Interview

EVZ-Goalie Luca Hollenstein: «In meinem Alter bedeutet Spielpraxis alles»

Mit Luca Hollenstein spielt eines der grössten Schweizer Goalie-Talente beim EV Zug. Er ist hinter Leonardo Genoni die klare Nummer 2 – hofft aber auf weitere Einsätze.

Philipp Zurfluh
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Der 19-jährige Luca Hollenstein war an den U20-Weltmeisterschaften in Tschechien im Einsatz.

Der 19-jährige Luca Hollenstein war an den U20-Weltmeisterschaften in Tschechien im Einsatz.

Bild: Petr David Josek/AP (Trinec, 2. Januar 2020)

Luca Hollenstein ist bestens gelaunt, als er sich nach dem Mannschaftstraining den Fragen unserer Zeitung stellt. Dem gebürtigen Churer läuft es rund. Erst vor einigen Tagen war er mit der Schweizer U20-Nationalmannschaft in Tschechien im Einsatz und stand bei vier von fünf Partien auf dem Eis. Die Schweiz wurde in ihrer Gruppe Zweite. Erst der Viertelfinal gegen Russland bedeutete Endstation. Hollenstein wurde gar als bester Spieler seines Teams ausgezeichnet.

Nun schuftet das Talent wieder im Dress der Zuger. In diesem hat Hollenstein, der vor vier Jahren vom EHC Chur zum EV Zug wechselte, bereits mehrere Male für Furore gesorgt. Weil Stammtorhüter Leonardo Genoni wegen einer Adduktorenverletzung zwischenzeitlich ausfiel, stand der in Zug wohnhafte Teenager plötzlich im Rampenlicht. Der 19-Jährige kam zu insgesamt acht Einsätzen und zahlte das in ihn gesetzte Vertrauen mit starken Leistungen zurück. Hollenstein beeindruckte mit einer Fangquote von knapp 93 Prozent.

Noch nie hat ein Schweizer U20-Team so viele Punkte in der Vorrunde geholt wie an der WM in Tschechien. Mit Finnland haben Sie den Weltmeister von 2019 besiegt. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Luca Hollenstein: Unsere Mannschaft legte einen Steigerungslauf hin. Die Vorrunde verlief besser als erwartet. Im Viertelfinal gegen die Russen konnten wir leider nicht an unser Leistungsniveau anknüpfen und haben nicht das beste Hockey gezeigt. Doch insgesamt dürfen wir zufrieden sein.

Und wie beurteilen Sie Ihre persönliche Leistung?

Durchzogen. Ich konnte mein Top-Niveau nicht erreichen. Gegen die Kasachen und Schweden war ich mit meiner Leistung unzufrieden. Das Spiel gegen Russland war mein Bestes. Das internationale Niveau ist beeindruckend. Die Spieler sind technisch versiert und vor dem Tor eiskalt. Als Torhüter muss man das Spiel unglaublich gut lesen. Eine Unachtsamkeit wird brutal bestraft.

Von aussen macht es den Anschein, als könne Sie nichts aus der Fassung bringen. Sie strahlen Ruhe aus.

Wenn ein Match beginnt, bin ich locker drauf. Finde ich dann gut in eine Partie, fühle ich mich automatisch wohler. Nervosität zeigt sich bei mir meistens nur vor einem Spiel.

Wie gehen Sie mit haltbaren Gegentoren um?

Klar macht man sich Gedanken, wie man anders hätte reagieren sollen. Es ist nicht leicht, ein haltbares Gegentor abzuhaken. Doch das ist meine Aufgabe als Torwart. Ich muss lernen und es das nächste Mal besser machen. Fehler haben auch etwas Positives.

Ihre Fangquote stellt solche von gestandenen und ligaerprobten und routinierten Goalies in den Schatten. Haben Sie sich mit Ihren Auftritten selbst überrascht?

Nein. Das Team hat mir bei meinen Einsätzen enorm geholfen. Ich hatte einfach einen Lauf und konnte somit die Mannschaft unterstützen. Nun hoffe ich auf weitere Einsätze, um mich zu beweisen. In meinem Alter ist Spielpraxis alles.

Für Ihr Alter wirken Sie abgeklärt. Wo gibt’s noch Verbesserungspotenzial?

Man kann immer irgendwo etwas herausholen. Verbessern möchte ich mich vor allem beim Stickhandling. Dadurch kann ich die Defensivspieler unterstützen. Zudem möchte ich das Spiel noch besser lesen. Da kann ich von Genoni viel abschauen.

Apropos Genoni. Sie sind hinter dem Meister-Goalie die klare Nummer 2. Was hält Ihre Motivation trotzdem am Leben?

Genoni ist der beste Goalie der Schweiz, und dessen bin ich mir bewusst. Ich habe das Privileg, jeden Tag mit ihm zusammen auf dem Eis zu stehen und zu lernen. Das bringt mich weiter. Ich profitiere auch, wenn ich auf der Bank sitze und Genoni bei den Spielen beobachte.

Wagen wir einen Blick in die Zukunft. Sie haben beim EV Zug noch Vertrag bis 2022. Für viele junge Eishockeyspieler ist die NHL ein Traum. Auch für Sie?

Um den Traum verwirklichen zu können, braucht es viel. Den Schritt schaffen schlussendlich nur wenige. Zuerst muss ich mich in der National League durchsetzen. Derzeit fühle ich mich wohl in meiner Rolle. Ich möchte an mir arbeiten und mit guten Leistungen überzeugen.