NLA-Volleyball
Mit Stolz gegen den haushohen Favoriten: Volley Luzern trifft auf Amriswil

Volley Luzern startet am Samstag in Amriswil als krasser Aussenseiter in die Playoff-Viertelfinals. Angreifer Nick Amstutz will Emotionen sehen.

Stephan Santschi
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«Richtig gute Spieler raffen sich auf», sagt Nick Amstutz

«Richtig gute Spieler raffen sich auf», sagt Nick Amstutz

Corinne Glanzmann

Bald ist es ein Jahr her, das Spektakel in Luzern. 450 Zuschauer sorgten am 23. Februar 2020 in der Bahnhofhalle für Gänsehaut-Atmosphäre. Nach fast zwei Stunden Spielzeit landete der Block von Shonari Hepburn im gegnerischen Feld. Es war der Matchball, der Aussenseiter aus Luzern bezwang im Cup-Halbfinal das grosse Amriswil nach 0:2-Satzrückstand mit 3:2. Erstmals überhaupt zog ein Zentralschweizer Männerteam in den Final eines nationalen Wettbewerbs ein.

Und heute? Herrscht an gleicher Stelle Tristesse. Einerseits wegen den Coronamassnahmen, die keine Zuschauer erlauben. Andererseits wegen dem Zustand des Teams. Volley Luzern beendete die NLA-Qualifikation vor einer Woche auf dem achten und letzten Platz. Überdies schied es am vergangenen Montag im Cup-Viertelfinal mit einer 1:3-Niederlage gegen Jona aus, offenbarte in den letzten beiden Sätzen sogar Zerfallserscheinungen.

Luzern ist als Team «nicht gewachsen»

Hepburn hat den Verein wie andere Leistungsträger im Sommer in Richtung zahlungskräftigere Konkurrenz verlassen. Und Alessandro Lodi, der den nach Holland zu seiner Partnerin ziehenden Erfolgscoach Liam Sketcher ersetzt hatte, ist mittlerweile bereits wieder weg. Wenn am Samstag also der Playoff-Viertelfinal (best-of-5) gegen eben jenes Amriswil beginnt, ist in Luzern nichts mehr so wie es vor einem Jahr gewesen ist. «Es ist schwierig», sagt der 27-jährige Mitteangreifer Nick Amstutz. «In dieser Saison konnten wir bisher noch nicht wie erhofft als Team wachsen. All die Niederlagen haben für Frust gesorgt.» Jorge Garcia, der Mitte Januar interimistisch auf Lodi folgte, ortet das zentrale Problem in den Köpfen der Spieler. Er spricht von einer mentalen Mauer, die es einzureissen gelte. Kleine Steine, die im Verlauf einer Partie im Weg liegen, würden sich zu grossen Bergen auftürmen.

Was also kann getan werden, um sich wenigstens mit Anstand aus dem Duell mit dem haushohen Favoriten aus dem Kanton Thurgau zu verabschieden? «Ich hoffe, wir haben den Stolz und die Emotionen, um zu zeigen, dass wir mehr wert sind, dass wir uns bisher unter unserem Preis verkauft haben. Wir sollten im Hier und Jetzt das Bestmögliche aus uns herausholen, als Team zusammenstehen und um jeden Punkt kämpfen», sagt Amstutz und er betont: «Richtig gute Spieler raffen sich nun auf.» So, wie es die Luzerner eben vor einem Jahr taten, als sie scheinbar hoffnungslos im Rückstand liegend noch via Tiebreak den Triumph erzwangen.

Liam Sketcher trainiert nun Schönenwerd

Übrigens: Liam Sketcher, der Luzern damals in den Cupfinal und in die Playoff-Halbfinals führte, ehe die Saison viralbedingt abgebrochen wurde, ist wieder in der Schweiz: Seit Ende 2020 ist er Trainer beim Qualifikationsdritten Schönenwerd, das im Playoff-Viertelfinal auf Jona trifft. Ob der Australier auch mit den Solothurnern für Spektakel sorgen wird?

NLA-Playoff

Viertelfinal (best-of-5). 1. Spiel (Sa 17 Uhr): Amriswil (1. Qualifikation) - Luzern (8.). – Weitere Spieldaten: So, 21. Februar (17 Uhr in Luzern), Mi, 24. Februar (19 Uhr in Amriswil), evtl. Sa, 27. Februar (17 Uhr in Luzern), So 28. Februar (16 Uhr in Amriswil). – Bemerkung: Heimspiele von Luzern auf Youtube, Heimspiele von Amriswil auf swiss-sport.tv.

Weitere Paarungen im Viertelfinal: Chênois Genève (2.) - Traktor Basel (7.). Schönenwerd (3.) - Jona (6.). Lausanne (4.) - Näfels (5.).