Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ITALIEN: Der Wadenbeisser knurrt wieder

Mit Gennaro Gattuso schlüpft bei der AC Milan schon wieder ein ehemaliger Spieler in die Rolle des Chefcoachs. Trotz mehreren Negativbeispielen aus der jüngsten Vergangenheit sieht sich der impulsive Kalabrese nicht als Übergangslösung.
Lukas Plaschy, Mailand
Gennaro Gattuso kehrt als Nachwuchstrainer zu seiner alten Liebe zurück (Archivbild) (Bild: KEYSTONE/MAXIME SCHMID)

Gennaro Gattuso kehrt als Nachwuchstrainer zu seiner alten Liebe zurück (Archivbild) (Bild: KEYSTONE/MAXIME SCHMID)

Während seiner Aktivkarriere entsprach Gennaro Ivan Gattuso wahrlich nicht dem Prototyp des modernen Fussballstars und Glamourboys. «Klein, und ungraziös, mit diesem grimmigen Blick, sogar wenn er lächelt.» So beschrieb ihn einmal das italienische Nachrichtenmagazin «L’espresso». Als unermüdlicher Wadenbeisser im defensiven Mittelfeld wurde der heute 39-jährige Süditaliener bei der AC Milan zur Ikone und zum Publikumsliebling. Mit den Ros­soneri gewann er Meistertitel und Champions-League-Pokale und wurde 2006 mit Italien Weltmeister. Er drehte gemeinsam mit Francesco Totti Werbespots, eröffnete in seinem kalabrischen Heimatort Schiavonea eine Fischfabrik und eine Fussballschule.

2012 verabschiedete sich Gattuso aus Mailand Richtung Wallis. In Sion machte er auch seine ersten Erfahrungen als Coach. Die Trainerkarriere wollte danach aber weder in Palermo noch auf Kreta oder in Pisa so richtig durchstarten.

Nach der Entlassung von Vincenzo Montella erhielt Gattuso Anfang dieser Woche nun ganz plötzlich die Chance, an alter Wirkungsstätte seine Trainertauglichkeit in der Serie A unter Beweis zu stellen. Sportdirektor Massimiliano Mirabelli und Geschäftsführer Marco Fassone holten ihn nach Absprache mit den neuen chinesischen Milan-Besitzern. Es ist dies der sechste Trainerwechsel bei Milan seit 2014.

Gattusos Nomination mag Aussenstehende überraschen. In der Vergangenheit hatte der Club aber immer wieder ehemalige Spielergrössen auf den Trainersessel katapultiert, kaum hatten sie die Stollenschuhe an den Nagel gehängt. Als Vorbild gilt wohl das Beispiel von Fabio Capello, Silvio Berlusconis genialer Einfall nach der Entlassung von Arrigo Sacchi 1991. Doch weder Clarence Seedorf noch Filippo Inzaghi oder Cristian Brocchi konnten dieses Erbe zuletzt fortführen. Gattuso soll die Elf um den Schweizer Ricardo Rodriguez nun wenigstens noch in die Europa-League coachen. Im Sommer hatte man noch von der Cham­pions-League geträumt – der positive Effekt der grossen Transferoffensive (elf neue Spieler für über 200 Millionen Euro) verpuffte aber bereits im Spätherbst. In den letzten vier Heimspielen gelang kein einziges Tor.

Viel prominenter Support

Obwohl sein Vertrag nur bis Sommer 2018 läuft, sieht sich Gattuso nicht einfach als Intermezzo. Sein Bart ist zwar grauer und die Figur rundlicher geworden. Bereits an der ersten Pressekonferenz am Dienstag konnte man sich jedoch ein Bild machen, warum er als Spieler «Ringhio» (Der Knurrige) genannt wurde. «Ich habe meine Trainerlizenz nicht geschenkt bekommen», entgegnete Gattuso jenen Kritikern, welche monierten, sein Matchplan würde wie damals als Spieler nur aus «Schweiss, Blut und Schlägen» bestehen. Zweifelsohne bringt seine Verpflichtung wieder vermehrt kämpferische Qualitäten ins Team zurück. Die ersten Übungseinheiten sollen von der Intensität her die strengsten seit Monaten gewesen sein.

Erster Gradmesser für Milans Neotrainer ist am Sonntagmittag auswärts der noch punktelose Aufsteiger Benevento. «Ich will, dass meine Mannschaft diesen Match so angeht, als wäre es der WM-Final.» Die Tifosi zeigen sich verhalten optimistisch. Bei der Prominenz aber kann Gattuso bereits auf viel Support zählen. Silvio Berlusconi wünschte seinem ehemaligen Angestellten telefonisch alles Gute. Gianluigi Buffon, Weggefährte in der Nationalmannschaft, kommentierte über Twitter: «Gattuso weiss, wo er Hand anlegen muss.» Arrigo Sacchi, Fabio Capello, Carlo Ancelotti und Fabio Cannavaro sendeten ihre Glückwünsche per SMS. Ausgerechnet der im Herbst bei Bayern München freigestellte Ancelotti gilt jedoch als Wunschkandidat der Chinesen für die nächste Saison. Oder hält das Knurren Gattusos in Mailand doch länger an?

Lukas Plaschy, Mailand

sport@luzernerzeitung.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.