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«Ich glaube an die Kraft der Offensive»

Am Samstag (19.00) empfängt der FC Luzern den Servette FC. Genf-Trainer Alain Geiger erwartet starke Luzerner.
Interview: Nicola Berger
Servette-Trainer Alain Geiger: "Der Aufstieg hat mir in der Schweiz meine Glaubwürdigkeit als Trainer zurückgegeben." (Bild Peter Klaunzer/Keystone (Neuenburg, 5. Oktober 2019))

Servette-Trainer Alain Geiger: "Der Aufstieg hat mir in der Schweiz meine Glaubwürdigkeit als Trainer zurückgegeben." (Bild Peter Klaunzer/Keystone (Neuenburg, 5. Oktober 2019))

Sie haben am Dienstag Ihren 59. Geburtstag gefeiert...

Alain Geiger: Ja, und meine Spieler haben mir ein wunderbares Geschenk gemacht mit diesem 3:0-Sieg gegen YB am letzten Wochenende.

Es war der erste Sieg seit Ende August. Ein Befreiungsschlag?

Wir wollen nicht übertreiben. Ja, wir hatten zuletzt etwas Mühe. Aber man darf nicht vergessen, dass wir der Aufsteiger sind. Wir müssen uns erst an die Super League gewöhnen, an den höheren Rhythmus, die besseren Gegenspieler. Das geht nicht von heute auf morgen. Man sollte nicht vergessen, dass in unserem Kader mit Ausnahme von Steve Rouiller und Sébastien Wüthrich in den letzten Jahren niemand regelmässig in der Super League spielte. Ich bin zufrieden mit unserem Fortschritt. Aber die Spiele der Wahrheit kommen in der Rückrunde. Dann müssen wir bereit sein.

Nach dem prächtigen Start mit acht Punkten aus fünf Spielen wirkte es, als würde Servette die Liga im Sturm erobern.

So einfach ist es nicht. Man muss auch die Realitäten sehen: Wir haben ein Super-League-Budget, aber es gehört zu den kleinsten der Liga. Da kann man nicht erwarten, dass wir auf Anhieb in die Top 3 vorstossen. Unser Ziel ist der Ligaerhalt.

In der Challenge League stellte Servette den besten Angriff der Liga, Sie liessen sehr offensiv spielen. Jetzt scheint die Durchschlagskraft zu fehlen. Woran liegt es?

Man muss in der Super League vertikaler spielen, um Tore zu erzielen. Damit tun wir uns schwer, dazu haben wir Probleme mit der Effizienz. Aber ich glaube an die Kraft der Offensive. Da funktioniere ich heute anders als vor 20 Jahren.

Wie kommt das?

Mir fehlte die Erfahrung, der Mut. Heute weiss ich, dass Fussball Unterhaltung ist. Man muss den Zuschauern etwas bieten. Das versuchen wir.

Der Stürmerzuzug Grejohn Kyei hat bisher keinen einzigen Treffer erzielt.

Geduld. Er hat ein ähnliches Profil wie Jean-Pierre Nsamé (der ehemalige Servette-Topskorer und heutige YB-Stürmer, Anm. d. Red.). Ich sage immer, dass es sechs Monate braucht, bis man einen Zuzug aus dem Ausland beurteilen kann.

Wie sehen Sie die Perspektiven des Klubs?

Servette braucht Stabilität. Stabilität und Wachstum. Das Ziel muss es sein, innert fünf Jahren zur nationalen Spitze aufzuschliessen. Man kann hier etwas entwickeln, davon bin ich überzeugt. Die Nachwuchsabteilung ist bereits erstklassig. Und dann gibt es Bereiche, in denen wir uns verbessern müssen. Es kann beispielsweise nicht sein, dass wir uns für den Zustand unseres Rasens schämen müssen. In Bern, Basel oder St.Gallen würde das nie passieren.

Wird Alain Geiger in fünf Jahren noch für Servette arbeiten?

Das glaube ich nicht. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich hoffe es, aber ich bin zu sehr Realist. Als Trainer musst du viele Leute überzeugen: die Spieler, das Management, die Journalisten, die Fans. Es ist schwierig, dies fünf, sechs Jahre lang zu schaffen. Das Wichtigste ist das Vertrauen des Klubs. Momentan habe ich das. Aber das muss nicht auf ewig so bleiben.

Bevor Sie 2018 Servette übernahmen, arbeiteten Sie ein Jahrzehnt lang in Afrika. Was haben Sie aus jener Zeit mitgenommen?

Jemand hat mir in Afrika einmal gesagt: «Ihr Schweizer habt die Uhren, aber wir haben die Zeit.» Und das stimmt. Ich musste lernen, geduldiger zu werden.

Seit Ihrer Rückkehr scheint es nach Wunsch zu laufen: Sie sind mit Servette aufgestiegen. Und im September wurden Sie als «Walliser Fussballer des Jahrhunderts» geehrt.

Die Wahl war das Sahnehäubchen des Jahres, eine schöne Anerkennung für meine Aktivkarriere. Aber der Aufstieg war wichtiger. Er hat mir in der Schweiz meine Glaubwürdigkeit als Trainer zurückgegeben. Ich war ja schon abgeschrieben. Jetzt begegnet man mir wieder mit Respekt. Das tut gut.

Am Samstag spielt Servette in Luzern. Gegen den FCL hat Ihr Team im August 1:0 gewonnen...

...Ja, aber man kann die Spiele überhaupt nicht vergleichen. Ich erwarte einen viel stärkeren Gegner. Der FCL hatte damals Probleme wegen der Belastung durch die Europa League. Das wird unterschätzt. Wir könnten mit unserem Kader in dieser Saison unmöglich europäisch spielen. Da müssten wir das Budget verdoppeln. So ist die Realität. Wir werden am Samstag ein anderes Luzern sehen. Es mangelt dem Team vielleicht an Konstanz, aber nicht an Talent.

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