French Open

In der Brust von Ex-Profi Marc Rosset schlagen zwei Herzen: Eins für Wawrinka, das andere für Nadal

Der Schweizer ex-Tennis-Profi Marc Rosset erklärt, wie Stan Wawrinka im Final der French Open Rafael Nadal besiegen kann.

Simon Häring
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Marc Rosset (l.) würde auch Rafael Nadal den Sieg gönnen.

Marc Rosset (l.) würde auch Rafael Nadal den Sieg gönnen.

KEYSTONE

Obwohl er bei den French Open schon neun Mal triumphiert hat, gibt es kaum jemanden, der Rafael Nadal (31) den zehnten Erfolg, die «Decima», nicht gönnen würde. Zu oft hat Nadal, der 52 seiner 72 Titel auf Sand gewonnen hat und damit auf dieser Unterlage als Bester der Geschichte gilt, wegen Verletzungen grosse Turniere verpasst.

Marc Rosset (l.) und Jakob Hlasek jubeln am 25. September 1992 in Genf nach ihrem Sieg im Davis Cup Halbfinal der Schweiz gegen Brasilien.

Marc Rosset (l.) und Jakob Hlasek jubeln am 25. September 1992 in Genf nach ihrem Sieg im Davis Cup Halbfinal der Schweiz gegen Brasilien.

Keystone

Den letzten seiner 14 Erfolge bei Grand-Slam-Turnieren feierte der Spanier vor drei Jahren in Paris, als er im Final Novak Djokovic bezwingen konnte. Mit der Referenz von drei Turniersiegen in Monte Carlo, Barcelona und Madrid gilt Nadal in diesem Jahr als Kronfavorit. Es scheint ihm, wie bei Erzrivale Roger Federer im Januar in Australien, bestimmt zu sein, dass er beim Turnier, das seine Karriere definiert, eine Marke für die Ewigkeit setzt.

Rosset: «Ich liebe diesen Typen»

In der Brust von Ex-Profi Marc Rosset schlagen zwei Herzen, wie der French-Open-Halbfinalist von 1996 sagt. «Ich liebe diesen Typen, würde ihm diesen zehnten Titel so was von gönnen. Er spielt schon seit Anfang Jahr sehr stark, nicht erst auf Sand. Das halte ich den Leuten manchmal etwas vor, dass sie das nicht honorieren», sagt der 46-Jährige, der als Experte des Westschweizer Fernsehens in Paris weilt. «Wenn es nicht Stan ist, der ihn schlägt, dann bin ich für ihn. Aber klar, wenn Rafa gegen Stan antritt, muss ich natürlich für Stan sein», sagt Rosset.

Marc Rosset: «Ich liebe diesen Typen (Nadal), würde ihm diesen zehnten Titel so was von gönnen. Er spielt schon seit Anfang Jahr sehr stark, nicht erst auf Sand.»

Marc Rosset: «Ich liebe diesen Typen (Nadal), würde ihm diesen zehnten Titel so was von gönnen. Er spielt schon seit Anfang Jahr sehr stark, nicht erst auf Sand.»

Keystone

Als Schlüssel für den Erfolg gegen den Spanier, der in Paris den Platz bei zwölf Teilnahmen bisher erst zwei Mal als Verlierer hat verlassen müssen, sieht Rosset die Länge der Ballwechsel. «Stan muss diese kurz halten und versuchen, Nadal hin und her zu jagen. Ein Djokovic kann das gut, weil er in der Diagonale gut ist, das mag Nadal nicht, er verteilt die Bälle lieber aus der Mitte. Aber das mit einer zweihändigen Rückhand zu machen, ist schon schwer genug. Mit einer einhändigen Rückhand, auf Sand – das ist eine echte Herausforderung. Stan ist vielleicht fähig dazu. Aber ihm muss ein enormer, kompletter Match von Anfang bis Ende gelingen. Das perfekte Spiel.»

Rosset glaubt, dass selbst für Rafael Nadal der Druck spürbar sein wird. «Wenn er vor seinem zehnten Paris-Titel steht, dann könnte das schon zum Thema werden. Er hat längere Zeit keinen Grand-Slam-Titel mehr gewonnen und diese Titel sind wichtig für ihn.

Stan Wawrinka (l.) mit seinem Finalgegner Rafael Nadal. Bild: Wawrinka nach dem Australian-Open-Sieg 2014.

Stan Wawrinka (l.) mit seinem Finalgegner Rafael Nadal. Bild: Wawrinka nach dem Australian-Open-Sieg 2014.

Keystone

Die Favoritenrolle, das sagt auch Mats Wilander, der die «Coupe des Mousquetaires» einst gewann, liegt aber klar bei Rafael Nadal. «Ganz ehrlich? Ich kann mir keinen anderen Sieger als ihn vorstellen. Er war schon die ganze Saison gut und auf Sand hat er dann sogar einen unfassbar starken Eindruck hinterlassen», sagt der Schwede.

Bereits vor der zweiten Woche sagt er, dass er nur einem Spieler zutraut, Nadal in Paris ernsthaft fordern zu können: Stan Wawrinka, seinem Lieblingsspieler. «Mir gefällt, dass er über so lange Zeit so hart und präzise schlagen kann. Wenn er sein bestes Tennis spielt, kann ihn eigentlich keiner bezwingen.» Nadal führt im Head-to-Head gegen Wawrinka klar mit 15:3, auf Sand mit 5:1. Beim einzigen Duell in Paris überliess er Wawrinka 2013 im Viertelfinal nur sechs Games. Den einzigen Grand-Slam-Final, jenen 2014 in Australien, hat aber Stan Wawrinka gewonnen.