakrise auf unterschiedliche Art und Weise.

Leistungsträger in ihren Teams: Hleb Harbuz aus Weissrussland und Ivana Ljubas aus Bosnien (unten links).

Leistungsträger in ihren Teams: Hleb Harbuz aus Weissrussland und Ivana Ljubas aus Bosnien (unten links).

Bilder: Alexander Wagner/Pius Amrein 

Als Ivana Ljubas Mitte März nach Bosnien kam, musste sie in Bugojno 14 Tage in Selbstisolation verbringen. «Eine Zeit lang hatten wir Polizeistunde ab 17 Uhr, später ab 20 Uhr», erzählt Ljubas, die in der Ferienwohnung eines mehrteiligen Hauses lebt, wo auch ihre Mutter, ihr Bruder und die Grosseltern wohnen. «Die Ü65-Senioren durften während ein paar Wochen lang gar nicht raus, jetzt haben sie ein Zeitfenster von 8 bis 13 Uhr», erzählt Ljubas und fügt an: «Das gilt auch für die bis 18-Jährigen, das ist schon krass.» Frei bewegen kann sich also nur, wer zwischen 18 und 65 Jahre alt ist.

Ivana Ljubas hat ein Herz für Hunde

Sie sorge sich um die vielen Menschen, die wegen ihrer kleinen Gehälter nicht zwei, drei Monate ohne Arbeit leben könnten. «Persönlich schätze ich diese Zeit mit meiner Familie aber sehr.» Dazu zählen auch ihre beiden Hunde, ein Husky und eine französische Bulldogge. «Dieser Tage bin ich oft unterwegs und füttere auch die vielen wild lebenden Hunde hier», berichtet Ljubas.

Hleb Harbuz ist derzeit zu Hause bei seinen Eltern in der weissrussischen Hauptstadt Minsk. Rund 2000 Kilometer legte er mit dem Auto zurück, überquerte die Grenzen zu Deutschland, Polen und Weissrussland. «Es war knapp. Wäre ich 12 Stunden später unterwegs gewesen, hätte es nicht mehr gereicht, die Grenzen wären zu gewesen», erzählt er und lacht. Harbuz lebt in einem Land, das mit einer eigenwilligen Krisenbewältigung auf sich aufmerksam gemacht hat. «Ich fahre jeden Tag Traktor, um mich gegen das Coronavirus zu schützen», scherzt er.

Rückkehr wohl am 1. Juni

Präsident Alexander Lukaschenko hat bekanntlich gesagt, dass die Arbeit auf dem Land, Saunabesuche und der Genuss von Wodka genügen würden, um nicht krank zu werden. Mittlerweile bieten die Restaurants nur noch Take-away-Service an. Alle anderen Läden seien aber offen, wenn auch mit Zutrittsbeschränkungen. 

Wann er nach Kriens zurückkommt, weiss er nicht. Aktuell hält er sich mit Kraft- und Laufübungen in Form, zudem hat er sein Studium zum Trainer im Leistungssport vorangetrieben. Voraussichtlich am 1. Juni startet der HC Kriens-Luzern in die Vorbereitung der neuen Saison. Ivana Ljubas möchte bereits am Dienstag in die Schweiz zurückkommen, wobei sie auf dem Weg über Slowenien noch Teamkollegin Neli Irman aufgabelt. Ljubas bleibt ein weiteres Jahr bei Spono, der Vertrag von Harbuz dauert bis 2022. Beide brennen darauf, mit ihren Teams wieder sportlich für Schlagzeilen zu sorgen.