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Das sagt Afrika-Experte Otto Pfister über die bisherigen Fussball-WM-Auftritte der afrikanischen Teams

Otto Pfister ist der absolute Experte, was Fussball in Afrika betrifft. Der 80-Jährige beurteilt den bisherigen Auftritt der fünf afrikanischen Team an der WM.
Interview: Turi Bucher
Das ist auch schon zehn Jahre her: Otto Pfister ballt als Coach von Kamerun nach dem Finaleinzug am Afrika-Cup die Fäuste. (Bild: Alastair Grant/Keystone (Accra, 7. Februar 2008))

Das ist auch schon zehn Jahre her: Otto Pfister ballt als Coach von Kamerun nach dem Finaleinzug am Afrika-Cup die Fäuste. (Bild: Alastair Grant/Keystone (Accra, 7. Februar 2008))

Der in der Ostschweiz wohnhafte Kölner Otto Pfister (80) war in Afrika Nationaltrainer von Senegal, Ghana, Kamerun, Elfenbeinküste, Togo, Burkina Faso (Ober­volta), Demokratischer Republik Kongo (Zaire) und Ruanda. Im ­afrikanischen Clubfussball coachte er Teams aus Ägypten, Tunesien und aus dem Sudan. Aktuell ist Pfister Nationaltrainer von Afghanistan.

Otto Pfister, der Weltmeister kommt auch diesmal nicht aus Afrika, oder?

Da brauchen wir nicht lange drumherum zu diskutieren: Da haben Sie absolut recht.

Fangen wir also mit dem Positiven an – Senegal.

Senegal hat sich als Underdog gegen Polen sehr gut verkauft. Senegal profitiert davon, dass das Team schon seit einiger Zeit in dieser Formation spielt und dass zahlreiche Spieler in europäischen Topligen Stammkräfte sind. Das sind Profis, die es sofort ausnutzen können, wenn der Gegner, hier Polen, schläft. Ich war selber drei Jahre lang Senegal-Trainer und weiss: In Dakar herrscht jetzt die totale Euphorie, die träumen da vom Viertelfinal, wie es 2002 der Fall war.

Muss Ägypten dafür als die grosse afrikanische Enttäuschung bezeichnet werden?

Ich vermute, bei den Ägyptern war zu viel auf Mohamed Salah fixiert. In letzter Konsequenz ist Fussball halt ein Mannschaftssport.

Was sagen Sie zum Rest – Nigeria, Tunesien und das bereits ausgeschiedene Marokko?

Die Nigerianer haben mich beim 0:2-Spiel gegen Kroatien enttäuscht. Tunesien hat England neutralisiert, aber es fehlt wie bei den Marokkanern an der ­Abschlussqualität. Wissen Sie, wie ich das nenne? Sterile Do­minanz.

Apropos Marokko: Wird es je wieder eine WM auf dem afrikanischen Kontinent geben?

Das ist schlicht eine Frage des Geldes. Wer die meisten Sponsoren bringt, kriegt die WM. Was die Infrastruktur betrifft, traue ich Tunesien, Ägypten, Algerien oder Marokko durchaus eine WM zu. Und natürlich Südafrika. Aber die hatten ihre WM ja schon. Nehmen Sie beispielsweise die Kameruner. Die haben schon an sieben Weltmeisterschaften teilgenommen, haben daheim aber nur ein einziges taugliches Stadion.

Die afrikanischen Fussballer spielen an der WM disziplinierter als auch schon, aber es gibt nicht mehr so viele Topstars wie früher.

Das hat folgenden Grund: Die Spieler verlassen ganz jung Afrika und werden in irgend eine Fussball-Akademie gesteckt. Dort werden sie gedrillt, dort geht es zu und her wie auf einer ­Hühnerfarm. Aber dort verlieren viele dieser Talente eben auch ihre Identität, ihre Eigenart, ihre Natürlichkeit. Frühere Stars wie Eto’o, wie Drogba oder wie Yeboah haben als Stras­senfussballer angefangen und sich eine Weile in der heimatlichen Landesliga hocharbeiten müssen.

Welchen afrikanischen Fussballer bewundern Sie am meisten?

Ich nenne zwei Stürmer: Zuerst den ehemaligen kamerunischen Superstar Samuel Eto’o, der bei mir im Nationalteam gespielt hat. Und dann den Algerier Rachid Mekh­loufi, der Anfang der 60er-Jahre sogar für Servette gespielt hat.

Zu Afrika gehört wie gewohnt auch das Stichwort «Korruption». Haben Sie aus Ihren Jahren als Nationaltrainer in Afrika ein Müsterchen bereit?

Klar. Ich war Nationalcoach von Kamerun, und es war vor einem WM-Qualifikationsspiel. Zwei Stunden bevor ich die Spielerliste der Fifa abgeben musste, bekam ich einen Anruf ins Hotelzimmer. Der Anruf kam aus London. Man sagte mir, wenn ich drei Spieler aus der Liste rausnehmen würde und dafür je einen kamerunischen Spieler aus der russischen, serbischen und österreichischen Liga reinnehme, würde sich das sicherlich nicht zu meinem Schaden auswirken. Nicht zu meinem Schaden! Schön formuliert war das ja, aber ich habe den Telefonhörer sofort auf­gelegt.

Welche drei Eigenschaften muss ein Trainer vorweisen können, wenn er in Afrika Nationalcoach werden will?

Zuerst würde ich natürlich die fachliche Kompetenz anführen. In Afrika braucht es ausserdem den Respekt gegenüber einer anderen Mentalität, einer anderen Kultur und Religion. Und: Es braucht eine gehörige Portion Kompromissbereitschaft. Wenn der Trainer diese nicht mit ins Land bringt, dann prophezeie ich ihm, dass es nach drei Tagen schon wieder in Richtung Flughafen geht.

Also: Wenn nicht Senegal, wer wird dann Weltmeister?

Ich tippe trotz des Unentschiedens im Startspiel weiterhin auf Brasilien.

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