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Steffi Graf über ihren Überraschungssieg in Paris von 1987: «Es wurde mir erst später klar, was ich da erreicht hatte»

Steffi Graf ist neben Serena Williams die erfolgreichste Tennisspielerin der modernen Ära. Die Deutsche über ihren Erfolg gegen Martina Navratilova als 17-Jährige und die besondere Atmosphäre in Paris
Interview: Jörg Allmeroth, Paris
Paris war der Anfang und das Ende von Steffi Grafs Grand-Slam-Erfolgen. (Bild: PD)

Paris war der Anfang und das Ende von Steffi Grafs Grand-Slam-Erfolgen. (Bild: PD)

Steffi Graf gewann 22 Grand Slam-Titel, den letzten davon 1999 an den French Open. In diesem Jahr ist die 48-jährige Deutsche als Botschafterin des internationalen Jugendturniers «Longines Future Tennis Aces» nach Paris zurückgekehrt – gemeinsam mit Ehemann Andre Agassi.

Steffi Graf, zurück in Paris, zur Turnierzeit der French Open. Wie erinnern Sie sich an Ihren letzten dramatischen Roland-Garros-Sieg, 1999 gegen Martina Hingis?

Es war ein unglaublicher Moment, ein verrückter Sieg. Weil ich nicht damit gerechnet habe, und weil ich in diesem Final auch schon weit zurücklag. Dieser Titel ist einer der schönsten in meiner Karriere gewesen.

In Paris gewannen Sie auch ihren ersten Grand-Slam-Pokal, mit 17 Jahren gegen die grosse Martina Navratilova.

Ja, Paris war in gewisser Weise der Anfang und das Ende der Grand-Slam-Erfolge. Gegen Martina diesen Titel zu holen, war schon sehr speziell und aufregend. Mit 17 Jahren kann man selbst noch gar nicht genau einschätzen, was das wirklich bedeutet – eins dieser Major-Turniere zu gewinnen. Es wurde mir erst später klar, was ich da erreicht hatte.

Paris gilt als schwerstes aller Grand-Slam-Turniere. Sie haben sechs Mal gewonnen, am Ende auch mit der Unterstützung des nicht immer einfachen Publikums.

Bei diesem letzten Sieg haben mich die Pariser eigentlich zum Sieg getragen, die Atmosphäre war unbeschreiblich. Das Turnier ist schon eine grosse Strapaze, man muss mental und physisch einen wirklich harten Weg gehen.

Die Spielerinnen verfügen heute allerdings über ganz andere Möglichkeiten, um ihre beste Leistung zu bringen. Viele sind mit ganzem Trainerstab unterwegs.

Tennis hat sich in den vergangenen zehn Jahren noch einmal ganz stark professionalisiert. Die Spielerinnen sind noch besser ausgebildet, sie sind top austrainiert, haben oft gleich mehrere Coaches. Hinzu kommt das moderne Schlägermaterial, es unterstützt dieses deutlich athletischer gewordene Spiel.

Ist es heute schwerer geworden, eine Karriere im Tennis zu entwickeln, einen Platz in der Weltspitze anzupeilen?

Das Niveau ist schon sehr, sehr hoch geworden. Und es gibt einfach mehr wirklich gute Kinder, die diesen Weg gehen wollen. Wenn man sieht, wie schon Zwölfjährige heute körperlich ausgebildet sind, mit welcher Athletik sie spielen, dann kann man ermessen, wie hart es ist, einmal in die Spitze zu kommen.

Serena Williams, im vergangenen Jahr Mutter geworden, versucht sich an einem Comeback. Was trauen Sie ihr zu?

Serena hat in den vergangenen Jahren Grossartiges gezeigt. Sie hat den Ehrgeiz und den Willen, um auch jetzt Aussergewöhnliches zu erreichen. Natürlich hängt vieles davon ab, ob sie verletzungsfrei bleibt und nicht weitere Rückschläge hinnehmen muss.

Ihre Landsfrau Angelique Kerber, die ehemalige Weltranglisten-Erste und zweimalige Grand-Slam-Gewinnerin, scheint ihre Krise des Vorjahres weggesteckt zu haben.

Das sieht wirklich so aus. Sie hat wieder den Glauben an sich selbst gefunden, spielt mit Selbstbewusstsein und Sicherheit. Mir imponiert ihre Willenskraft und Leidenschaft.

Wie viel bekommen Sie vom grossen Tennis eigentlich noch mit?

Ich bin schon informiert, aber ich bin nicht jeden Tag vor dem Fernseher, um Tennispartien zu schauen.

Und wie viel Tennis spielen Sie noch selbst?

Das ist sehr selten geworden. Ich glaube, ich habe genug Tennis gespielt in meinem Leben. Wenn ich einmal spiele, dann meist gemeinsam mit Andre für seine Stiftung.

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