Handball
LKZ-Spielerin Svenja Spieler bekommt mehr Verantwortung: «Ich tue auf dem Platz Dinge, die ich mich vorher nicht traute»

Der LK Zug tritt am Freitagabend zum zweiten Playoff-Final gegen den LC Brühl an. Es darf wieder ein Krimi erwartet werden.

Stephan Santschi
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Svenja Spieler (links) im Zweikampf mit Kinga Gutkowska.

Svenja Spieler (links) im Zweikampf mit Kinga Gutkowska.

Bild: Alexander Wagner (Winterthur, 18. Mai 2021)

«Spannend ja, aber bitte nicht mehr so knapp.» Zugs Aufbauerin Svenja Spieler wünscht sich in der zweiten Partie der Best-of-5-Finalserie gegen Brühl (heute 20.30 Uhr, live SRF info) wieder ein umstrittenes Duell, wieder einen Sieg für ihr Team, aber so dramatisch wie am Dienstag müsse es nicht mehr werden. Mit 30:29 gewann Zug nach Verlängerung, die Partie stand während 70 Minuten auf Messers Schneide, hätte auf beide Seiten kippen können. Dass der LKZ das bessere Ende für sich beanspruchen durfte, hatte dabei einiges mit Svenja Spieler zu tun. Die 20-Jährige aus Hünenberg, die in ihrer ersten SPL1-Saison als Ergänzungsspielerin im Kader figuriert, erhielt viel Einsatzzeit. «Das kam relativ unverhofft, zumal es nicht auf meiner Position war.»

Normalerweise kommt die Rechtshänderin als Back-up für Regisseurin Leah Stutz auf den Platz, diesmal aber wurde sie im rechten Aufbau gebraucht. «Wir spielten uns in einen Flow und haben uns als Team aufgefangen», erzählt die 1,76 Meter grosse Allrounderin mit Blick auf den 22:25-Rückstand fünf Minuten vor dem Ablauf der regulären Spielzeit. Dass sie es war, die mit dem Ausgleich zum 25:25 die Verlängerung erzwang, habe sie zunächst gar nicht wahrgenommen.

«Es ging so schnell, ich wusste einfach, dieser Ball muss rein. Erst mit dem Sirenenton realisierte ich die Wichtigkeit dieses Tors.»

Liebenswertes Geschenk mit grosser Wirkung

Zum Schluss hatte Svenja Spieler vier Tore erzielt und leistete auch in der Abwehr ihren Beitrag zum Erfolg. Erst zweimal hatte sie davor im SPL1-Team viel Verantwortung übernommen – im Cup-Halbfinal bei Brühl und im Januar im Meisterschaftsspiel gegen Kreuzlingen. An Letzteres sind emotionale Erinnerungen geknüpft. «Ich war sehr nervös, weil ich wusste, dass Leah nicht spielen würde». Ihr Freund überraschte sie mit einem liebenswerten Geschenk, einem Dress von Stine Bredal Oftedal und den Worten: «Spiel heute so, wie sie es auch tut.» Die norwegische Weltklasseakteurin ist das Vorbild von Spieler und derart inspiriert gelang ihr gegen Kreuzlingen ein formidabler Auftritt. «Seither ist dieses Dress mein Glücksbringer, ich habe es immer dabei, auch am Freitag gegen Brühl. Dann muss es einfach gut kommen», erzählt die Tochter von Irene Spieler, die ebenfalls beim LKZ spielte und heute die Geschäftsstelle leitet.

Neben moralischer Unterstützung aus ihrem Umfeld und den Teamtrainings mit Zug profitiert Svenja Spieler von den Zusatzeinheiten im Leistungszentrum OYM in Cham. Athletik, Handballtechnik, Prävention – die Förderung ist mannigfaltig und sorgt für grosse Fortschritte in ihrem Spiel. «Ich tue auf dem Platz Dinge, die ich mich vorher nicht traute. Und Fehler, nach denen man mich früher nicht mehr brauchen konnte, weil ich zu verbissen war, hake ich nun ab und mache weiter.» Tönt generell nach einem guten Erfolgsrezept, um Meister zu werden.

Frauen, SPL1. Final (best of 5). 2. Spiel: Zug – Brühl (Fr, 20.30 Uhr, SRF info); Stand: 1:0.