JAPAN: Formel 1 in Suzuka unter Schock

Am Ende gab es in Suzuka keine Jubelszenen, vielmehr herrschte tiefe Betroffenheit. Der von Lewis Hamilton gewonnene Grand Prix von Japan wurde von einem schweren Unfall des Franzosen Jules Bianchi überschattet.

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Jules Bianchi wird von Rettern geborgen. In einem Rettungswagen wurde er derweil in ein Spital gebracht; der Fahrer des Teams Marussia-Ferrari war dabei nicht bei Bewusstsein. (Bild: Keystone)

Jules Bianchi wird von Rettern geborgen. In einem Rettungswagen wurde er derweil in ein Spital gebracht; der Fahrer des Teams Marussia-Ferrari war dabei nicht bei Bewusstsein. (Bild: Keystone)

Nach dem fürchterlichen Crash, der von den TV-Bildern nicht eingefangen wurde, entschied die Rennleitung, das 15. Saisonrennen der Formel-1-WM vorzeitig abzubrechen und nach 44 von ursprünglich 53 angesetzten Runden zu werten. In einem Rettungswagen wurde Bianchi derweil in ein neun Kilometer entferntes Spital gebracht; der Fahrer des Teams Marussia-Ferrari war dabei gemäss einem Sprecher des Internationalen Automobil-Verbandes FIA nicht bei Bewusstsein. Weitere verlässliche und genauere Informationen zu Bianchis Gesundheitszustand lagen zunächst nicht vor. Der 25-jährige Franzose krachte in einen Bergungskran, der gerade dabei war, den Sauber-Ferrari des kurz zuvor wegen Aquaplaning von der Strecke abgekommenen Adrian Sutil aus der Gefahrenzone zu bringen, und rutschte seitlich unter den Trax. Der Unfall Bianchis ereignete sich folglich, während Gelbe Flaggen geschwenkt und den Fahrern so ein Überholverbot und eine Gefahr auf dem Circuit signalisiert wurden.

Nach Rennabbruch herrschte im Fahrerlager grosse Sorge um Bianchi, das Rennresultat wurde dergestalt sofort zur Nebensache. Mit seinem achten Saisonsieg baute Lewis Hamilton die Führung im WM-Klassement um sieben auf zehn Zähler aus. Das entscheidende Überholmanöver gegen den aus der Pole-Position gestarteten Nico Rosberg gelang ihm in der 29. Runde, nachdem er den Deutschen zuvor während einigen Minuten unter Druck gesetzt hatte. Der Brite war auch in der Folge deutlich schneller unterwegs als Rosberg und nahm seinem Teamkollegen und WM-Konkurrenten rasch ein paar Sekunden ab.

Freude über den 30. Grand-Prix-Triumph seiner Karriere und den dritten de suite kam bei Hamilton selbstredend keine auf: «Wir sind alle sehr betroffen», meinte der 29-Jährige, der zumindest statistisch gesehen den zweiten WM-Titel nach 2008 bereits im Sack hat. Noch nie in der Geschichte der Formel 1 wurde nämlich ein Fahrer mit mindestens acht Saisonsiegen nicht auch Weltmeister. Hamilton und Rosberg sorgten in Suzuka überdies für den achten Doppelerfolg der Silberpfeile in diesem Jahr. Die Rekordmarke von zehn Doppelsiegen - aufgestellt von McLaren im Jahr 1988 mit den Fahrern Ayrton Senna und Alain Prost - könnte heuer angesichts der Überlegenheit von Mercedes und noch vier ausstehenden Rennen durchaus eingestellt oder gar übertroffen werden.

Dritter hinter dem überlegenen Mercedes-Duo wurde am Tag nach der Bekanntgabe seines Abgangs bei Red Bull Sebastian Vettel vor Teamkollege Daniel Ricciardo. Der Deutsche erinnerte daran, wie schnell in diesem Hochgeschwindigkeitsspektakel etwas passieren könne. «Man schlägt das Risiko immer aus.» Einen Grand Prix zum Vergessen erlebte Fernando Alonso, der bereits kurz nach Wiederaufnahme des Rennens wegen eines Elektronikproblems aufgeben musste. Da Kimi Räikkönen nicht über Rang 12 hinauskam, blieb die Scuderia aus Maranello erstmals seit dem 11. Juli 2010 ohne WM-Punkte.

Saubers Serie in Japan gerissen

Das Sauber-Team musste die Weiterreise nach Sotschi, wo am nächsten Sonntag erstmals der Grand Prix von Russland ausgetragen wird, wenig überraschend ohne Erfolgserlebnis antreten. Noch immer wartet die Equipe aus Hinwil auf die ersten WM-Zähler des Jahres. Damit ging für Sauber eine stolze Serie zu Ende, denn im 22. Rennen in Japan seit dem Formel-1-Einstieg 1993 war es das erste Mal, dass kein Top-10-Platz resultierte. Esteban Gutierrez, der vor Jahresfrist in Suzuka als Siebenter zum bislang einzigen Mal in die Punkteränge gefahren war, erreichte Platz 13. Für Adrian Sutil war das Rennen vorzeitig zu Ende - ein Top-10-Platz war vor dem Ausscheiden längst ausser Reichweite geraten. Wenig später war der 31-jährige Bayer Augenzeuge des fürchterlichen Unfalls von Bianchi.

Aufgrund der misslichen Bedingungen wegen der Niederschläge musste zweimal hinter dem Safety-Car gestartet werden - die Rennleitung unterbrach das Rennen nach zwei Runden erstmals. Unmittelbar nach der Freigabe des Rennens in der zehnten Runde wechselten die Fahrer jedoch auf die Intermediate-Reifen. Die Sicht blieb zwar bis zum Rennende eingeschränkt, weiterer starker Regen setzte jedoch nicht ein. Durch den heranziehenden Taifun Phanfone war vorübergehend gar über einen früheren Rennstart nachgedacht worden.

si