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«Ihr werdet nie mehr die Gleichen sein»

Frankreich feiert den WM-Titel teils bis zum Exzess. Präsident Emmanuel Macron versucht, die Euphorie auf die Banlieue-Integration zu leiten. Doch der WM-Effekt dürfte begrenzt sein.
Stefan Brändle, Paris
Zurück auf französischem Boden: Torhüter Hugo Lloris präsentierte am Flughafen Charles de Gaulle in Paris den WM-Pokal. (Bild: Bob Edme/AP)

Zurück auf französischem Boden: Torhüter Hugo Lloris präsentierte am Flughafen Charles de Gaulle in Paris den WM-Pokal. (Bild: Bob Edme/AP)

«Wir kommen alle ins Paradies», verkündet die Zeitung «Le Parisien» im Überschwang der Gefühle. «Und die Blauen haben uns die Türe dazu geöffnet.» Sei es im Menschenmeer auf den Pariser Champs-Elysées oder im hintersten Dorfwinkel – landesweit schäumten am Sonntagabend die Emotionen hoch.

Präsident Emmanuel Macron wagte sich nicht nur in die Spielerkabine des Luschniki-Stadions, sondern schaffte es sogar, sich im allgemeinen Tohuwabohu Gehör zu verschaffen. «Ihr habt die Hoffnungen der Franzosen getragen», schrie er den Blauen zu. «Während eures Lebens werdet ihr nie mehr die Gleichen sein!», rief er weiter. Dann skandierten die Profis, die vorwiegend noch mit ihren Tätowierungen bekleidet waren, aus vollem Hals: «On va tout casser!» – «Wir werden alles zusammenschlagen!»

Diesen Ausdruck französischen Temperaments verstanden zu Hause nicht alle richtig: In vielen Städten von Marseille bis Strassburg kam es am Rande der Jubelfeiern zu Krawallen. An den Champs-Élysées wurde das bekannte Geschäft Drugstore geplündert und seiner teuren Wein- und Champagnerflaschen beraubt. Die Polizei setzte vielenorts Wasserwerfer und Tränengas ein, um der teils Vermummten Herr zu werden.

Sie waren aber eine winzige Minderheit, gemessen an den Hunderttausenden, die auch am Montag auf die Pariser Prachtavenue strömten – diesmal, um den Vorbeizug im offenen Bus der aus Moskau zurückgekehrten Bleus zu verfolgen. Die Pariser Metrobetriebe hatten die amüsante Idee, sechs U-Bahn-Stationen umzutaufen, sodass aus «Notre-Dame-des-Champs» nun für einige Zeit «Didier Des­champs» wird. «Etoile» in «On a 2 Etoiles» – «wir haben zwei Sterne» am Trikot, also zwei WM-Titel.

1998 verpuffte die Energie schnell

Dann hatten Frankreichs neue Helden einen Termin im Élysée. Macron beweist nicht nur Sinn für mediale Inszenierungen, sondern auch für nationale Symbole. Am Montagabend lud er neben den Bleus rund 4000 Fussballspieler und Fans aus den Ursprungsvereinen heutiger Profispieler in den Garten des Élysée-Palastes ein. Denn Kylian Mbappé, Blaise Matuidi, Ngolo Kanté oder Paul Pogba stammen aus den Pariser Vorstädten Bondy, Roissy-en-Brie, Vincennes oder Suresnes.

Ob die Fussball-WM einen neuen Integrationsschub bewirkt, wird vielenorts bezweifelt: Die Jubelstimmung kann nicht ewig anhalten, und Macrons Symbole wirken oft etwas aufgesetzt. Auch erinnert man sich an Frankreichs Weltmeistertitel von 1998: Damals wurde Zinédine Zidanes Elf nicht nur in rot-weissblauen Farben gefeiert, sondern als «black-blanc-beur» (schwarz-weiss-maghrebinisch) – doch die Langzeitfolgen blieben aus. «Erwarten wir nicht, dass der WM-Erfolg die Gesellschaft verändern wird», meint der Historiker Pap Ndiaye. So habe sich der Exploit der Zidane-Elf vor zwanzig Jahren rasch einmal als Illusion erwiesen, meinte Ndiaye. Ab 2002 seien die Wahlerfolge des Rechtsextremisten Jean-Marie Le Pen gefolgt, 2005 die schweren Banlieue-Krawalle.

Neue Dynamik erhofft sich Macron auch für seine Wirtschaftsreformen. Sein Slogan «Frankreich ist zurück» erhält dadurch neue Nahrung, und Wirtschaftsminister Bruno Le Maire meinte, der WM-Sieg sei «gut für das Wachstum».

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