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Schwinger stauben immer mehr ab – aber noch gibt es keinen «Sägemehl-Millionär»

Das Werbegeld fliesst. 2018 wurden 2,277 Millionen Franken in die persönliche Werbung für Schwinger investiert – Rekord. Und die Tendenz ist weiter steigend.
Klaus Zaugg
Der zurückgetretene Matthias Sempach (hinten, hier im Kampf mit Kilian Wenger) war letztes Jahr der Schwinger mit den höchsten Werbeeinnahmen. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone (Plaffeien, 18. Juni 2017))

Der zurückgetretene Matthias Sempach (hinten, hier im Kampf mit Kilian Wenger) war letztes Jahr der Schwinger mit den höchsten Werbeeinnahmen. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone (Plaffeien, 18. Juni 2017))

Schwingen ist der einzige Sport mit exakten Zahlen zur Werbung. Die Bösen dürfen heute Werbegelder kassieren (was noch im letzten Jahrhundert verboten war). Im Gegenzug liefern sie zehn Prozent ihrer Werbeeinnahmen dem Schwingerverband (ESV) ab. Das Geld wird zweckgebunden in die Nachwuchsausbildung investiert.

Diese «Reichtumssteuer» hat der damalige Obmann Ernst Schläpfer im Jahre 2011 eingeführt. Im Herbst nimmt Verbandsgeschäftsführer Rolf Gasser jeweils Einblick in sämtliche Werbeverträge und schreibt jedem die entsprechende Steuerrechnung. Aus diesen Steuereinnahmen lässt sich ganz offiziell die Gesamtsumme der an die Schwinger ausbezahlten Werbe-Gelder errechnen. 2018 sind die Investitionen der Werber in die Bösen erneut um 10 Prozent auf 2,277 Millionen gestiegen.

Werbegelder für Schwinger

in Franken (in Millionen)
201120122013201420152016201720180,00,51,01,52,0

Noch kein «Sägemehl-Millionär»

Wie viel Geld verdienen die einzelnen Schwinger mit Werbung? Offizielle individuelle Zahlen gibt es nicht. Alle in den Medien genannten Werbeeinkommen der einzelnen Bösen sind Schätzungen, und die Beteiligten hüten sich, Zahlen zu nennen oder zu bestätigen.

Eine Umfrage ergibt erstaunliche Summen. Das Werbeeinkommen des inzwischen entthronten und in den Ruhestand getretenen Königs und Kilchberg-Siegers Matthias Sempach ist für das Jahr 2018 von Branchenkennern auf rund 700 000 Franken geschätzt worden. Auch Kilian Wenger, der charismatische König von 2010, verdient nach den gleichen Quellen über eine halbe Million Werbefranken. Christian Stucki, dem Schlussgang-Verlierer von 2013, wird ein «königliches Werbeeinkommen» zwischen 300 000 und 500 000 Franken attestiert. Auch der regierende König Matthias Glarner dürfte rund eine halbe Million Werbegelder kassieren. Er gilt in diesem Geschäft der Urchigen bei den Werbern als Intellektueller. Damit ist auch klar: nach wie vor gibt es im Sägemehlring keine Werbe-Millionäre.

Auch zurückgetretene Schwinger müssen zahlen

Hinter den Titanen gibt es eine ganze Reihe von Schwingern – darunter auch der Sörenberger Joel Wicki – die gemäss Kennern fünf- bis knapp sechsstellig mit der Werbung verdienen. Allerdings ist es wie im richtigen Leben: fast alles für die ganz Bösen und nur wenig für die weniger Bösen. Insgesamt teilen sich 2018 exakt 72 Schwinger die 2,277 Millionen Werbeeinnahmen. Aber 80 Prozent davon kassieren die zehn bösesten der Bösen.

Zumindest gibt es eine gewisse Demokratisierung: 2011 teilten sich erst knapp 30 Schwinger das Werbegeld. Inzwischen sind es immerhin 72. «Aber der grösste Teil verdient mit der Werbung bloss einen Zustupf», sagt Verbandsgeschäftsführer Rolf Gasser. Schwinger, die den aktiven Sport aufgeben und weiterhin Werbung machen, sind in den ersten drei Jahren im Ruhestand weiterhin «reichtumssteuerpflichtig». Sie müssen jedoch nur noch fünf Prozent ihrer Werbeeinnahmen an den Verband abliefern.

Die Werbeeinnahmen steigen kontinuierlich. Sie werden 2019 weiter ansteigen. Am 25. August wird in Zug erneut der König gekrönt. Die enorme Publizität des «Eidgenössischen» wird den Werbewert der Bösen weiter befeuern.

So ist Werbung erlaubt

So ist Werbung erlaubt Reglement  In der Schwinger-Arena (im Schwenkbereich der TV-Kameras) darf nach wie vor keine Werbung platziert werden. Hingegen ist es den Bösen heute erlaubt, auf Mann Werbung zu machen. Verboten ist aber Werbung, die anstössig oder sexistisch ist, die die politische Neutralität des Schwingens verletzt oder für Mittel wirbt, die mit den Grundwerten des Schwingens nicht zu vereinbaren sind.

Es sind lediglich Werbeaufschriften in der Grösse von 90 Quadratzentimetern auf Kleidungsstücken (inklusive Rucksack) erlaubt, aber nicht auf dem Wettkampftenue und auf der Festbekleidung. Das bedeutet, dass ein Schwinger dann, wenn er im Sägemehl kämpft und im Fokus der TV-Kameras steht, keinerlei Werbeaufschriften tragen darf. Darin unterscheidet sich Schwingen von anderen Einzelsportarten (wie Tennis, Velo oder Ski), die Werbung auf Mann oder Frau sowohl in der Arena als auch auf dem Wettkampftenue erlauben.

Immerhin darf ein Schwinger bei Werbekampagnen mit Kranz und Festbekleidung, in Wettkampftenue und Schwinger-Hosen auftreten. Alle PR- und Werbeaktivitäten sowie Werbeverträge müssen durch den Verband genehmigt werden. (kza)

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