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Eine Niederlage brachte Tsitsipas zum Umdenken: «Ich lebe jetzt so, wie ich es will»

Stefanos Tsitsipas hat nach einer Niederlage bei den US Open sein Leben umgestellt. Das wirkt sich auch auf sein Spiel aus.
Simon Leser

Kein Tennisspieler verliert gerne. Als Stefanos Tsitsipas vor zwei Monaten an den US Open bereits in der Startrunde die Segel streichen muss, ist er keine Ausnahme. Der junge Grieche beschimpft den französischen Schiedsrichter Damien Dumusois, bezeichnet ihn – und gleich noch alle anderen Franzosen – als Spinner, erhält einen Punkteabzug. Der ganze Frust der Sommersaison entlädt sich in voller Wucht. Die Niederlage in New York ist für den jungen Hoffnungsträger die vierte Startniederlage in fünf Turnieren.

Für Tsitsipas, der 2019 zuvor sowohl gegen Roger Federer an den Australian Open als auch gegen Rafael Nadal in Madrid gewonnen hatte, eine ungewöhnliche wie inakzeptable Negativserie. Die Pleite und der Ausbruch gegenüber dem Schiedsrichter haben jedoch heilende Wirkung. Sie stoppen die Serie und bringen einen Tsitsipas hervor, der sich erst 21-jährig bereits neu erfindet.

Als er in Basel vor dem Start der Swiss Indoors Auskunft gibt, wirkt er gelöst und gewährt einen Einblick in sein Innenleben, wie dies kaum ein anderer Tennisspieler tut: «Die Erstrundenniederlage in New York war wahrscheinlich das Beste, das mir je widerfahren ist.» Tsitsipas nimmt in seinem Team zwar keine Änderungen vor, ändert aber seine Einstellung grundlegend: «Ich lebe jetzt so, wie ich es will und nicht wie es andere gerne hätten», erklärt er. Das bedeutet: weniger Tennis, mehr Leben.

«Ich hatte Selbstzweifel. Ich dachte, ich sei als Person nicht interessant und wollte jemand anders sein.»

Tsitsipas gehört auf der Tour zu den jungen Wilden, die einst das Tennis prägen sollen. Der Grieche ist mit seiner sympathischen Art, seiner spektakulären Spielweise und seinem Erscheinungsbild als lässiger Surfer Boy mit Hippie-Aura geradezu prädestiniert dazu. Lange Zeit geht es für ihn auch nur in eine Richtung: nach oben. 2016 wird er Profi, drei Jahre später befindet er sich bereits in den Top 10.

Es ist eine scheinbar beispiellose Erfolgsgeschichte, die auch 2019 mehrheitlich ihre Fortsetzung findet. Doch der Triumphzug im Schnelldurchlauf hat auch seinen Preis. Tsitsipas ist streng mit sich, trainiert hart, verzichtet auf viel. «Die Ernsthaftigkeit und Kälte, die ich mir gegenüber früher an den Tag legte, waren rückblickend nicht nötig. Ich habe mich viel zu sehr gepusht, hatte fast so etwas wie ein Burnout, sagt er.

«Ich habe mich viel zu sehr gepusht, hatte fast so etwas wie ein Burnout.»

Seine Probleme kumulieren sich in diesem Sommer. Erstmals wirken sich seine Gefühle auch augenscheinlich auf seine Leistungen auf dem Tennisplatz aus. «Ich hatte Selbstzweifel. Ich dachte, ich sei als Person nicht interessant und wollte jemand anders sein.» Er erkennt die Warnsignale, findet wieder Bedeutung. In Basel sagt er: «Es ist fantastisch, sich selbst zu sein.»

Ohne Social Media ist Tsitsipas viel sozialer

Als Folge seiner Lebenskrise krempelt Tsitsipas auch sein Verhalten in den sozialen Medien um. Er löscht die Apps auf seinem Handy und delegiert die zeitintensiven Social-Media-Aufgaben an seinen Agenten. «Früher war ich alle 30 Minuten auf Instagram. Diese Routine machte mich verrückt», erklärt er. Jetzt fühlt Tsitsipas sich «weniger gestresst und viel sozialer», auch weil er mehr «Quality-Time» mit Freunden verbringt.

Für die Fans ist seine Loslösung von Social Media nicht sichtbar. Alleine in diesem Monat veröffentlichte der Grieche bisher zwölf Beiträge auf Instagram. Der feine, aber für ihn bedeutende Unterschied: Alles läuft jetzt über seinen Agenten. Tsitsipas gibt nur noch sein ok und schreibt den Kommentar unter das Bild bei Bedarf selbst. Die neue Lebenseinstellung bringt ihm nach dem schwierigen Sommer auch wieder den Erfolg in seinem Kerngeschäft zurück – dem Tennisspielen. Zwar verliert er auch sein nächstes Erstrundenspiel nach den US Open, dies allerdings durch eine verletzungsbedingte Aufgabe.

Danach erreicht er in Peking den Final und in Shanghai den Halbfinal, schlägt dabei unter anderem Alexander Zverev und Novak Djokovic. Durch diese Siege qualifiziert er sich bereits vorzeitig für das Saisonfinale der besten Acht des Jahres in London. In Basel spielt er ohne Druck auf. «Ich fühle mich derzeit im besten Zustand meines Lebens», sagt er mit einem Lächeln. Und da bei Tsitsipas Gefühl und Tennisspiel stark voneinander abhängen, ist das fast schon als Drohung zu verstehen.

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