«Ich freue mich auf Luzern»

Patricia Morceli (40) startet in Luzern statt in Düsseldorf, über 3,87 statt 42,195 km und als Volks- statt Elite­läuferin. Das hatte die Marathonläuferin so nicht geplant.

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Bestritt 2013 letztmals das Eliterennen am Luzerner Stadtlauf: Patricia Morceli aus Cham. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Bestritt 2013 letztmals das Eliterennen am Luzerner Stadtlauf: Patricia Morceli aus Cham. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Jörg Greb

Alles wäre aufgegleist gewesen: ein konsequenter Aufbau mit langen Einheiten, ein Rennen auf einem schnellen Parcours mit fordernder Konkurrenz sowie das innere Feuer, das die Formulierung eines hohen Ziels rechtfertigte. Den obligaten Frühjahrsmarathon ­wollte Patricia Morceli (40) am 26. April in Düsseldorf laufen. Schnell laufen, in einer Zeit unter 2:35 Stunden, und damit Mass nehmen an der Olympia-Limite für Rio 2016.

Akute Erkältung eingefangen

Dieses Ziel musste die 40-Jährige aus Cham nun begraben. Unangekündigt. Anfang April fing sie in der Schlussphase der intensiven Vorbereitung eine akute Erkältung ein mit den bekannten Symptomen in Hals, Nase, Ohren, Bronchien. Und diese verzog sich nur schleppend. Zehn Tage ohne Marathontraining waren die Folge. «Was nun?», fragte sich die routinierte 40-Jährige zusammen mit ihrem Trainer Fritz Schmocker.

Das Duo entschied sich für die Absage. Die Begründung klingt überzeugend: «Der letzte Monat vor dem Rennen ohne adäquates Training, das macht wenig Sinn.» Usus ist, dass Morceli ihr intensives Training in den letzten beiden Wochen vor dem Rennen reduziert hätte so wie das in Marathonkreisen die Regel ist. Weil sie dies aber gesundheitsbedingt schon vorher hatte tun müssen, ergab sich «einfach keine gescheite Lösung».

Eine Alternativlösung aber in Bezug auf den Marathon ergab sich: der Luzerner Stadtlauf. «Diese ­Chance will ich wahrnehmen», ­sagte sich Patricia Morceli. Ohne Druck, einfach, «um die Wettkampfatmosphäre zu geniessen und dabei zu schauen, wie es geht.» 3,87 statt 42,195 Kilometer, ein Sprint, statt eine ultimative Langstrecke. «Da steckt auch eine gewisse Ironie dahinter», sagt Morceli schmunzelnd und erklärt: «Die Schnelligkeit, die hier verlangt wird, geht mir völlig ab.» Aus diesem Grund hat sie sich gegen das Eliterennen und für den Volkslauf entschieden.

An Schnelligkeit arbeiten

Aus dieser Umstellung ist etwas Richtungsweisendes gewachsen. «Statt Marathonerholung wollen wir in den nächsten Wochen gezielt an der Schnelligkeit arbeiten», sagt Morceli. Dahinter stehen plausible Überlegungen und eine reizvolle Neuausrichtung, welche sie zusammen mit Schmocker gefunden hat. Die Schweizer Einkampfmeisterschaften finden diesen Sommer in Zug, quasi vor der Haustür statt. Diese Konstellation sorgt bei der Chamerin bereits jetzt für Emotionen: «Ich verspüre eine grosse Motivation, mich gut über die 5000 Meter zu präsentieren.»

Weitere kürzere Wettkämpfe, etwa der Lauf um den Lauerzersee, nimmt sie sich für den Formaufbau vor. Illustriert ist damit auch, dass es ihr vorzüglich gelungen ist, sich mit diesem Alternativprogramm ­anzufreunden. «Ich sehe Perspektiven, freue mich auf Luzern, freue mich auf das, was anschliessend folgt», blickt Morceli nach vorne.