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Giulia Steingruber nach dem Kreuzbandriss: «Ich will noch nicht aufhören – nicht so»

Zweieinhalb Monate nach dem Kreuzbandriss gesteht die Gossauer Turnerin Giulia Steingruber, manchmal gezweifelt zu haben, ob sie je zu alter Stärke zurückfinde. Doch der Kampfgeist der 24-Jährigen ist geweckt.
Patricia Loher, Magglingen
Giulia Steingruber steht vor einem langen Weg. (Bild: Urs Lindt/freshfocus)

Giulia Steingruber steht vor einem langen Weg. (Bild: Urs Lindt/freshfocus)

Die erste grosse Aufgabe dieses Jahres hat Giulia Steingruber bewältigt. Die Maturaarbeit ist abgeliefert. Sie trägt den Titel: «Der Weg zu einem neuen Element am Sprung.» Steingruber, die beste Schweizer Kunstturnerin, hat sich mit der Weiterentwicklung des legendären «Tschussowitina» um eine halbe Schraube beschäftigt – seit Anfang Juli aber nur noch am Schreibtisch und in trockener Theorie. Am 7. Juli, an einem Länderkampf in St-Etienne, hat die Gossauerin den grössten Rückschlag ihrer Karriere erlitten. Steingruber zog sich am Boden bei einer Landung einen Kreuzbandriss und einen Anriss des Meniskus im linken Knie zu. Es war ein Schock.

«Zum ersten Mal seit meiner Fussoperation fühlte ich mich in Topform. Dann passiert so etwas», sagt Steingruber. Zehn Tage nach dem Missgeschick wurde sie in Bern operiert. Nach einer Woche im Spital und einer Woche zu Hause war sie wieder in Magglingen. «Ich wollte in den Alltag zurückkehren. Zudem will ich bei meinem Team sein und es unterstützen.»

Schwierige Tage im Spital und an den Krücken

Steingruber ist 24-jährig und «im Turnsport nicht mehr die Jüngste», wie sie zweieinhalb Monate nach dem bitteren Tag von St-Etienne an einer Medienkonferenz in Magglingen sagt. Die schwere Verletzung könnte die Turnerin bis zu einem Jahr ausser Gefecht setzen, was in diesem Sport und in diesem Alter eine halbe Ewigkeit ist. Natürlich habe sie sich Gedanken über die Zukunft gemacht, vor allem die Tage im Spital nach der Operation und die sechs Wochen an Krücken seien schwierig gewesen, sagt sie.

Manchmal gab es in den vergangenen Wochen die Zweifel, ob sie je wieder zu alter Stärke zurückfinde, ob sich die Schinderei tatsächlich lohnt. Doch diese Gedanken hat Steingruber immer wieder bei Seite geschoben. «Ich will noch nicht aufhören – nicht so.»

«Meine Leidenschaft für den Turnsport ist noch viel zu gross, um aufzugeben.»

Zudem verläuft die Rehabilitationsphase nach Plan. Steingruber arbeitet an der Stabilität, stärkt ihren Oberkörper, den Rumpf, die Arme und die Schultern. «Stellen sich die Fortschritte ein, macht das zuversichtlicher», sagt sie. In den nächsten Tagen stehen weitere medizinische Untersuchungen an. Steingruber hofft, sich den Geräten bald wieder nähern zu können. Intensiviert hat die Ostschweizerin nach dem Unfall das Mentaltraining mit einem Sportpsychologen: «Ich darf das Gefühl für den Wettkampf nicht verlieren.» Denn der nächste Fixpunkt ist erst die WM 2019 in Stuttgart, das grosse Ziel sind die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Es wäre für Steingruber die dritte Olympia-Teilnahme.

Wer es im Turnsport so weit bringen will wie Steingruber, braucht das Kämpfergen. Kein Sport ist härter, kein Sport fordert Körper und Geist mehr. Die Karriere der Gossauerin verlief lange gradlinig. Schon mit 14 Jahren verliess sie ihr Elternhaus, um sich in Magglingen ganz ihrem Sport zu widmen. Bald einmal löste die St. Gallerin Ariella Kaeslin als beste Schweizer Turnerin ab. Der Höhepunkt war die historische Olympia-Bronzemedaille am Sprung in Rio de Janeiro 2016. Im olympischen Boden-Final aber verletzte sie sich am rechten Fuss. Hinzu kamen nach der Olympia-Auszeichnung schwere Gedanken. Sie selber bezeichnete die Krise einmal als «Olympia-Blues»: «Ich war am Limit. Körperlich und im Kopf war ich einfach nur müde.» Trotz verletztem Fuss gönnte sie sich eine schon länger geplante siebenwöchige Auszeit in Australien und auf den Fidschi-Inseln, danach liess sich Steingruber operieren. Die Pause dauerte 13 Monate.

Die WM-Medaille hält den Kampfgeist aufrecht

Vor etwas mehr als einem Jahr gab die Gossauerin ihr Comeback. Damals trieben sie die gleichen Gedanken um wie jetzt. Vor den ersten Wettkämpfen sagte sie: «Es gibt keine Garantie, dass ich es nochmals schaffe.» Doch die Turnerin überraschte alle: In Montreal gewann sie als erst zweite Schweizerin eine WM-Medaille, Steingruber sicherte sich Bronze am Sprung. Diese Erfahrung, dieses Wissen, innerhalb von kurzer Zeit und trotz einer langen Pause das Leistungspotenzial wieder abrufen zu können, tragen die Gossauerin nun auch durch die nächsten schwierigen Monate. Die WM-Medaille von damals hilft, den Kampfgeist aufrechtzuerhalten. Ein nächster Stichtag wird im Januar sein, wenn die Sportlerin die ersten sechs Monate hinter sich gebracht hat. «Es ist das Ziel, dass ich dann in der Halle die ersten Sprünge machen kann.»

Gefordert ist Steingruber auch schulisch. Im Februar wird sie auf dem Weg zur Matura die ersten Fächer abschliessen. Der letzte Brocken im Fernstudium folgt im Sommer. Steingruber hofft auf gute Noten – vorerst im Zeugnis, und später auch wieder in den Turnhallen.

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