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Im Schweizer Gold-Team haben sich zwei Alphatiere gefunden

Der Skip ist in der Regel der Chef seines Teams. Er bestimmt auf dem Eis die Strategie. Die Schweizer Weltmeisterinnen beweisen, dass man auch mit zwei Führungsspielerinnen maximal erfolgreich sein kann.
Rainer Sommerhalder
Zusammen Weltmeisterinnen: Silvana Tirinzoni (links) und Alina Pätz. (Bild: Celine Stucki/Freshfocus (Silkeborg, 24. März 2019))

Zusammen Weltmeisterinnen: Silvana Tirinzoni (links) und Alina Pätz. (Bild: Celine Stucki/Freshfocus (Silkeborg, 24. März 2019))

Kann das gutgehen? Diese Frage haben sich die frischgekürten Weltmeisterinnen Silvana Tirinzoni und Alina Pätz im letzten Frühling auch gestellt. Damals trafen sich die beiden langjährigen Kontrahentinnen zum ersten Mal zu einem intensiven Sondierungsgespräch über eine gemeinsame Zukunft. Die 39-jährige Tirinzoni, seit Jahren Skip beim CC Aarau, und die zehn Jahre jüngere Pätz, als Skip bereits einmal Weltmeisterin mit Baden Regio.

Doch anstatt ein Gerangel um die nominelle Führungsposition im neu formierten Team, herrschte von Beginn weg grosse Harmonie. Der Lohn dafür: EM-Silber im Herbst und WM-Gold am Sonntag.

Die geteilte Verantwortung einfach angenommen

Teammitglied Esther Neuenschwander ist seit 2003 Weggefährtin von Tirinzoni. Sie hat alle Höhen und Tiefen des lange als mental schwach angesehenen Skips miterlebt. Zur veränderten Chemie im Team sagt sie: «Der Prozess schien im Vorfeld eine grosse Herausforderung, ist in der Praxis aber unspektakulär einfach verlaufen.»

Ein Grund für diese für alle Beteiligten viel schneller als ­erwartet verlaufene Integration war, dass die beiden Alphatiere Tirinzoni und Pätz – anstatt Ansprüche zu stellen – bereit waren, einen Schritt zurückzugehen. «In unserem Gespräch haben Alina und ich dem Gegenüber anerboten, die Rolle als Skip zu übernehmen», verrät Tirinzoni. Daraus geworden ist schliesslich die Aufteilung der Verantwortung.

Silvana Tirinzoni ist Skip und bestimmt die Strategie, Alina Pätz spielt die letzten zwei Steine. Es ist das erste Mal überhaupt in der Karriere, dass Tirinzoni diese Verantwortung abgibt. «Es ist Teil unseres Erfolgsgeheimnisses, dass wir beide Verantwortung abgeben wollten», sagt sie. «Der Job als Skip kann auch eine extreme Belastung sein.»

Für Tirinzoni war die Frage nach der Harmonie die grosse Unbekannte: «Passen Alina und ich überhaupt zusammen?» Sie seien beide sehr ehrgeizig, aber eben auch sehr teamorientiert. Und die Stimmung im Team sei von Beginn weg ansteckend ­gewesen. «Mir fehlte nach den Olympischen Spielen ein wenig die Motivation. Aber das war schnell vorbei, als wir im Juni wieder zu trainieren begannen. Die Energie der Mitspielerinnen hat mich sofort angesteckt.»

Das Training wurde punkto Umfang und Intensität noch einmal gesteigert. «Es war auch eine Genugtuung, zu sehen, dass sich im WM-Final die beiden fittesten Equipen gegenüberstanden», sagt Tirinzoni und weist darauf hin, dass 15 Spiele an acht Tagen ein grenzwertiges Pensum seien. Auch Alina Pätz bestätigt, dass das Zusammenwachsen sehr einfach vonstattenging. Die Zürcherin aus dem Limmattal sieht drei Faktoren, die dafür verantwortlich sind: Dasselbe Ziel anzustreben. Den Willen, dafür den gleich grossen Aufwand zu betreiben. Und eine ehrliche, offene Kommunikation im Team.

WM-Titel ist nicht mehr als ein Zwischenhalt

Das grosse Ziel des Teams ist eine Medaille an Olympia 2022 in Peking. WM-Gold ist auf diesem Weg nicht mehr als ein Zwischenhalt. Und für Tirinzoni persönlich «eine Befreiung, denn ich wurde als Spielerin angesehen, die ­entscheidende Partien nicht gewinnt». Das hat die Bankangestellte im WM-Final definitiv ­widerlegt. Sie sagt: «Ich glaube nicht, dass wir unser Potenzial bereits ausgeschöpft haben.»

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